Frau mit weißem Top und kurzer Hose hält die Hände oben und unten an ihren Bauch und signalisiert damit die Wichtigkeit des Darms und eine gesunde Mitte.
08.06.2021

So erkennen Sie
stille Entzündungen im Körper

Text: Bianca Schrenk & Nikola Walde

Entzündungen, die wir nicht spüren, die aber trotzdem da sind, werden als stille Entzündungen bezeichnet. Sie schwächen unser Immunsystem und schädigen langfristig die Organe. Erfahren Sie, woran Sie solche Entzündungsherde erkennen und was Sie dagegen tun können.

Was genau sind Entzündungen?

Wenn sich nach einer Verletzung die betroffene Körperstelle gerötet ist, sich warm anfühlt, pulsiert, anschwillt und schmerzt, sind das meist Anzeichen einer akuten Entzündung. Das ist eine normale Reaktion  des Immunsystems, die immer nach demselben Schema abläuft. Entzündungsfördernde  Botenstoffe erweitern die Blutgefäße, damit das betroffene Gewebe stärker durchblutet  wird. Mit dem Blut werden weiße Blutkörperchen eingeschwemmt, die Krankheitserreger, Schadstoffe oder Fremdkörper vernichten, zerstörte Zellen abtransportieren und beschädigtes Gewebe wieder reparieren. Anschließend fahren entzündungshemmende Botenstoffe diesen Prozess wieder herunter. Die akute Entzündung klingt ab, der Schaden ist geheilt. Ganz anders ist das bei einer stillen Entzündung.

Woran erkennen wir stille Entzündungen im Körper?

Stille Entzündungen (engl. silent inflammation), also versteckte Entzündungen im Körper verlaufen meist ohne eindeutige Symptome. Anders als bei einer akuten Entzündung treten sie ohne Rötung, Fieber, Schmerzen oder eine, für das Auge sichtbare Schwellung auf. Deswegen ahnen Sie meistens auch nicht, dass in Ihrem Körper ein potenziell gefährlicher Entzündungsherd entstanden ist. Auch die sogenannten Entzündungsmarker im Blut, die auf eine Inflammation hinweisen sind bei einem normalen Bluttest nur leicht erhöht. Deswegen bleiben die körperlichen Veränderungen oft lange Zeit unentdeckt, ohne eine richtige Diagnose und eine adäquate Behandlung.

Welche Folgen können stille Entzündungen haben?

Stille Entzündungen sind sehr weit verbreitet bleiben oft über Jahre hinweg unbemerkt. Die Folgen können so teils gravierend sein. Entzündungen bedeuten einen Stresszustand für den Körper, der aber lebensnotwendig ist. Ohne in Alarmbereitschaft versetzt zu werden könnte er nicht angemessen auf Entzündungen und Krankheitserreger reagieren, sich von Verletzungen regenerieren und den entstandenen Schaden reparieren. Trotzdem ist es wichtig, dass Entzündungen immer nur kurz andauern, der Schaden schnell behoben und der Feind sozusagen schnell beseitigt wird.

Denn wenn Entzündungen chronisch werden, gerät der Körper gefährlich unter Druck. In diesem Fall greifen die Immunzellen zumeist in Verbindung mit anderen Faktoren gesundes Gewebe an und beschleunigen den Alterungs- beziehungsweise Abnutzungsprozess der inneren Organe. Dadurch steigt das Risiko für eine Reihe ernstzunehmender Gesundheitsprobleme, darunter beispielsweise eine Einschränkung des Bewegungsapparates.

So entstehen stille Entzündungen

Als häufigste Ursache für chronische stille Entzündungen stehen ein ungesunder Lebensstil und schlechte Angewohnheiten unter Verdacht. Vieles beginnt bereits in der frühen Kindheit und umfasst unter anderem folgende Faktoren
  • anhaltende Überforderung im Alltag
  • unausgewogene Ernährung 
  • Bewegungs- und Sauerstoffmangel
  • Übergewicht oder gar Fettleibigkeit
  • schädliche Umwelteinflüsse (zum Beispiel starke Luftverschmutzung)
Die Hauptursache für chronische Entzündungen ist in erster Linie lang anhaltende Überforderung im (beruflichen) Alltag, der mit einem permanent erhöhter Cortisolspiegel einhergeht sowie einseitige nährstoffarme Ernährung. Der hohe Verzehr von salzhaltigen Fertigprodukten, zuckerhaltigen Getränken (statt stillem Wasser) und die immer öfter auftretenden Lebensmittelunverträglichkeiten führen allesamt zur Störung der Darmflora. Auch die häufige Einnahme von Medikamenten kann sich negativ auswirken. So werden die körpereigenen Heilungskräfte stark eingeschränkt und das Immunsystem kann sich nicht mehr effektiv zur Wehr zu setzen. Ist die Darmbarriere gestört können Toxine und Krankheitserreger mehr oder weniger ungehindert in den Blutkreislauf übertreten. Dieses Phänomen ist in Fachkreisen unter dem Namen Leaky-Gut-Syndrom bekannt.
 
Entzündungsprozesse werden darüber hinaus auch durch eine anhaltend hohe Zuckerzufuhr begünstigt und ein unausgeglichenes Verhältnis der Omega-3- und Omega-6- Fettsäuren angeheizt. Konservierungsstoffe in Lebensmitteln, Kosmetik- und Pflegeprodukten, Allergene und Umweltgifte verstärken diesen Prozess nur noch. Diese können nur dann wirksam aus dem Körper gespült werden, wenn wir täglich aureichend - am besten stilles - Wasser trinken. Das hilft unseren Stoffwechselorganen, vor allem Leber und Nieren, auf die Sprünge.

Gibt es auch andere Ursachen für stille Entzündungen?

Eine stille Infektion kann auch durch freie Radikale verursacht werden. Sie sind hochreaktive Moleküle, denen ein Elektron fehlt. Sie benötigen dieses Elektron jedoch, um stabil zu sein. Um es zu bekommen, reagieren sie mit dem nächstbesten Stoff oder Zelle, die sie antreffen. Ist das ein Krankheitserreger, wird dieser abgetötet. Ist es körpereigenes Gewebe und die Entzündung nur kurz, kann das Gewebe schnell reagieren. Ist die Entzündung jedoch chronisch, trägt das jeweilige Gewebe Schäden davon. Bei der Behandlung vieler chronischer Beschwerden sind Entzündungen daher ein wichtiger Schlüssel. 
Ein Vitamin-D-Mangel sowie die sogenannte nichtalkoholische Fettleber (kurz NAFL: erhöhte Fettinfiltration in der Leber bei Menschen, die tendenziell keinen oder nur sehr geringe Mengen Alkohol konsumieren) können ebenfalls stille Entzündungen im Körper fördern. 

Das Bauchfett als Risikofaktor

Das Bauchfett erzeugt und verstärkt Entzündungen im Körper. Stille Entzündungen betreffen deshalb häufig Menschen mit Übergewicht. Das Bauchfett ist dafür bekannt, die Bildung entzündungsfördernder Hormone zu begünstigen. Das kann auf Dauer dem Herz-Kreislauf-System und dem Stoffwechsel schaden und in Folge vielerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen. Wer Gewicht abbaut und seinen Bauchumfang reduziert, verringert automatisch auch sein persönliches Entzündungsrisiko. 

Störfelder im Mund

Auch die Zahngesundheit spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Neben dem Darm sind vor allem die Zähne und der Mundraum ausschlaggebend für unsere Gesundheit. So können zum Beispiel Metalle im Mund oder wurzelbehandelte Zähne ebenfalls Ausgangspunkt für Störfelder und stille Entzündungen sein. Ein Röntgenbild beim Zahnarzt kann dabei helfen, verborgene Vereiterungen der Zahnwurzeln zu entdecken. Regelmäßige Mundhygiene (professionelle Zahnreinigung) und gegebenenfalls eine keimabtötende Ozontherapie sind ebenfalls durchaus sinnvoll und empfehlenswert. 

Stille Entzündungen erkennen

Zu den ersten Anzeichen für eine stille Entzündung gehört oftmals Abgeschlagenheit, die sich vor allem in Situationen bemerkbar macht, in denen wir unter Druck stehen, überfordert beziehungsweise überwältigt sind. Folgende Symptome weisen häufig auf eine stille Entzündung im Körper hin:
  • häufige Kopfschmerzen und Schwindel 
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit 
  • Gereiztheit 
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gliedmaßenschmerzen 
  • häufige Infekte 
Diese Symptome können einzeln oder aber zusammen auftreten, kurzweilig wieder abklingen, um in kurzen Zeitabständen wiederzukehren. Kommt es also immer wieder zu Abgeschlagenheit und Infekten, sollte man eine undiagnostizierte stille Entzündung in Betracht ziehen.

Was hilft gegen stille Entzündungen?

Am besten hilft genau jene Faktoren zu ändern, welche die Entzündung in erster Linie hervorrufen. Sehr wirksam gegen etwaige Entzündungen im Körper ist ausgewogene, abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung. Viele Lebensmittel enthalten Antioxidantien, die entgiftende Eigenschaften besitzen und unsere Zellen schützen. Sie können freie Radikale im Körper neutralisieren und damit oxidativen Stress verringern. Das ist gut so, denn oxidativer Stress fördert Entzündungen und schädigt unsere Zellen. Reich an wertvollen Zellschützern sind zum Beispiel Beeren, Äpfel, Süßkartoffeln und Rote Bete sowie grünes Gemüse wie Grünkohl, Petersilie, Pak Choi,  Broccoli oder Staudensellerie. Zudem nehmen auch Kaffee (in Maßen genossen), Kakao, grüner Tee, Traubensaft und Rotwein positiven Einfluss auf unsere Zellen und unser Immunsystem. 

Weiters beinhalten folgende Nahrungsmittel reichlich Antioxidantien:

  • Knoblauch 
  • Ingwer 
  • Zimt 
  • Zwiebeln 
  • Schnittlauch 
  • schwarzer Pfeffer 
  • grüner Tee 
  • Karotten 
  • Zitrusfrüchte 

Achten Sie bei der Lebensmittelauswahl auf frisches und saisonal verfügbares Gemüse sowie gesunde Fette. Essen Sie viel Fisch, Leinsamen und pflanzliche Öle – vor allem Leinöl, Rapsöl und Olivenöl. Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren hemmen nachweislich entzündliche Prozesse im Körper und stärken das Immunsystem. 

Scharfstoffe aus Ingwer, Chilischoten, Kresse, Radieschen, Rettich, Meerrettich und Senf töten Bakterien ab und regen die Verdauung an. Die in Rettich, Senf, Kresse, Pastinaken,  Broccoli, Kohl und Meerrettich enthaltenen Senfölglykoside punkten mit einer entzündungsvorbeugenden Wirkung. Besonders die ätherischen Öle, die Gingerole des Ingwers, lindern akute und chronische Entzündungen, reduzieren Schmerzen und  mindern Verdauungsprobleme. Die gelbe Knolle Kurkuma besitzt ein würziges, leicht scharfes Aroma und kann durch das Curcumin entzündungshemmend und zellschützend wirken. Außerdem sind Knoblauch und Zwiebeln durch die Schwefelverbindung Allicin wahrhafte Keimkiller und Entzündungshemmer.

Wie können stille Entzündungen diagnostizieren werden?

Der CRP-Wert, den Sie vielleicht schon mal auf Ihrem Blutbefund gesehen haben, ist ein spezieller Laborwert, der Auskunft über Entzündungen im Körper gibt. CRP steht für C-reaktives Protein. Es ist bei Entzündungen im Körper verstärkt im Blut aufzufinden und unterstützt dabei, abgestorbene Immunabwehrzellen und körperfremde Substanzen aus dem entzündeten Gewebe zu entfernen.
 
Der CRP-Wert sollte im Idealfall kleiner als 1 sein. Bei einer frisch aufgetretenen Entzündung kann er um das zehn bis sogar 1000fache steigen. Dieser Wert fällt allerdings rasch wieder ab sobald die Entzündung dank der Abwehrkräfte des Körpers abgeklungen ist. Die Konzentration des CRP im Blut hilft dabei, eine Entzündung aufzuspüren, er sagt aber nichts darüber aus, wo genau sich der Entzündungsherd befindet beziehungsweise was der Auslöser ist.
 
Für eine noch viel genauere Diagnostik stiller Entzündungen im Körper ist der sogenannte hs-CRP Wert (highly sensitive CRP) sehr hilfreich. Hier erhält man einen Referenzwert, der zehnmal empfindlicher ist. Weitere Parameter, wie die Leukozyten oder die Blutsenkungsgeschwindigkeit, aber auch der Omega-3 Index, sind hier ausschlaggebend, um im Körper schlummernde Entzündungen zu entdecken, ihre Art und ihren Verlauf näher zu bestimmen und in weiterer Folge zu behandeln.
 
Je nach Befund werden vom behandelnden Arzt meistens weitere Untersuchungen angeordnet, um den Ursprung der stillen Entzündung zu eruieren und Ihnen wirksam helfen zu können.
 

Durch Ernährungsumstellung stille Entzündungen verhindern und heilen

Damit beugen Sie stillen Entzündungen im Körper wirksam vor, beziehungsweise helfen ihm, diese zu heilen:

  • Essen Sie vorwiegend pflanzliche Nahrungsmittel, bestehend aus frischem saisonalem Gemüse, zuckerarmem Obst, reichlich Hülsenfrüchten, gesunden kaltgepressten Ölen, Gewürzen und Kräutern, fettreichem Fisch und Vollkornerzeugnissen. Schon drei Handvoll buntes Gemüse und zwei Handvoll zuckerarmes Obst reichern Ihren Speiseplan mit einem ausgewogenen Vitalstoff-Mix an. Welche Nahrungsmittel gerade Saison haben plus leckere Rezepte dazu, haben wir hier für Sie.
  • Würzen Sie täglich mit scharfen Gewürzen wie Pfeffer, Chilli und Kurkuma. Verwenden Sie beim Kochen reichlich Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und frische Kräuter. 
  • Essen Sie am Morgen  Leinsamen und Leinöl im Porridge mit frischem Obst oder Mandelmus auf einem getoasteten Vollkornbrot, Walnusskerne oder Oliven als Snack für zwischendurch und am Abend Gemüsenudeln mit Lachs mit einem Topping aus Kürbiskernen. Mit ähnlichen Menüs kommen Sie täglich an die richtige Menge essentieller Fettsäuren. 
  • Gönnen Sie sich zwischendurch kurze Fastenpausen, zum Beispiel mit Intervallfasten. Trinken Sie dabei viel Wasser und Kräutertees. So kann Ihr Körper wirksamer entgiften und seine eignenen Regenerationskräfte aktivieren.
  • Damit Ihr Immunsystem gestärkt wird, können Sie Kneipp-Anwendungen zu Hause durchführen. Schon zwei bis vier Wechselgüsse von heiß auf kalt wirken belebend und stärken Ihre Abwehrkräfte gegen Entzündungsprozesse. Beenden Sie einen Kneipp-Guss stets mit kaltem Wasser.
  • Zudem hilft Aroniabeerensaft aus dem Reformhaus nicht nur bei Blasenentzündung, sondern wirkt allgemein antientzündlich. 
  • Auch Aloevera unterstützt dabei, auf natürliche Weise Giftstoffe aus dem Körper zu schwemmen. 

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