Kokosnüsse und Kokosöl in einer bauchigen Flasche
02.06.2021

Was Kokosöl alles kann

Text: Sandra Costea & Nikola Walde

Kokosöl gilt als wahres Wundermittel und genießt sowohl unter Köchen als auch bei Beauty-Experten einen besonders guten Ruf. Wir gehen dem Hype um das exotische Öl auf den Grund und zeigen, was genau es ist, das es so beliebt macht.

Was ist Kokosöl?

KokosölKokosnussöl beziehungsweise Kokosfett wird aus dem aromatischen faserigen Fruchtfleisch (dem sogenannten Nährgewebe, auch als Kopra bekannt) der Kokosnuss, der Frucht der Kokospalme (lat. Cocos nucifera) gewonnen. Es hat im Unterschied zu anderen Pflanzenölen eine feste Konsistenz und meistens eine schneeweiße bis gelblich weiße Farbe. Bei circa 25°C schmilzt es und verwandelt sich in eine klare ölige Flüssigkeit. 

Es zeichnet sich durch einen dezenten süßlichen Kokosduft, einen vergleichbar hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren (der bei circa 90 Prozent liegt) und einen relativ hohen Rauchpunkt beziehungsweise hohe Hitzebeständigkeit aus. So wird es häufig und gerne zum Kochen, Braten und Backen verwendet. Das Kokosöl hat zwar eine deutliche Kokosduft-Note, der Geschmack ist aber eher neutral, es kann daher sowohl für herzhafte pikante Gerichte als auch bei der Zubereitung von Desserts, Süßspeisen, Kuchen und Keksen verwendet werden.

Fun Fact am Rande: die Kokosnuss ist eigentlich gar keine Nuss! Sie ist eine einsamige Steinfrucht, die aufgrund ihres Erscheinungsbildes, der harten Schale und der Beschaffenheit und Konsistenz des Fruchtfleisches als Nuss bezeichnet wird.

Ist Kokosöl gesund?

Kokosöl gilt trotz seines sehr hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren als ein gesünderer Ersatz für tierische Fette. Im Idealfall wird es kaltgepresst und auch ohne weitere chemische Verarbeitungsprozesse und Zusatzstoffe produziert. Die darin enthaltenen gesättigten Fettsäuren, vor allem die sogenannte Laurinsäure, können besser vom Körper aufgenommen werden als gesättigte Säuren aus tierischen Fetten und sind demnach besser verträglich und gesünder als beispielsweise Butter oder Schmalz. Aber Achtung: auch Kokosöl führt zu einem Anstieg des Cholesterinspiegels im Blut, es sollte daher achtsam und in Maßen konsumiert werden.

Beim Kauf sollte stets auf die Herkunft, die native Qualität, die Zusammensetzung und das Ablaufdatum geachtet werden. Wichtig ist auch die Aufbewahrung Zuhause – das Kokosfett sollte eher kühl gelagert werden, da es sonst schnell ranzig und ungenießbar wird. 

Über die Qualität von Kokosöl entscheidet in erster Linie die Qualität und der Zustand der Früchte aus denen es gewonnen wird. Diese hängt maßgeblich vom Klima ab, in dem die Kokosnüsse herangereift sind und natürlich auch davon, ob künstliche beziehungsweise chemische Dünger eingesetzt wurden – hier ist eine Bio-Zertifizierung aussagekräftig, die einen kontrolliert biologischen Anbau garantiert. Aber auch der Herstellungsprozess ist enorm wichtig. Dem Kokosöl dürfen keine Duft- und Konservierungsstoffe zugesetzt werden. Im Idealfall sollte es in fester Form weiß und als flüssiges Öl komplett klar sein.

Woher kommt das Kokosöl?

Kokospalmen auf denen die, für die Kokosöl-Produktion nötigen, Kokosnüsse wachsen, kommen in den tropischen Regionen der Welt (auch als Tropengürtel bezeichnet) vor, wo es feucht ist, die Jahresmitteltemperatur circa 27°C beträgt und es im Laufe des Jahres keine nennenswerten Temperaturschwankungen gibt. Sie werden heute vorwiegend in Süd-Asien angebaut, darunter in Indonesien, Malaysia, Myanmar, Thailand, auf den Philippinen, in Sri-Lanka und im südlichen Indien Kokospalmen werden aber auch auf vielen Inseln des Pazifik (beispielsweise in Papua Neuguinea in Ozeanien), wo sie angeblich ursprünglich herkommen, sowie an den sandigen Küsten und Flussufern Afrikas (zum Beispiel in Tansania) und Lateinamerikas (vorwiegend in Brasilien) kultiviert. 

Eine reife Palme erreicht bis zu 30 Meter Höhe während ihr Stamm nur circa 30 cm Durchmesser hat. Je höher sie werden, umso schwieriger wird es, die Früchte zu ernten. Sie werden entweder mithilfe von sehr langen Stielen mit einer meserscharfen Klinge an der Spitze oder händisch gepflückt. Dazu müssen die geschickten Kokosbauern ganz hinauf klettern. In manchen Ländern werden dabei speziell dafür dressierte Äffchen (Makaken) eingesetzt.

Die Pflanze produziert im Jahr zwischen 50 und 80 Kokosnüssen, die je nach Sorte entweder grüne, gelbe oder orange Außenhaut und bis zu 2,5 kg Gewicht haben können. Die Früchte werden nicht nur als Quelle des wertvollen Öls verwendet, sondern auch zur Herstellung der, in der Süßwarenindustrie besonders beliebten Kokosraspeln, des Kokosmehl und der reichhaltigen duftenden Kokosmilch. Sie liefern auch das erfrischende und tonisierende Kokoswasser. Aus Kokosblüten oder, genauer gesagt – aus dem wertvollen Nektar der Blütenstände, wird auch Kokosblütenzucker hergestellt, der mittlerweile auch bei uns als beliebtes Süßungsmittel gilt.

Kokosöl als Wundermittel? 

Natives (also naturbelassenes) Kokosnussöl wird auch häufig als Wunderwaffe im Kampf gegen das Übergewicht bezeichnet. Es gibt Hinweise darauf, dass es aufgrund eines relativ hohen Anteils an mittelkettigen Fettsäuren wirksam zur (kurzfristigen) Gewichtsreduktion beitragen könne. Im Vergleich zu langkettigen Fettsäuren aus anderen pflanzlichen oder tierischen Quellen, wird die mittelkettige Laurinsäure aus dem Kokosöl vom Körper schneller und ohne besonderen Energieaufwand absorbiert und von der Leber effektiver verstoffwechselt. Die aktuelle Studienlage liefert jedoch keine aussagekräftigen Belege dafür. Da Kokosöl nicht gleich Kokosöl ist und sich der Anteil an mittelkettigen Fettsäuren von Produkt zu Produkt stark unterscheiden kann, kann auch keine einheitliche Wirkung in diesem Bereich bestätigt werden. 

Bei einer Gewichtsreduktion spielen außerdem noch viele weitere Faktoren mitunter eine Rolle. Das Ausgangsgewicht, der Körperwasseranteil, die Energiezufuhr und die Kalorienverbrennung dürfen hierbei natürlich nicht außer Acht gelassen werden. Im Vergleich zu anderen Speisefetten hat Kokosöl auch kaum weniger Kalorien als andere herkömmliche Speiseöle.

Kokosöl in der Kosmetik

Das Kokosöl wird aber nicht nur gerne in der Küche verwendet, sondern kommt auch sehr häufig in der Kosmetik und Schönheitspflege zum Einsatz. Es wird weltweit zu sehr beliebten Kosmetik- und Pflegeprodukten, darunter zu reichhaltigen Körperlotionen, Hand- und Gesichtscremes und Schminkprodukten verarbeitet und genießt in diesem Bereich aufgrund seiner pflegenden Eigenschaften und des angenehmen exotischen Duftes einen sehr guten Ruf.

Kokosöl für die Haut

Naturbelassenes Kokosnussöl pflegt rissige, schuppende, trockene und zu Fältchen neigende Haut und versorgt sie mit reichlich Feuchtigkeit. Durch regelmäßige Anwendung verleiht es der Haut mehr Elastizität und Geschmeidigkeit und hilft dabei, ihre natürliche Schutzbarriere zu erhalten beziehungsweise wieder aufzubauen, was die Haut wiederum wirksam vor Kälte, Hitze und schädllichen Umwelteinflüssen schützt. Es eignet sich hervorragend als Basis für Körper- oder Gesichtspeelings – mit herkömmlichem Speisesalz vermischt, lässt es sich wunderbar einreiben und hilft so, abgestorbene Hautschüppchen schonend abzutragen und die Haut gleichzeitig mit Feuchtigkeit und Pflege zu versorgen. Im Sommer sorgt der kühlende Effekt von Kokosöl für etwas Abkühlung auf der Haut.

Kokosöl kann täglich auf die Haut des ganzen Körpers aufgetragen werden. Es schützt die Hände vor dem Austrocknen nach dem Abwaschen, spendet Feuchtigkeit nach einem Sonnenbad, wirkt beruhigend bei einem Sonnenbrand und kann dank seinen entzündungshemmenden Eigenschaften gegen Pickel, Hautunreinheiten und sogar bei Akne helfen. 

Kokosöl für die Haare

Es eignet sich auch sehr gut für das durchs Färben und tägliche Fönen und Stylen angegriffenes, sprödes oder brüchiges Haar. Als Haarmaske glättet es die Haaroberfläche und stärkt so die Haarstruktur, die beispielsweise durch trockene HeizungsluftSonneneinstrahlung oder Bäder in salzhaltigem Meerwasser stark beansprucht wurde. Es pflegt die Haare intensiv, verleiht ihnen gesunden Glanz und Widerstandskraft. Es hilft auch wirksam bei trockener Kopfhaut und Schuppen und fördert dadurch das Haarwachstum

Kokosöl und Zahngesundheit

Kokosnussöl wird auch gerne in der Zahnpflege und zum sogenannten Ölziehen verwendet. Es beseitigt Bakterien, hat einen angenehmen Duft und Geschmack und hinterlässt keine Spuren da es völlig transparent (und nicht wie andere Öle gelblich) ist.

Kokosöl gegen Bakterien und Parasiten

Kokosöl hat eine antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung und hilft dabei, sowohl Bakterien als auch Parasiten zu bekämpfen. Die darin enthaltene Laurinsäure ist von Menschen zwar nicht wahrnehmbar, auf Insekten und Zecken wirkt ihr Geruch hingegen absolut abschreckend. Direkt auf die Haut aufgetragen hilft es daher, diese wirksam fernzuhalten und sich vor Bissen zu schützen. Es ist eine wunderbare Alternative zu chemischen Mitteln, die teilweise einen unangenehmen Geruch haben und häufig allergische Reaktionen verursachen können. So können auch Babys und Kinder ganz besonders von Kokosöl profitieren.
 
Kokosöl kann aber zu diesem Zweck nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Haustieren wie Hunde und Katzen verwendet werden. Es beinhaltet keine chemischen Zusatzstoffe, die für Tiere sehr schädlich sein können, was es zu einem geeigneten Mittel zur Behandlung von lästigen Hautekzemen oder zur regelmäßigen Fellpflege macht. Falls Ihr Haustier an Verdauungsproblemen leidet, können Sie auch – nach Absprache mit dem Tierarzt – ein wenig Kokosöl dem Futter beimischen.

Kritik an Kokosöl

Ähnlich anderen sogenannten Superfoods aus Übersee wie beispielsweise Avocado, werden auch an Kokosöl die anspruchsvollen Anbauflächen sowie die langen und teuren Transportwege kritisiert. Oft wird argumentiert, dass es in unseren Breiten ausreichend gesunde und zudem wesentlich nachhaltigere Pflanzenöle gibt wie beispielsweise Rapsöl, Olivenöl, Kürbiskernöl, Walnussöl oder Leinöl. 

Es gibt einige Kokosöl-Produzenten, die ganz besonders auf nachhaltigen, Ressourcen schonenden Anbau achten, der sich ausschließlich auf ökologisch unbedenkliche Flächen beschränkt, wo kein Regenwald gerodet wurde. Es lohnt sich, das Produkt vor dem Kauf zu recherchieren, um sicherzugehen, dass der Anbau und die Ernte unter fairen Arbeitsbedingungen für die involvierten Kleinbauern stattfindet.

Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die gesundheitfördernden Eigenschaften des Kokosöls. Hierzu gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege. Wie bei allen anderen Nahrungsmitteln sollte auch hier auf die Qualität des Produktes geachtet und dieses in Maßen konsumiert werden.

Kokosöl: Yay or Nay?

Der besonders gute Ruf, den Kokosöl seit einigen Jahren genießt, ist natürlich auch dem intensiven und sehr gelungenen Marketing zu verdanken. Tatsache ist, dass es sich als natürliches Kosmetikum sehr positiv auf die Kondition von Haut, Haaren und Nägeln auswirkt und sich auch in der Küche als Ersatz zu tierischen Fetten durchaus bewährt.

Ob es für Menschen wirklich ganz so gesund ist wie es oft kolportiert wird, bleibt – solange es keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege gibt, dahingestellt. Wie bei den meisten Dingen im Leben gilt bis dahin auch hier, das exotische Öl mit Maß und Ziel zu genießen und seine eigenen Erfahrungen zu machen.

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