Kuriose Körperfunktionen: Erröten, Gähnen, Gänsehaut und was sie bedeuten; Mann beisst sich auf die Lippen und sieht unsicher zur Seite

Gänsehaut, Gähnen, Erröten: Kuriose
Körperfunktionen und was sie bedeuten

Text: Beatrix Treml

Häufig zeigt unser Körper bizarre Verhaltensweisen. Gänsehaut, Gähnen und Erröten sind drei davon. Wir haben uns genauer angesehen, was es damit auf sich hat…

Vielen unserer Körperfunktionen schenken wir kaum Beachtung, weil wir sie von Geburt an gewohnt sind. Dabei handelt es sich um spontane Schutzmechanismen des menschlichen Körpers, die in speziellen Situationen ausgelöst werden. Gähnen muss also nicht unbedingt ein Zeichen für Langeweile sein. Und so entsteht auch Gänsehaut nicht nur, wenn du frierst.

Gänsehaut: Ursachen und Effekte

Die Gänsehaut erinnert an die Haut einer gerupften Gans, daher auch der Name. Sie ist eine Reaktion auf Kälte, Ekel oder Angst. Aber warum richten sich die kleinen Härchen am Arm auf? Die Gänsehaut ist ein evolutionäres Überbleibsel aus der Zeit, als unsere Vorfahren noch mit dichtem Haarpelz bedeckt waren. Der Reflex ist den Menschen seit der Vorzeit angeboren. Gesteuert wird die Gänsehaut vom Musculus arrector pili oder auch Haaraufrichtemuskel. Er sorgt dafür, dass sich kleine Muskelgruppen zusammenziehen und die Haare erheben. „Der Mensch, ursprünglich ein behaartes Wesen, wärmte sich, indem sich die Haare durch die Gänsehaut aufstellten und ein Luftpolster entstand“, erklärt Christian Kaernbach, Emotionsforscher an der Uni Kiel, in einem Interview. Da die Körperbehaarung des Menschen heute nicht mehr so stark ausgeprägt ist, ist diese Funktion nicht mehr so wirkungsvoll. 

Ebenfalls auf die Ur-Instinkte des Menschen zurückzuführen ist die Gänsehaut bei Angst. Durch das Aufrichten der Haare simuliert der Körper größer zu sein, als er ist. Bei Katzen ist diese kuriose Körperfunktion ebenfalls deutlich ausgeprägt. Mit Katzenbuckel und aufgestellten Haaren täuschen sie mehr Masse vor und versuchen dadurch eine Bedrohung abzuwenden. 

Ein weiterer Auslöser für Gänsehaut kann auch Ekel sein. Wie es dazu kommt, dass Emotionen und Affekte die Nervenbahnen aktivieren, ist bisher noch nicht erforscht.

Gähnen: Wir gähnen nicht nur, wenn wir müde sind

Gähnen wird meist mit Müdigkeit oder Langeweile verknüpft. In Gegenwart anderer Personen versuchen wir daher den Reflex zu unterdrücken. Dabei hält diese Körperfunktion gesund und dient sogar dem Wohlbefinden. Gähnen leitet den Übergang von einem Zustand in einen anderen ein, wie etwa jenen von einer aktiven Phase in die Ruhezeit. Der Mensch beginnt bereits im Mutterleib mit der Ausübung dieses Reflexes. Beim Gähnen kommt die Muskulatur in Spannung und die Lunge wird gut belüftet. Es dient der Anregung des Herz-Kreislauf-Systems und weckt die Sinne. Nach dem Gähnen ist eine wohltuende körperlich-seelische Erleichterung spürbar. Zusätzlich stimuliert dieser Reflex das Gehirn und fördert kognitive Fähigkeiten.

„Gähnen hat positive Auswirkungen auf die Atmung, die Muskulatur und das Wohlbefinden. Darum: Gähnen Sie so oft wie möglich, genüsslich und befreit“, so Peter Cubasch, Atemlehrer und Psychotherapeut. Versuche also den Gähnreflex in Zukunft nicht mehr zu unterbinden, sondern freue dich auf die anschließende Erleichterung. 

Rot werden: Damit werden Emotionen sichtbar

Als wären gewisse Situationen nicht schon unangenehm genug, errötet häufig auch noch das Gesicht vor Aufregung. Ein roter Kopf aufgrund von Sport oder einem Saunabesuch ist leicht zu erklären. Das Blut gerät in Wallung. Es entsteht Wärme. Diese wandert, als Rötung sichtbar, an die Hautoberfläche, wo der Prozess der Abkühlung stattfindet. Die Gesichtshaut ist dünner als die Körperhaut und so wird dieser Mechanismus als Erröten sichtbar.

Anders als das Erröten bei Bewegung oder Hitze kann das „soziale Erröten“ einige Fragen aufwerfen. In erster Linie aktiviert ein gewisser Grad an Aufregung das vegetative Nervensystem und löst eine Anspannung im Körper aus. Das Gehirn sendet folglich Adrenalin in den Körper, das den Puls hochtreibt. Durch diesen Vorgang weiten sich die Blutgefäße und die Durchblutung verstärkt sich – im Gesicht wird dieser Prozess als Rotfärbung sichtbar. 

„Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das erröten kann. Oder sollte“, schrieb Mark Twain. Der amerikanische Autor weist darauf hin, dass die körperliche Reaktion eng mit der Psyche verknüpft ist, weil sie Emotionen sichtbar macht. Bei Gefühlen wie Scham, Wut und auch freudiger Erwartung schießt schnell die Röte ins Gesicht und verrät dem Gegenüber unser Befinden. Grund dafür ist auch hier eine erhöhte Durchblutung durch erhöhte Aktivierung. „Wie oft und in welchen Situationen Menschen rot werden, hängt mit individuellen Reizschwellen und persönlichem Stressempfinden zusammen“, erklärt Dr. Christoph Schick, Allgemeinchirurg in München. Er behandelt Menschen, die unter übermäßigem Erröten leiden. Diese Störung des Sympathikus ist bei etwa jedem 200. Menschen angeboren. Es handelt sich um jenen Teil des vegetativen Nervensystems, der für das Hochfahren der Körperfunktionen in Stresssituationen zuständig ist. Reagiert dieser übersensibel, schießt die Schamesröte schneller ins Gesicht, als einem lieb ist. Betroffene leiden folglich oft unter Erythrophobie, der Angst vor dem Erröten. 

Kuriose Körperfunktionen sind vollkommen normal

Der Mensch ist ein seltsames Wesen. Häufig zeigt der Körper bizarre Verhaltensweisen, die von uns selten bewusst wahrgenommen werden. Die meisten der Reflexe hinterfragen wir nicht, dabei lohnt es sich. Sie sind nicht nur vollkommen normal, sondern wir lernen uns dadurch noch ein Stück besser kennen. Es handelt sich um interessante Schutzmechanismen, die wir unseren Vorfahren zu verdanken haben.

Wissenswertes für dich

So schützt du dich
vor entarteten Zellen

Wie können wir entarteten Zellen in der Brust ihren Schrecken nehmen? Wie können wir dem vorbeugen und uns selbst schützen? YOLO hat für dich Wissen und Tipps zusammengestellt, damit du dem gelassener begegnen kannst.

Die Macht der Nacht:
Augen zu und durch?

Wenn das Ein- oder Durchschlafen zur Herausforderung wird... Wir zeigen dir, wie du schlaflose Nächte verhindern kannst, wie du mit einfachen Tipps schneller einschläfst und zeigen auf, welche negativen Auswirkungen Schlafstörungen auf deine Gesundheit haben.

Wissenswertes über die Bauchspeicheldrüse

Wird über Verdauungsorgane gesprochen, denkst du bestimmt zuerst an Magen und Darm. Die Bauchspeicheldrüse wird meist außer Acht gelassen. Dabei trägt sie einen wichtigen Teil zur Gesundheit bei - lese jetzt unsere fünf Fakten über das Pankreas.