Die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren – Esoterik oder Phänomen? , wie der Körper sich selbst heilt, Vagus Nerv Übungen
03.08.2021

Die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren – Esoterik oder Phänomen?

Text: Beatrix Treml

Gesundheit beginnt im Kopf, stimmt das wirklich? Wird von den Selbstheilungskräften des Körpers gesprochen, denken viele an Esoterik und Wunderheilung. Fakt ist, dass jeder Körper über Selbstheilungskräfte verfügt und diese nur funktionieren, wenn Körper und Geist im Einklang sind. Wir zeigen, wie Sie Ihre Selbstheilungskräfte aktivieren können.

Wir lesen immer nur was wir machen und tun sollen, damit wir nicht krank werden. Was aber, wenn wir uns mehr darauf fokussieren würden, was zur Erhaltung der Gesundheit beiträgt, den Körper stärkt und der Seele guttut? Warum der Mensch über Selbstheilungskräfte verfügt, was diese blockiert oder aktiviert und was der Vagus Nerv damit zu tun hat, hat YOLO in diesem Beitrag zusammengefasst. 

Werden Bedürfnisse missachtet oder erst gar nicht wahrgenommen, wird ein Ungleichgewicht im Körper erzeugt – wir werden langfristig krank. Grund dafür ist die Blockierung der Selbstheilungskräfte bei körperlicher Imbalance. Diese Balance wieder zu erreichen ist schwer, da die Gesellschaft darauf ausgerichtet ist, persönliche Befindlichkeiten hintenanzustellen. Da die Allgemeinheit aber nicht einfach zu ändern ist, wird es Zeit bei sich selbst anzufangen. Daher gilt es, den Selbstheilungskräften des Körpers mehr Aufmerksamkeit zuzuschreiben.

Negativer Stress als Saboteur der Selbstheilungskräfte

Der Optimierungswahn der Gesellschaft und das Streben nach dem perfekten Leben führen zur Missachtung der eigenen Bedürfnisse. Dadurch sind wir als Gesellschaft so produktiv geworden, dass wir mittlerweile zum Mond fliegen oder Organtransplantationen durchführen können. Doch der Preis dafür ist hoch. Wir behandeln uns selbst nachrangig, sind dauerhaft unter Strom und psychosomatische Krankheiten nehmen zu. Vor allem Menschen, die unter ständigem Druck leiden und somit ihre eigenen körperlichen und psychischen Bedürfnisse ignorieren, sind davon betroffen. Dass negativ wahrgenommener Stress eine Gesundheitsgefahr darstellt, ist längst bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO  bezeichnet Stress sogar als eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt anfangen können, etwas dagegen zu unternehmen. Dazu ist es wichtig zu wissen, was Selbstheilungskräfte eigentlich sind und was diese beeinflusst. 

Was sind Selbstheilungskräfte?

Unter Selbstheilungskräfte fällt eigentlich alles, was dem Körper hilft, sich selbst gesund zu machen beziehungsweise zu erhalten und Krankheitszustände zu überwinden. Dies hat nichts mit Esoterik zu tun. Denn eines vorweg: jeder Mensch verfügt über Selbstheilungskräfte. Knochen wachsen nach einem Bruch wieder von selbst zusammen, täglich werden Millionen von Bakterien und Keimen im Körper abgewehrt oder getötet und auch Wunden schließen sich von allein. Der englische Arzt Dr. Vernon Coleman sagte einst, dass der menschliche Körper dazu im Stande ist, 90 Prozent aller Krankheiten selbst zu heilen. Der Körper würde also alle nötigen Kräfte besitzen, um sich selbst zu heilen. Diese Kräfte sind ein Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem und Organen. 

Bereits in der Zeit vor Christus traten Selbstfürsorge und das seelische Wohl immer wieder im medizinischen Kontext auf. Hippokrates, Archaeus und Paracelsus waren überzeugt von der inneren Kraft zur Heilung, auch „innerer Arzt“ genannt. „Der Arzt war mehr Unterstützer und Ermöglicher als eigentliches Pharmakon – Medizin bedeutete, dass er mit der Natur zusammenzuarbeiten hatte“, schreibt Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Esch. Man ging davon aus, dass der Körper von sich selbst ausgehend einen „Normalzustand“ also ein Gleichgewicht anstrebt. 

Heute ist man zur Erkenntnis gekommen, dass Medizin zwar dabei hilft, schwerwiegende Krankheiten zu bekämpfen – den Heilungsprozess selbst verrichtet aber immer noch der Körper. Die Wechselwirkung von Psyche, Nerven- und Immunsystem wurde durch zahlreiche Studien belegt und Selbstheilung als biologisches Prinzip anerkannt. Wir wissen bereits, dass sich Gedanken und Gefühle auf den Körper auswirken und diesen einerseits krank, andererseits aber auch gesund machen können. Eine Studie der Techniker Krankenkasse in Deutschland belegt diese Ergebnisse. Wer trotz Stress und Ärger optimistisch bleibt, ist besser gegen Infektionen gewappnet als ein Pessimist in derselben Situation. Positive Stimmung fördert also die Selbstheilungskräfte. „Schuld“ daran ist ein aktiver Vagus Nerv

Der Vagus Nerv als Antrieb der Selbstheilungskräfte

Va-was? Haben Sie schon einmal vom Vagus Nerv (lat. Nervus vagus) gehört? Es handelt sich dabei um einen Nerv, der Teil des vegetativen Nervensystems ist. Er leitet sich vom lateinischen Wort vagari ab, was nichts weiter als „umherschweifen“ oder „wandern“ bedeutet. Der Name ist Programm, denn der Vagus hat die größte Reichweite aller Hirnnerven. Er ist mit fast allen inneren Organen verbunden und jagt permanent Meldungen zwischen unterschiedlichen Organen und Gehirn hin und her. All diese Infos werden dann in Emotionen umgewandelt, die unser Verhalten beeinflussen. 

Durch die Verbindung zum Gehirn ist der Vagus Nerv also nicht nur für die Arbeit der inneren Organe zuständig, sondern wirkt sich auch auf den emotionalen Zustand des Menschen aus. Er spielt daher auch bei psychosomatischen Krankheiten eine wesentliche Rolle. Soma ist griechisch und heißt übersetzt Körper. Psychosomatik bedeutet, dass sich psychische Probleme früher oder später in körperlichen Beschwerden manifestieren. Ein bekanntes Beispiel wären Kopfschmerzen bei anhaltender Überforderung. 

Parasympathikus und Sympathikus – Bremse und Gaspedal

Der Vagus Nerv wird umgangssprachlich auch „Ruhe- oder Erholungsnerv“ beziehungsweise „Schlüssel zum Wohlbefinden“ genannt. Denn genau das ist seine Aufgabe. Der Nervus vagus steuert Funktionen im Körper, die bei der Regeneration und Entspannung helfen. Als Teil des sogenannten Parasympathikus ist er für Erholung, Ruhe, Stressabbau, sowie für die Funktion der Verdauung und des Immunsystems verantwortlich. Der Gegenspieler dazu ist der Sympathikus. Dieser fördert die Leistungs- und Kampfbereitschaft im Körper und bringt ihn in Ausnahmesituationen in den fight or flight (Kampf- oder Flucht-)Modus. Folglich wird das Stresshormon Adrenalin ausgeschüttet und alle Körperfunktionen, die im Überlebensmodus nicht gebraucht werden, werden heruntergefahren.

Ist der Vagus Nerv stark ausgeprägt, fühlen wir uns wohl, gesund und glücklich. Ist der Vagus Nerv allerdings in seiner Funktion beeinträchtigt, übernimmt der Sympathikus die Überhand und wir bleiben in einem Stresszustand gefangen. Der Körper gerät außer Balance. Vagus und Sympathikus arbeiten also im Prinzip wie Bremse und Gaspedal. Ziel ist es, die Tätigkeit beider ins Gleichgewicht zu bringen, etwa indem nach jeder Stresssituation eine Ruhepause eingelegt wird. Hat der Sympathikus langfristig die Oberhand übernommen, findet der menschliche Körper ohne gezielte Übungen nicht mehr in den Entspannungszustand zurück. Aber keine Sorge, YOLO verrät Ihnen, wie Sie die Selbstheilungskräfte wieder gezielt aktivieren können. 

Selbstheilungskräfte gezielt aktivieren 

Die moderne Wissenschaft hat ebenfalls erkannt, dass die Aktivierung der Selbstheilung eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Medizin ist. Das Institute of Neurology am University College London hat herausgefunden, dass der Vagus Nerv auf natürliche Art und Weise stimuliert werden kann. 

Es gibt folglich verschiedenste Möglichkeiten, mit denen sich die Selbstheilungskräfte des Körpers stärken lassen. Neben ausreichend Bewegung zählen dazu auch gesunde Ernährung und regelmäßige aktive Entspannung. Die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und zu stärken ist als Prophylaxe wichtig, um schwere gesundheitliche Beschwerden erst gar nicht entstehen zu lassen. 

Wem es schwer fällt, regelmäßig Entspannungsmomente in den Alltag zu integrieren, der kann auf sogenannte Vagus-Übungen zurückgreifen. Diese wirken beruhigend auf das autonome Nervensystem und können Herzschlag, Blutdruck, Muskelentspannung und Atemfrequenz positiv beeinflussen. Die beiden nachfolgenden Übungen wirken kumulativ. Das heißt, je öfter sie durchgeführt werden, desto wirksamer sind diese und desto länger hält die Wirkung an. 

Übung 1

Augenmuskeln, Nerven und Vagus Nerv sind miteinander verbunden. Daher kann durch die einfache Bewegung der Augen, wie in dieser Übung angeführt, gleich an mehreren Stellen des Körpers eine Veränderung bewirkt werden. 

  1. Ausgestreckt auf den Rücken legen und die Finger hinter dem Kopf verschränken.
  2. Ellenbogen entspannt ablegen. Die Knochen der Finger sollten am Hinterkopf zu spüren sein.
  3. Nun nach rechts blicken ohne den Kopf zu drehen und so weit zur Seite schauen, wie es möglich ist.
  4. Den Blick so lange halten, bis man seufzen, gähnen oder schlucken muss. Mindestens einer dieser Reflexe wird nach etwa 30 bis 60 Sekunden eintreten. 
  5. Die Augen anschließend wieder zur Mitte führen.
  6. Übung auf der linken Seite wiederholen.
  7. Danach einen Moment liegen bleiben und nachspüren.

Übung 2

Tiefes Atmen und Summen hat eine augenblicklich beruhigende Wirkung auf unsere Psyche und das Nervensystem.  Das Summen ist eine gute und einfache Möglichkeit, den Vagus Nerv zu aktivieren.

  1. Aufrecht hinsetzen.
  2. Die Augen schließen, um die Resonanz des Summens besser zu spüren.
  3. Langsam tief ins Zwerchfell Einatmen und beim Ausatmen leise summen. 
  4. Erzeugen Sie beim Summen ein Mmmm oder Ommmmmm.
  5. Ton etwa fünf bis zehn Sekunden halten, ohne dabei die Tonlage zu verändern. 
  6. Sobald der Summton endet, wieder tief einatmen und beim Ausatmen summen. 
  7. Übung zehn Mal wiederholen. 

Bei dieser Übung wird auch deutlich, wie heilsam Yoga wirken kann. Denn Atemtechniken (Pranayama) sind ein fixer Bestandteil von Yoga und es gibt sogar Atemübungen, bei denen gesummt wird, wie zum Beispiel Brahmari, die Bienenatmung.

Der Placebo-Effekt als Beispiel der Selbstheilung

Das wohl bekannteste Beispiel für das Zusammenspiel von Körper und Geist, sind Placebos. Die Scheinmedizin wirkt in vielen Fällen fast gleich gut wie echte Medikamente. Warum das so ist? Studien der Universität Marbug haben ergeben, dass Placebos die Zuversicht stärken – der Vagus Nerv wird also durch positive Emotionen gestärkt. Diese wiederum bewirken messbare physiologische Veränderungen im Körper. Allein durch den Gedanken, dass der Körper Hilfe bekommt, werden also die Selbstheilungskräfte aktiviert und dadurch die Symptome gelindert. Eine positive Erwartungshaltung hält auf Dauer gesund und kann auch Heilungsprozesse beschleunigen. „Think positive and good things will happen“, stimmt also tatsächlich. 

Nehmen Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand und stärken Sie Ihre Selbstheilungskräfte

Der Schlüssel zum inneren Gleichgewicht liegt scheinbar darin, einen eigenen Sinn für das Leben zu finden und anstatt zweifelhaften gesellschaftlichen Idealen hinterherzujagen, lieber zu lernen wie wir zur Ruhe kommen können. Denn anhaltende Überforderung ist wohl der größte Saboteur der Selbstheilungskräfte. Sie gilt es zu verhindern. Wir sollten dringend anfangen, wieder mehr Verantwortung für unseren Körper zu übernehmen. Darauf achten, was uns guttut und aufhören, uns als passives Objekt medizinischer Betreuung zu sehen. 

Es gibt viele einfache Methoden, die Selbstheilungskräfte zu unterstützen und zu fördern. Am Ende ist Gesundheit von einem aktiven Lebensstil und einem Leben in Balance abhängig. Wir haben jedoch zunehmend verlernt, im Hier und Jetzt zu leben und den Augenblick zu genießen. Stattdessen schwirren hundert verschiedene Gedanken und To-do´s im Kopf herum. Es ist höchste Zeit, das endlich zu ändern. 

YOLO hat die wichtigsten Methoden zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte nochmal zusammengefasst: 


Quellen:


Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 3.8.2021
  • Letztes Update: 12.10.2021

 

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