Meridiane im Körper in der Traditionellen Chinesischen Medizin
10.06.2021

Leben in Einklang mit der
TCM Organuhr

Text: YOLO Online-Redaktion

Traditionelle Chinesische Medizin trifft nicht nur in China und asiatischen Ländern, sondern auch im Westen auf sehr viel Anerkennung und wird bei uns von zahlreichen Ärzten praktiziert. Wir haben uns im Rahmen unserer TCM-Serie näher mit der chinesischen Organuhr beschäftigt und einige überraschende Fakten herausgefunden...

Was ist die TCM Organuhr?

Die Organuhr in der Traditionellen Chinesischen Medizin ist ein seit Jahrtausenden praktiziertes Konzept, das auf wiederkehrenden Abläufen und Prozessen im menschlichen Organismus basiert und auf dem Umstand, dass die Lebensenergie Qi im Laufe des Tages von einem ins andere Organ fließt. Das bedeutet, dass jedes Organ in unserem Körper zu einer bestimmten Tageszeit intensiv arbeitet, um sich dann wieder auszuruhen und zu regenerieren, während in dieser Zeit ein anderes Organ seine Arbeit in besonders hoher Intensität aufnimmt. Wann genau diese Zeiten sind, bestimmt die sogenannte Organuhr.

Schon in der Antike glaubten chinesische Mediziner daran, dass der Mensch im Einklang mit seinem Körper und seinem natürlichen Rhythmus leben sollte, um ein Leben lang gesund zu bleiben. Die Hauptmeridiane, also die wichtigsten Energieleitbahnen durch die das Qi fließt sind jeweils den einzelnen Organen zugeordnet und für deren reibungsloses Funktionieren zuständig. Ist dieser Energiefluss im Körper gestört, hat es Einfluss auf alle natürlichen Abläufe im Organismus und kann so auch gesundheitliche Beschwerden verursachen. 

Auch andere Heilmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin wie TuinaAkupressur, AkupunkturSchröpfen oder Gua Sha gehen von der Lebenskraft des Qi aus und sind darauf ausgelegt, etwaige Blockaden im Körper zu lösen und so den Energiefluss zu verbessern.

Wie genau funktioniert die chinesische Organuhr?

Alle zwei Stunden wird ein anderer Meridian und damit auch ein anderes Organ im Körper mit dem Maximum an Energie versorgt. Die Organuhr liefert einen genauen Hinweis darauf, um wieviel Uhr welches Organ gerade dran ist.  Hier erreicht es sozusagen den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit, um zwölf Stunden später an seinen energetischen Tiefpunkt zu gelangen.

Aber was genau bedeutet das für uns im Alltag? In der Zeit, wo das jeweilige Organ die meiste Energie hortet, können wir selbst am effektivsten darauf einwirken, sei es durch konventionell-medizinische Behandlungen, komplementärmedizinische Therapien, unsere Ernährung oder die (tägliche) Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Indem wir unseren Körper im Laufe des Tages genauer beobachten und uns auf unsere wichtigsten Körperfunktionen besinnen, können wir die chinesische Organuhr sinnvoll für uns nutzen, um unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden wirksam zu unterstützen und die tägliche Regeneration unserer wichtigsten Organe optimal zu fördern.

 

Was die chinesische Organuhr für Ihren Körper bedeutet?

23:00 – 1:00 | Gallenblase

Fangen wir spät abends um 23 Uhr an. Dies ist die ideale Uhrzeit, um ins Bett zu gehen. Unser Körper fühlt sich schwächer an, weil er nun in den Entspannungsmodus wechselt – unser Stoffwechsel schaltet einen Gang herunter und die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol wird deutlich herunterschraubt. Unser Herz schlägt nun langsamer, der Blutdruck fällt und auch die Körpertemperatur wird niedriger. Bis ein Uhr ist die Gallenblase am Zug, die unsere Leber in ihrer Funktion unterstützt.

1:00 – 3:00 | Leber

Zwischen ein und drei Uhr nachts arbeitet unser Körper am Entgiften – jetzt leistet unsere Leber die härteste Arbeit und ist nun intensiv mit dem Abtransport von Schadstoffen, Toxinen und anderen schädlichen Substanzen und Krankheitserregern aus unserem Organismus beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt sollten wir bereits tief und fest schlafen damit unser restliche Körper sich erholen und regenerieren kann.

3:00 – 5:00 | Lunge

In der Zeit zwischen drei und fünf Uhr morgens reinigen sich unsere Lungen von den untertags eingeatmeten Schadstoffen. Dies ist in der heutigen Zeit und bei derart ausufernden Luftverschmutzung für unsere ganzheitliche Gesundheit essentiell. Schlafen in gut gelüfteten Räumen und im Idealfall bei geöffnetem, oder mindestens gekipptem Fenster ist sehr wichtig damit unsere Lunge nachts reichlich frischen Sauerstoff bekommt. Ein frühmorgendlicher Spaziergang gleich nach dem Aufstehen oder moderate Bewegung draußen an der frischen Luft sind für unsere Lungen ein willkommener Start in einen neuen Tag.

5:00 – 7:00 | Darm

Von fünf bis sieben Uhr am frühen Morgen wird die Cortisolausschüttung wieder aufgenommen – der Körper rüstet sich so für die Herausforderungen des Tages. Unser Stoffwechsel und die Darmperistaltik nehmen wieder ihren üblichen Betrieb auf. Die nächsten zwei Stunden gehören unserem Darm (und damit sind sowohl der Dünn- als auch der Dickdarm gemeint)! Die morgendliche Darmentleerung sollte bei jedem von uns fix auf dem täglichen Programm stehen – wir können unseren Darm ganz einfach daran gewöhnen, es bedarf lediglich unserer Zuwendung – die Umstellung dauert durchschnittlich ein paar Tage. Es hilft, gleich nach dem Aufstehen ein Glas lauwarmes Wasser, Wasser mit frisch gepresstem Zitronensaft oder kalten (oder warmen) Kräutertee (zum Beispiel Käsepappeltee) zu trinken. So unterstützen wir unserem Darm dabei, Schadstoffe aus dem Körper zu spülen.

7:00 – 9:00 | Magen

Zwischen 7 bis 9 Uhr Früh meldet sich unser Magen und verlangt nach hochwertigen Nahrung, aus der er die wertvollen Nährstoffe herausholen möchte damit er selbst und auch alle anderen Organe mit ausreichend Energie versorgt werden können. Traditionelle Chinesische Medizin empfiehlt ein warmes Frühstück wie Haferbrei beziehungsweise gekochte Nahrungsmittel, darunter vor allem Gemüse, aber auch eine leichte Hühnerbrühe eignet sich wunderbar als die erste Mahlzeit des Tages. Das typisch westliche Frühstück mit Joghurt, kaltem Organgensaft oder Cornflakes mit kalter Milch erzeugen laut TCM Kälte im Körper, die unsere Organe in ihrer Arbeit behindern. Beim Frühstück sollten möglichst keine Emails gelesen und noch nicht über die Arbeit nachgedacht werden. 

9:00 – 11:00 | Milz

In der Zeitspanne zwischen 9 bis 11 Uhr vormittags sind wir zu überdurchschnittlich hoher Denk- und Lernleistung fähig. Die Milz übernimmt nun das Kommando und produziert eine Armee weißer Blutkörperchen, was uns besonders stark und widerstandsfähig macht. Jetzt ist auch die Wundheilung sehr beschleunigt und Entzündungen werden auf Hochtouren bekämpft. So erreicht auch unsere Körpertemperatur ihren Höhepunkt. Vormittags sollten daher die wichtigsten geistigen Aufgaben des Tages angegangen und Wissen getestet werden!

11:00 – 13:00 | Herz

Von 11 bis 13 Uhr, also immer um die Mittagszeit herum sollten wir unsere ganze Aufmerksamkeit dem Herzen zuwenden! Es schlägt und pumpt unaufhörlich Blut in unsere Organe und versorgt unser Gehirn mit Sauerstoff. So ist nun auch der ideale Zeitpunkt, eine Mittagspause einzulegen, sich an der frischen Luft zu bewegen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und so die Durchblutung des Körpers anzuregen. 

13:00 – 15:00 | Dünndarm

In den zwei Stunden zwischen 13 und 15 Uhr fühlen wir uns of recht mau – das liegt daran, dass nun der Dünndarm erste Geige spielt unser Körper die ganze verfügbare Energie für die Stoffwechsel- und Verdauungsprozesse anzapft und unser Blutdruck sinkt wieder. Im Idealfall würden wir jetzt ein Nickerchen machen. Kann es sein, dass Sie meistens um diese Zeit herum Ihren zweiten Kaffee trinken? Jetzt wissen Sie auch, warum! 

15:00 – 17:00 | Blase

Nach 15 Uhr kommen wir aus der Lethargie heraus und sind dann dank steigendem Blutdruck und gesteigerter Herzfrequenz bis circa 17 Uhr top motiviert! Unsere Blase macht jetzt ihre wichtige Arbeit und hilft, schädliche Substanzen und Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Körper abzutransportieren. Wer jetzt besonders viel klares stilles Wasser trinkt, unterstützt diesen Prozess ungemein!

17:00 – 19:00 | Niere

Ab 17 Uhr sollte möglichst alles um uns herum etwas ruhiger werden. Der frühe Abend sorgt für einen langsameren Pulsschlag, auch wenn wir noch immer durchaus leistungsfähig sind. Da jetzt aber die Niere, eines unserer wichtigsten Stoffwechselorgane gefragt ist, sollten wir uns langsam, aber sicher Richtung Feierabend bewegen. Viel Wasser Trinken ist auch hier das Gebot der Stunde!

19:00 – 21:00 | Perikard

Die Abendzeit zwischen 19 und 21 Uhr sollte zum bewussten Entspannen und liebevollen Beisammensein im Kreise der Familie und Freunde genutzt werden. Die abendliche Ruhephase beginnt jetzt – unsere Organuhr steht auf Perikard, also die bindegewebsartige Hülle, die behutsam unseren Herzmuskel umschließt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist dies so gut wie das wichtigste Organ, das dafür sorgt, dass unsere Seele und unser Körper in ungestörter Harmonie zueinander stehen. 

21:00 – 23:00 | Dreifacher Erwärmer

Die Zeitspanne zwischen 21 und 23 Uhr  gehört dem sogenannten dreifachen Erwärmer und wird in TCM keinem bestimmten Körperorgan, sondern ganzheitlich dem gesamten Verdauungssystem zugeordnet. Die Energiekreisläufe im ganzen Körper werden reguliert, damit das Qi ungehindert von Organ zu Organ fließen kann. Der Puls und der Blutdruck sinken und Verdauungsorgane arbeiten nur ganz langsam, um bald ihre volle Leistung entfalten zu können. Diese späten Abendstunden eignen sich am besten für tiefsinnige Gespräche über Gefühle, zum Meditieren, Nachdenken und Kuscheln mit den Liebsten.

Die TCM Organuhr bei bestimmten Symptomen nutzen?

Es gibt eine ganze Reihe typischer Symptome, die sich bei der Funktionsstörung verschiedener inneren Organe im menschlichen Körper beobachten lassen. So können Sie die Organuhr dazu nutzen, Ihre Beschwerden und Wehwehchen richtig zu interpretieren.

So können Sie auch etwaige Maßnahmen zu deren Linderung oder Beseitigung für die Tageszeiten einplanen, in denen durch die betroffenen Organe gerade die meiste Energie fließt. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass die jeweilige Therapie oder Medikation ihre optimale Wirksamkeit entfalten kann.

Symptome eines gestörten Dickdarms

Unser Dickdarm ist maßgeblich für unsere Immunabwehr zuständig und eine Störung der Darmflora, der Darmperistaltik und der üblichen Verdauungsprozesse kann gravierende Auswirkungen auf Ihre ganzheitliche Gesundheit haben.

Zu den häufigsten Symptomen eines gestörten Dickdarms gehören neben Verdauungsproblemen, Durchfall und Obstipation (Verstopfung), auch Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten sowie unterschiedliche Hauterkrankungen.

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Symptome einer gestörten Gallenblase

Zu den häufigsten Symptomen einer gestörten Gallenblase gehören Rastlosigkeit, UnruheSchlafstörungen und Depressionen

Symptome einer gestörten Leber

Eine gestörte Leber geht häufig mit folgenden Symptomen einher: Kopfschmerzen, Schwindel, Hautprobleme, Völlegefühl und Reizbarkeit.

 

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