Telemedizin, Vernetzung von Medizin, Tablet, Medikamenten, Mikroskop, Herz
07.10.2020

Dr. Google, was hab‘ ich denn?

Text: Verena Radlinger

Wir haben gelernt alles digital zu machen, daher ist es auch mittlerweile normal geworden nach Symptomen und Krankheitsbildern in Google einzutippen. Wir schmeißen meist nur Stichwörter in die Suchmaschine. Doch könnte die digitale Ferndiagnose von Dr. Google uns schaden?

Gesundheitsexperten sehen seit Langem die Onlinerecherche der eigenen Symptome und Krankheiten als große Herausforderung. Gerade im Internet kursieren viele Unwahrheiten (Fake News), Einzelerfahrungen oder subjektive Ratschläge. Hinzu kommen bezahlte Werbungen oder meistgeklickte Foren ohne ausreichend belegte medizinische Daten oder gar keine wissenschaftlichen Quellen der Informationen.

2019 bestätigte eine Studie der Statistik Austria zwar, dass Gesundheitsexperten noch immer die erste Anlaufstelle sind um Informationen zu erhalten, aber zunehmend auch das persönliche, soziale Umfeld als gesicherte Information bei gesundheitlichen Beschwerden gilt. Der Einsatz von digitaler Informations- und Kommunikationsbeschaffung (IKT) im Bereich von Gesundheitsthemen bei circa 60 Prozent der Befragten Haushalte lag. Ein klarer Aufwärtstrend war ebenfalls zu beobachten.

Spätestens seit Start der Corona Pandemie in allen Ländern der Welt meiden Menschen den Arzt persönlich aufzusuchen. Um einen Kontakt mit gefährlichen Viren aber auch anderen ansteckenden Krankheiten zu umgehen. Fernab der Ansteckungsgefahr kommt wieder das Internet ins Spiel. Zusätzlicher Vorteil ist die Zeit- und Ortsunabhängigkeit. Das Google News Lab zeigte auch auf wie enorm sich die Suche nach gesundheitsbezogenen Themen steigerte. Vor allem während der Monate des Lockdowns, also ab Mitte März, was natürlich nachvollziehbar ist durch den erhöhten Informationsbedarf zu einem unbekannten Virus und für viele ist es auch die erste Pandemie.

 

Hier ist die Top-Ten der österreichischen Suchbegriffe mit „Symptomen“:

  1. Corona Symptome
  2. Gastritis Symptome
  3. Diabetes Symptome
  4. Pollenallergie Symptome
  5. Eisenmangel Symptome
  6. Parkinson Symptome
  7. Gehirnerschütterung Symptome
  8. FSME Symptome
  9. HIV-Symptome
  10. Burnout Symptome

 

Bereits eine kurze Internetsuche nach den empfundenen Symptomen kann die eigene Sorge, ernsthaft erkrankt zu sein, direkt steigern. Das belegt nun auch eine deutsche Studie vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln. Dazu ließen sie vorrangig junge Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren fünf Minuten lang persönliche Symptome im Internet suchen. Üblicherweise entwickelt sich in dieser Altersgruppe nur sehr selten eine Krankheitsangststörung (Hypochondrie). Direkt nach der Suche gaben die Probanden an, sich nun mehr Sorgen über ihre Gesundheit machten. Und das überraschenderweise auch bei Websites mit zurückhaltenden und/oder moderaten Auskünften zu den gewählten Symptomen. Dass Recherchen zum eigenen Gesundheitszustand sich negativ auf das psychische Wohlbefinden auswirken, konnte die Studie also belegen.

Aber warum suchen wir den medizinischen Rat im Internet? Früher war es schwierig überhaupt Informationen zu Krankheiten oder Gesundheitsproblemen zu bekommen. Die Medizin galt als eine Art Geheimwissenschaft, die den Ärzten vorbehalten war. Bei einer eigenen Recherche war es unvorstellbar bei einem so komplexen Thema keine Bibliothek aufzusuchen. Grund dafür mag wohl sein, dass wir alles in unserem Alltag ins Internet verlagern. Denken wir nur an die virtuellen Bankgeschäfte, die unkompliziertere Partnersuche und das angenehme Einkaufen vom Sofa aus. Warum sollte also das Gesundheitswesen eine Ausnahme sein?

Dr. Google vs. Mediziner

Doch nicht nur vor einem Arztbesuch informieren wir uns bei Dr. Google sondern fragen uns: „Liegt der Arzt auch wirklich richtig?“ Die Umfrage vom Digitalverbands Bitkom hat in Deutschland 1.193 Menschen, älter als 16 Jahren, zu ihrem Suchverhalten im Bereich Gesundheit befragt. Rund 61 Prozent aller Patienten überprüfen sofort die Diagnose- und Therapieenschätzung ihres Mediziners – raus aus der Praxis und rein ins Netz. Doch hier kommen nicht nur die herkömmlichen Suchmaschinen zum Einsatz, sondern auch die zahlreichen neuen innovativen Apps. Doch auch bei diesen muss mit Sorgfalt und Bedacht gefiltert werden. Als Begründung sagten zwei Drittel ihnen sei eine Zweitmeinung wichtig, 62 Prozent würden nach alternativen Behandlungsmethoden suchen und 57 Prozent wollen sich einfach zusätzliche Informationen holen. Jeder Fünfte konnte sich allerdings nicht mehr an die Details des Arztgesprächs erinnern und gar jeder Dritte gab an die Erläuterungen oder Informationen des Arztes verstanden zu haben.

Sich zu informieren, weiterzubilden oder sich selbst helfen zu wollen ist eine großartige Idee. Unglücklicherweise bestätigt eine australische Untersuchung der Edith cowan university – die Antworten von Dr. Google sind meistens falsch. Bei rund einem Drittel (36 Prozent) der Fälle lieferte die Suchmaschine als ersten Treffer ein richtiges Ergebnis. Bei etwa der Hälfte (52 Prozent) lag die richtige Antwort zumindest unter den ersten drei Treffern. Klingt zunächst nicht so schlecht, auch da bei den 36 untersuchten Online-Ratgebern in knapp 50 Prozent der Fälle die Angabe WO man sich medizinische Hilfe suchen soll stimmte. Laut den Wissenschaftern liegt das Problem aber bei der einseitigen Betrachtung der Apps und Suchmaschinen – diese kennen weder die individuelle Krankengeschichte noch vielleicht andere aufgetretene Symptome. Schätzungen zufolge gibt es in Australien 70.000 Suchanfragen pro Minute bei rund 25 Millionen Einwohnern nach gesundheitsbezogenen Anfragen. Die Experten sehen Webseiten als Ergänzung zur ärztlichen Diagnose sinnvoll. Ersetzen aber den Arztbesuch keineswegs.

Schadet uns Dr. Google?

Detailliertere Einblicke in Google-Trends-Daten sollen Journalisten, lokalen Behörden und Gesundheitsorganisationen ein besseres Verständnis der Such- und in weiterer Folge auch der Informationsbedürfnisse der Menschen geben, um entsprechend darauf reagieren zu können. Denn auch Google weiß um die Gefahr von Fake News. Bereits 2018 wurde die Google News Initiative (GNI) ins Leben gerufen um Fake News zu identifizieren, in die Firma wurden 300 Millionen Dollar steckte. Die COVID-19 Pandemie lässt den Suchmaschinen-Riesen zusätzlich 6,5 Millionen US-Dollar investieren, um Fehlinformationen zum Coronavirus zu bekämpfen.

Zurück zur Frage: Eine definitive Antwort ob uns Dr. Google schaden kann gibt es nicht. Aber ja, wir können auf Informationen stoßen die falsch sind und uns womöglich schaden. Auf der anderen Seite bietet uns das Internet die Möglichkeit unsere Probleme besser zu verstehen oder sich einfach über die Gesundheit in all seinen Facetten zu informieren. Es gilt die guten von den schlechten Informationen zu unterscheiden, was definitiv nicht einfach ist. Genau deshalb haben wir bei YOLO nur wissenschaftlich geprüfte Inhalte auf die man sich zu 100 Prozent verlassen kann, mehr dazu in unserer Printausgabe!

 

Hier noch Websites mit wissenschaftlich überprüften Gesundheitsinformationen:

 

 

 


Quellen:

  • Statistik Austria; IKT-Einsatz in Haushalten; Umfrage 2019
  • Cyberchondriasis - Dr. Alexander Gerlach; Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln
  • Studie Digitalverband Bitkom
  • Google; The Google News Initiative: Building a stronger future for news