Mutter mit langem krausem Haar umarmt ihr Baby
09.02.2021

Mutterschaft: Ich will ein Kind,
aber bin ich zu jung?

Text: Verena Radlinger

Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr! Aber wer macht’s besser? Eine junge oder ältere Mutter? Von uns gibt’s dazu ein PRO & CONTRA faktenbasiert und aus allen Blickwinkeln!

Gleich vorweg, wenn wir ältere Mütter schreiben, sprechen wir von der biologischen Definition. Denn 40 ist ja schließlich das neue 20, oder? Die Medizin bezeichnet Frauen mit Kind zwischen ungefähr 20 und 30 Jahren als junge Mütter. Und zwar deshalb, weil die Fruchtbarkeit einer Frau in diesem Alter auf ihrem Höhepunkt ist. Mit älteren Müttern sind Frauen ab circa 40 Jahren gemeint.

 

7 Vorteile einer jungen Mutterschaft

Die Belastbarkeit ist viel höher

Dass Kinder viel Energie und Kraft erfordern, steht außer Frage. Nächtelanges Gekreische, Bauchweh, Wickeln, Füttern und alles wieder von vorne. Für ein Baby muss man 24 Stunden am Tag und das 7 Tage die Woche zur Stelle sein. Jüngere Mütter stecken den Schlafmangel und die daraus entstehende Erschöpfung besser weg als Ältere.

Gesundheit des Babys ist wahrscheinlicher

Ein Alter zwischen 20 und 29 ist biologisch gesehen perfekt, um ein Baby zu bekommen. Die Gefahr einer Fehlbildung ist statistisch betrachtet sehr gering, auch der Körper einer älteren Frau ist für eine Schwangerschaft nicht mehr wirklich ausgelegt. Auch die Anstrengungen einer Geburt werden viel besser verkraftet.

Baby und Studium lassen sich super vereinen

Ja, es klingt komisch, aber es ist wirklich gut kombinierbar. Viele Universitäten bieten neben Kinderbetreuung auch professionelle Beratung an. Und so lange dauert eine Vorlesung meistens auch wieder nicht. Außerdem gibt es für studierende Mütter viele finanzielle und soziale Unterstützung vom Staat. Mehr Informationen finden Sie auf: www.studieren-mit-kind.org.

Kein Ticken der biologischen Uhr

Viele Frauen verzweifeln fast an der Entscheidung, wann und ob sie Mutter werden sollen. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem die biologische Uhr im Inneren zu ticken beginnt. Je später sich Frauen für ein Kind entscheiden, desto schwieriger wird es, dann auch tatsächlich schwanger zu werden. Junge Mütter haben da kein Problem und im Inneren „tickt“ nichts.

Mutterinstinkt funktioniert besser

Je älter wir werden, umso mehr verlernen wir wie ein Kind zu denken. Das heißt für junge Mütter ist es viel einfacher, sich in das Kind hineinzuversetzen. Sie haben daher eine bessere Kommunikation. Es ist wissenschaftlich belegt, dass auch der Mutterinstinkt bei Jüngeren noch besser funktioniert. Ältere Mütter verlassen sich eher auf Ratgeber, jüngere Mütter mehr auf ihr Gefühl.

Frühe Mutterschaft: Ist jung Mutter werden wirklich klug?

Mit der modernen Medizin können Frauen (nahezu) selbst entscheiden, ob sie erst im fortgeschrittenen Alter ein Kind bekommen. Natürlich müssen die biologischen Voraussetzungen gegeben beziehungsweise berücksichtigt werden. Ältere Mütter werden immer noch skeptisch oder sogar misstrauisch beäugt. In Folge wird sich mit diesem Thema einfach nicht beschäftigt, denn es ist ja nicht „natürlich“, oder?

Besseres finanzielles Fundament

Die Österreichische Volkshilfe hat bereits 2018 berechnet, dass ein Kind bis zum 18. Lebensjahr rund 150.000 Euro „kostet“. Das sind im Monat 625 Euro. 2020 haben die österreichischen Schuldnerberatungen (ASB) folgende Zahlen herausgegeben: Demnach belastet ein siebenjähriges Kind die Haushaltskasse monatlich mit 784 Euro, ein 14-jähriger Teenager mit 842 Euro. Das Durchschnittsgehalt in Österreich liegt bei 2.032 brutto und damit kommen rund 1.500 Euro netto am Konto an. In jungen Jahren verdienen die Menschen meist noch weniger, geschweige denn sie stecken sogar noch im Studium.

Dass sich Karriere und Kinder nicht ganz so gut vertragen, ist nicht unbedingt eine Überraschung. Es braucht ein starkes Netzwerk, den richtigen Beruf, den richtigen Partner und so weiter. Theoretisch ist es möglich, aber meistens entscheiden sich die Menschen in heutiger Zeit für „Zuerst Karriere, dann Kinder“. Mehr zu diesem Thema und welches Standing das klassische Rollenbild einer Familie auch heute noch hat, finden Sie in unserem Artikel "Knackpunkt Einkommen: Bleibt’s bei Mutter, Vater, Kind?"

Ältere Mütter erziehen besser

Ältere Mütter haben oft stabilere Beziehungen, sind höher gebildet und haben einen leichteren Zugang zu pädagogischen Materialien. Oft setzen sie sich auch schon lange vor der Schwangerschaft mit den Themen Erziehung und Entwicklung auseinander. Es konnte zwar noch keine genaue Antwort gefunden werden, wer besser oder schlechter erzieht. Dies liegt aber wahrscheinlich an der Frage, was bessere und schlechtere Erziehung sein soll. Dennoch konnte man zeigen, dass ältere Mütter in der Erziehung weniger oft verbal oder körperlich bestrafen. Zurückzuführen sei das auf die psychologische Reife, die aber natürlich nicht jeder Mensch gleichermaßen entwickelt.

Medizin versus Psychologie

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass späte Schwangerschaften ein großes Gesundheitsrisiko für die Mutter und das Kind aufweisen. Außerdem sinkt mit dem Alter die natürliche Fruchtbarkeit, und ja, keiner ist unsterblich und lebt ewig. Für Mediziner ist klar, dass sie Frauen dahingehend umfassend aufklären müssen. Psychologen sprechen sich klar für eine spätere Mutterschaft aus. Frühere Studien zeigten bereits, dass ältere Mütter sich in der Schwangerschaft sowie nach der Geburt besser fühlten als ihre jüngeren Kolleginnen.

Haben ältere Mütter klügere Kinder?

Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für Demografie in Deutschland ebenso wie die der London School of Economics and Political Science bestätigen nun: Kinder älterer Mütter haben deutlich bessere Ergebnisse in kognitiven Tests als die Kinder jüngerer Mütter. Ältere Mütter sind heute besser ausgebildet, als die jüngeren, sie rauchen seltener und haben sich in ihren Berufen bereits etabliert. Rechnet man aber die sozioökonomischen Faktoren wie Bildung, Einkommen, Familienkonstellation et cetera, verschwindet der Vorteil fast bis zur Gänze. Der Vorteil entsteht also nicht auf der physiologischen Ebene und hat somit kaum etwas mit dem Alter selbst, sondern rein mit dem sozialen Status zu tun.

Mutter werden besser früher oder später? Unser Fazit

Jeder muss und darf selbst entscheiden, ob, wann, wie oder wie viele Kinder er oder sie haben möchte. Es kommt nicht unbedingt darauf an, wie alt die Mutter tatsächlich ist, sondern in welchen Umständen das Kind aufwachsen darf. Auch der Nachwuchs von deutlich jüngeren Müttern kann sein volles Potential entfalten, er muss „nur“ entsprechend gefördert werden.

Ein Kind zu haben ist eine herausfordernde Angelegenheit und eine gewisse Lebenserfahrung scheint dabei schon hilfreich zu sein. Aber nur weil die Gesellschaft meint, junge Mütter seien keine gute Idee und sollten erst selbst erwachsen werden, heißt das nicht, dass wir auf die eigenen Wünsche verzichten und unsere eigenen Fähigkeiten schmälern sollten. Wir tragen alles in uns was wir brauchen!

Egal in welchem Alter, eine Schwangerschaft sollte gut überlegt werden und am besten mit ärztlicher Begleitung erfolgen, denn statistische Risiken bestehen immer, egal ob für ältere Mütter oder für junge. Sollte eine natürliche Schwangerschaft nicht mehr möglich sein, sollte man sich außerdem mit den verschiedenen Möglichkeiten klar auseinandersetzen, denn es bringt weder Ihnen noch dem Kind etwas, wenn die Gesundheit auf dem Spiel steht. Das wahrscheinlich beste und ehrlichste Feedback bekommen Sie aus Ihrem Inneren. Die eigene Intuition ist immer noch die beste Freundin!

Wenn Schwangerwerden nicht klappt

„Noch nicht schwanger? Da stimmt doch was nicht mit dir!“ – Das hören meistens nur Frauen. Dabei ist die Spermienqualität genauso ausschlaggebend für eine erfolgreiche Befruchtung. Wir sprechen mit OÄ Dr. Gudrun Langer, Fachärztin im Kinderwunschzentrum an der Wien, über die Wichtigkeit des männlichen Parts und warum immer noch die Frau „Schuld“ hat.

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