Der weibliche Zyklus ganzheitlich betrachtet, Mestruationszyklus der Frau
02.09.2021

Der weibliche Zyklus
ganzheitlich betrachtet

Text: Beatrix Treml

Wer den eigenen Körper kennt, kann sein Leben besser planen und Chancen besser nutzen. Das trifft insbesondere auf Frauen zu. YOLO zelebriert den weiblichen Zyklus – warum genau? Lesen Sie, staunen Sie, lernen Sie...

Der weibliche Zyklus nimmt Millionen von Frauen monatlich auf´s Neue mit auf eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle. Um besser mit den Höhen und Tiefen umgehen zu können, ist es wichtig, zwischen den Besonderheiten der verschiedenen Zyklusphasen unterscheiden zu können. Aber was ist der Zyklus genau und warum durchleben Frauen jeden Monat Stimmungsschwankungen? Was sind Gründe für einen unregelmäßigen Zyklus? YOLO nimmt den Einfluss von Körper, Geist und Psyche auf die Menstruation unter die Lupe und vergleicht die einzelnen Zyklusphasen mit den vier Jahreszeiten. Sie werden sehen, dass sich Ihre Sicht auf dieses körperliche Phänomen ändern wird...

Definition Zyklus

Der Menstruationszyklus ist so viel mehr als nur die Menstruation. Im Grunde bereitet sich der Körper jeden Monat erneut darauf vor, neun Monate ein heranwachsendes Kind zu beheimaten. Dies äußert sich durch wiederkehrende Veränderung der Gebärmutterschleimhaut und der gleichzeitigen Heranreifung einer Eizelle im Eierstock. Der gesamte Zyklus wird von einem hormonellen Regelkreis gesteuert. Die Hormone bilden sich in den Hirnanhangsdrüsen, der Gebärmutter und den Eierstöcken. Den Startschuss für einen neuen Zyklus gibt das follikelstimulierende Hormon FSH. Es regt die Follikel im Eierstock zur Reifung an.

Die Länge des Zyklus ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Laut Gynäkologin Dr. Doris Scharrel liegt bei einer hohen Prozentzahl die Zyklusdauer zwischen 21 und 35 Tagen und mehr als 80 Prozent der Zyklen im Allgemeinen schwanken. Es gibt also keine Durchschnittsfrau mit einem 28 Tage Zyklus, wie in den Lehrbüchern angegeben. Die Ovulation, also der Eisprung, kann demnach auch vor oder nach dem 14. Zyklustag stattfinden. Grundsätzlich beginnt der weibliche Zyklus mit dem ersten Tag der Menstruation und endet mit dem letzten Tag vor der nächsten Blutung.

Bei Mädchen und jungen Frauen ist ein unregelmäßiger Zyklus völlig unbedenklich. Der Mediziner Rüdiger Dahlke vergleicht dies mit einem noch nicht fest verankerten Lebensrhythmus". Stabilisiert er sich, so spiegelt sich das auch in einem regelmäßigen Menstruationszyklus wider. Hat sich dieser Rhythmus allerdings nach mehreren Jahren noch immer nicht eingependelt, liegen die Ursachen auf der seelischen und sozialen Ebene. In der Schulmedizin wird die Regelmäßigkeit allerdings mit künstlichen Mitteln, wie der Antibabypille, erzwungen. „Aus gynäkologischer Sicht bringen die frühen Hormongaben auch die Problematik mich sich, dass in ein noch unfertiges System eingegriffen wird, das sich unter diesen künstlichen Umständen nur schwer fertig entwickeln kann", so Dahlke. Als Konsequenzen sieht er eine kleingebliebene Gebärmutter oder gar Schwierigkeiten bei der Empfängnis.

Der weibliche Zyklus laut TCM

Der weibliche Zyklus steht laut TCM hauptsächlich unter dem Einfluss von Herz, Milz, Niere und Leber. Die Milz ist für die Blutbildung und für das Qi zuständig, um das Blut lange genug in der Gebärmutter zu halten. Das Herz sorgt für die Umwandlung der Yin zur Yang-Phase, dem Eisprung. Beim Einsetzen der Blutung geht die Yang-Phase wieder zur Yin-Phase über. Die Niere speichert die Essenz, welche herangezogen wird, wenn die Milz nicht genügend Qi produziert. Die Leber dient als Blutspeicher und sorgt für einen harmonischen Qi-Fluss, auch in der Gebärmutter.

Ist der Zyklus sehr unregelmäßig, steckt nach Traditioneller Chinesischer Medizin eine Leber-Qi-Stagnation dahinter. Ein ausgeglichener Lebensstil, sowie regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Schlaf unterstützen den Körper auf dem Weg zurück zum Gleichgewicht. Auch Akupunktur und Heilkräuter helfen, den Zyklus wieder in den Griff zu bekommen.

 

Die vier Zyklusphasen

Phase 1: Aufbauphase oder Follikelphase

Die erste Phase im weiblichen Zyklus wird Aufbauphase, oder auch Profilerationsphase, genannt. Es reifen mehrere Follikel im Eierstock heran. Ein Follikel ist mehr oder weniger eine Blase, in welcher sich die Eizelle bildet und heranwächst – es ist daher auch oft von Eibläschen die Rede. Ein Eibläschen setzt sich durch und wächst weiter. Dafür zuständig ist das follikelstimulierende Hormon FSH. Zeitgleich wird unter dem Einfluss von Östrogen der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Edometrium) initiiert – daher auch Aufbauphase. Das Ende dieser Phase ist durch einen klaren, flüssigen Ausfluss zu erkennen.

Blut und Yin sind in dieser Phase im Mangel und müssen gestärkt werden. Viel trinken und ein vermehrter Verzehr von Yin-Lebensmittel verhelfen dem Körper zu einem guten Übergang in die Yang-Phase. 

Phase 2: Eisprung

Dies ist der Zeitpunkt um schwanger zu werden. Gesteuert wird die fruchtbare Phase durch das luteinisierende Hormon LH, welches als Reaktion auf einen stark erhöhten Östrogenspiegel gebildet wird. Die Eizelle ist gereift und verlässt das Eibläschen. Sie wandert über die Eileiter in Richtung Gebärmutter. Die zeitgleiche Öffnung des Gebärmutterhalses und die Verflüssigung des Zervixschleims (Ausfluss) erleichtern den Spermien den Weg über den Gebärmutterhals in die Eileiter. Bei einer Geschwindigkeit von etwa vier Millimeter pro Minute werden für diesen Weg einige Stunden zum Ort der Befruchtung im Eileiter benötigt. Findet innerhalb von maximal 24 Stunden keine Befruchtung statt, stirbt die Eizelle ab.

Zu diesem Zeitpunkt geht das Yin in das Yang über. Für einen reibungslosen Qi-Fluss ist es wichtig negativen Stress und Ärger außen vor zu lassen. Viel Bewegung und Gemüse stärken das Leberblut.

Phase 3: Sekretionsphase

Der Follikel, welcher die Eizelle freigegeben hat, bleibt im Eierstock zurück und wird zum Gelbkörper. Dieser schüttet unter Einfluss von LH das Hormon Progesteron aus. Es folgt eine Veränderung der Gebärmutterschleimhaut. Sie reichert Nährstoffe an, da sich der Körper auf eine mögliche Einnistung in der Gebärmutter vorbereitet. Das Gelbkörperhormon, Progesteron, sorgt dafür, dass keine neuen Eizellen heranreifen. Am Ende der Sekretionsphase bildet sich auch der Gelbkörper zurück und das Progesteronlevel sinkt ab, wenn sich keine Eizelle eingenistet hat. Fand eine Befruchtung statt, bleibt der Progesteronspiegel hoch und verhindert das Eintreten der Menstruationsphase.

In dieser Yang-Phase sollte die Gebärmutter warm gehalten werden. Dies gelingt mit warmen Lebensmitteln, wie Walnüsse, Quinoa, Knoblauch oder Lammfleisch. Je näher die Periode rückt, desto mehr steigt das Leber-Yang an. Laut TCM bedeutet das erhöhte Reizbarkeit und Spannungsgefühle. Diese Symptome sind auch unter PMS – Prämenstruelles Syndrom – bekannt. Regelmäßige Bewegung lässt das Qi ungestört fließen.

Phase 4: Menstruationsphase

Hat sich keine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet, ist es Zeit aufzuräumen – die oberen Schleimhautschichten, die zuvor für die Einnistung gebildet wurden, werden abgestoßen. Diese werden mit etwa 50 bis 100 Milliliter Blut durch Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur durch den Gebärmutterkanal entfernt. Es kommt zur Blutung und möglichen Krämpfen. Noch am ersten Tag der Menstruation beginnt die Reifung einer neuen Eizelle, ein neuer Zyklus beginnt.

Die Monatsblutung einer Frau verrät laut TCM sehr viel über ihren energetischen Zustand, über ihre Lebensenergie Qi und ihr Blut, sowie ihr Yin und Yang. Am engsten damit verbunden ist die Leber. Sie ist zuständig für ein freies Fließen des Qi. Wird dieses blockiert, kommt es zu Verspannungen und Regelschmerzen. Scharfe, bittere und saure Lebensmittel sollten laut TCM in dieser Phase nicht im Übermaß verzehrt werden. Sie verbrauchen Körpersäfte und können ein zusätzliches Zusammenziehen der Gebärmutter verursachen.

Der weibliche Zyklus und seine Phasen
Der weibliche Zyklus und seine Phasen

Der weibliche Zyklus als Jahreszeiten betrachtet

Anhand körperlicher Anzeichen kann eine Frau feststellen, in welcher Phase des Menstruationszyklus sie sich gerade befindet. Aber nicht nur die Körpertemperatur oder die Konsistenz des Schleimes im Gebärmutterhals, der sogenannte Zervixschleim, geben Auskunft über die Empfängnisbereitschaft, sondern auch Stimmung und Energielevel.

Sie haben bestimmt schon vom Biorhythmus gehört? Die innere Uhr soll den Takt unseres Lebens vorgeben. Wir unterscheiden zwischen Ruhe- und Aktivitätsphasen oder einfach nur zwischen Tag und Nacht. Der Körper gibt Signale und im besten Fall befolgen wir diese. Ebenso sollte das beim weiblichen Zyklus der Fall sein. Denn genau, wie die oben genannten Zyklen, hat auch dieser Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. Hilfreich ist die Betrachtung der vier Zyklusphasen als Jahreszeiten. Während im Winter ein Kaminfeuer und ein gutes Buch bevorzugt werden, sind im Sommer Schwimmen am Meer und die Zeit unter Freunden weitaus attraktiver. Nur wenige würden im Sommer vor dem Kamin sitzen – Sie verstehen, worauf wir hinauswollen... Durch das Hineinhören in den eigenen Körper kann die Energie besser eingeteilt  werden und das Qi ungehindert fließen.

Frühling: die Aufbauphase

Im Frühling beginnt die Erde wieder zu leben. Stimmung und Motivation steigen an und auch das Energielevel wird von Tag zu Tag mehr. Alles wächst und gedeiht – so auch die Eizellen im Körper. Der Frühling eignet sich ideal für Sport, da der Progesteronanteil im Blut relativ niedrig ist. Die meisten Frauen fühlen sich daher aktiv und voller Tatendrang.

Die beste Zeit für: wichtige Entscheidungen, neue Menschen kennenlernen, Ziele setzen, konkrete Pläne machen, große Projekte beginnen, Sport

Sommer: der Eisprung

Während der fruchtbaren Phase steigt das Östrogenlevel stark an. Aus diesem Grund spüren Frauen zu diesem Zeitpunkt das größte Verlangen nach Liebe und Sexualität, sie fühlen sich attraktiv und begehrenswert. Laut einer finnischen Studie fühlen sich Männer während der Ovulationsphase mehr zu Frauen hingezogen.

Der Sommer ist die Hochphase im Zyklus. „Diese Zeit ist perfekt für Gehaltsgespräche, Job-Interviews oder für Vorträge. Wir können unsere Ideen und Vorschläge überzeugender rüberbringen als sonst und problemorientiert arbeiten", so Anna Buzzoni, Gründerin des Startups Medulla - Cycles and Insights.

Die beste Zeit für: Gehaltsverhandlungen oder Bewerbungsgespräche, wichtige Termine und Präsentationen, Flirts und Dating

Herbst: die Sekretionsphase

Das Progesteron nimmt überhand. Da es eine wesentliche Rolle beim Stressabbau der Frau spielt, sind Frauen in der Herbstphase am gelassensten. Alles wird ruhiger und nach „innen“ gerichtet, die Energie lässt spürbar nach und Stimmungsschwankungen können auftreten. Man spricht auch von der Phase der inneren Kraft. Frauen sehnen nach Kontakt mit vertrauten Personen und wenigen sozialen Verpflichtungen. Nachgewiesenermaßen hilft Progesteron, schneller einzuschlafen – Frauen haben daher in dieser Phase einen besseren Tiefschlaf und schlafen länger.

Die beste Zeit für: analytische Aufgaben, Yoga und Meditation, Achtsamkeitsübungen, das Zuhause aufräumen und für den „Winter“ vorbereiten, Gewohnheiten aufgeben, Routinearbeiten

Winter: die Menstruation

Der Winter ist die Phase der Ruhe, da die Menstruation dem Körper viel Energie kostet. Frauen sollten sich bewusst entspannen, zurückziehen und Zeit für sich selbst nehmen. Laut Forschern ist zu dieser Zeit die Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften am stärksten ausgeprägt. Das erklärt auch, warum Frauen während der Regel dazu tendierten, alles zu hinterfragen.

Die beste Zeit für: Ideen sammeln, kuscheln, sanfte Dehnübungen ausführen, ein gutes Buch lesen, Spaziergang in der Natur

Der weibliche Zyklus – ein Geschenk der Vielfalt

Leider haben wir im Trubel des Alltags oftmals verlernt Signale und Zeichen des Körpers richtig zu deuten oder diese überhaupt wahrzunehmen. Bei Spannungsgefühlen im Kopf wird zur Tablette gegriffen, bei Regelbeschwerden ebenso. Dabei möchte der Körper doch nur, dass wir den Ursachen auf den Grund gehen und nicht nur die Symptome behandeln. Der Mensch ist ein Zusammenspiel aus Körper, Geist und Seele – die Verknüpfung spiegelt sich in allen Lebensbereichen wider. So auch im weiblichen Zyklus.

Jede Phase des Menstruationszyklus ist anders und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Durch den Vergleich mit den vier Jahreszeiten wird schnell bewusst, was zu welcher Zeit stattfinden oder eben nicht stattfinden soll. Mit diesem Wissen, können Frauen besser planen und das Beste aus der jeweiligen Phase schöpfen.


Quellen:


Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 2.9.2021

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