Frau mit einem Pferdeschwanz und Sportschuhen sitzt am Boden und umfasst ihren schmerzenden Unterschenkel.
08.06.2021

So erkennen Sie
stille Entzündungen im Körper

Text: YOLO Online-Redaktion

Versteckte Entzündungen, die wir nicht unbedingt spüren, die aber trotzdem da sind, werden als stille Entzündungen bezeichnet. Sie schwächen unser Immunsystem und schädigen langfristig die betroffenen Organe. Wir erklären Ihnen, woran Sie solche Entzündungsherden erkennen und was Sie dagegen tun können.

Was genau sind Entzündungen?

Wenn sich nach einer Verletzung die betroffene Körperstelle gerötet ist, sich warm anfühlt, pulsiert, anschwillt und schmerzt, sind das meist Anzeichen einer akuten Entzündung. Das ist eine normale Reaktion  des Immunsystems, die immer nach demselben Schema abläuft. Entzündungsfördernde  Botenstoffe erweitern die Blutgefäße, damit das betroffene Gewebe stärker durchblutet  wird. Mit dem Blut werden weiße Blutkörperchen eingeschwemmt, die KrankheitserregerSchadstoffe oder Fremdkörper vernichten, zerstörte Zellen abtransportieren und beschädigtes Gewebe wieder reparieren. Anschließend fahren entzündungshemmende Botenstoffe diesen Prozess wieder herunter. Die akute Entzündung klingt ab, der Schaden ist geheilt. Ganz anders ist das bei einer stillen Entzündung.

Woran erkennen wir stille Entzündungen im Körper?

Stille Entzündungen (engl. silent inflammation), also versteckte Entzündungen im Körper verlaufen meist ohne eindeutige Symptome. Anders als bei einer akuten Entzündung treten sie ohne Rötung, Fieber, Schmerzen oder eine, für das Auge sichtbare Schwellung auf. Deswegen ahnen Sie meistens auch nicht, dass in Ihrem Körper eine potenziell gefährliche Entzündungsherde entstanden ist. Auch die sogenannten Entzündungsmarker im Blut, die auf eine Inflammation hinweisen sind bei einem normalen Bluttest nur leicht erhöht. Deswegen bleiben die körperlichen Veränderungen oft lange Zeit unentdeckt, ohne eine richtige Diagnose und eine adäquate Behandlung.

Welche Folgen können stille Entzündungen haben?

Stille Entzündungen sind sehr weit verbreitet bleiben oft über Jahre hinweg unbemerkt und so können die Folgen teils gravierend sein. Entzündungen bedeuten einen Stresszustand für den Körper, der aber lebensnotwendig ist. Ohne in Alarmbereitschaft versetzt zu werden könnte er nicht angemessen auf Entzündungen und Krankheitserreger reagieren, sich von Verletzungen regenerieren und den entstandenen Schaden reparieren. Trotzdem ist es wichtig, dass Entzündungen immer nur kurz andauern, der Schaden schnell behoben und der Feind, sozusagen, schnell beseitigt wird.

Denn wenn Entzündungen chronisch werden, gerät der Körper gefährlich unter Druck. In diesem Fall greifen die Immunzellen, zumeist in Verbindung mit anderen Faktoren, gesundes Gewebe an und beschleunigen den Alterungs- beziehungsweise Abnutzungsprozess der inneren Organe. Dadurch steigt das Risiko für eine Reihe ernstzunehmender Gesundheitsprobleme, darunter beispielsweise eine Einschränkung des Bewegungsapparates.

So entstehen stille Entzündungen

Als häufigste Ursache für chronische stille Entzündungen steht häufig ein falscher Lebensstil und schlechte Angewohnheiten unter Verdacht. Vieles beginnt bereits in der frühen Kindheit und umfasst unter anderem folgende Faktoren
  • anhaltender Stress 
  • unausgewogene Ernährung 
  • Bewegungs- und Sauerstoffmangel
  • Übergewicht oder gar Fettleibigkeit
  • schädliche Umwelteinflüsse (zum Beispiel starke Luftverschmutzung)
Die Hauptursachen für chronische Entzündungen sind in erster Linie lange anhaltender Stress, der mit einem permanent erhöhter Cortisolspiegel einhergeht sowie einseitige nährstoffarme Ernährung. Der hohe Verzehr von salzhaltigen Fertigprodukten, zuckerhaltigen Getränken (statt stillem Wasser) und die immer öfter auftretenden Lebensmittelunverträglichkeiten führen allesamt zur Störung der Darmflora und bringt unser Darmmikrobiom aus dem sensiblen Gleichgewicht. Auch die häufige Einnahme von Medikamenten kann sich negativ auswirken. So werden die körpereigenen Heilungskräfte stark eingeschränkt und das Immunsystem kann sich nicht mehr effektiv zur Wehr zu setzen. Ist die Darmbarriere gestört, so können Toxine und Krankheitserreger mehr oder weniger ungehindert in den Blutkreislauf übertreten. 
 
Entzündungsprozesse werden darüber hinaus auch durch eine anhaltend hohe Zuckerzufuhr begünstigt und ein unausgeglichenes Verhältnis der Omega-3- und Omega-6- Fettsäuren angeheizt. Konservierungsstoffe in Lebensmitteln, Kosmetik- und Pflegeprodukten, Allergene und Umweltgifte verstärken diesen Prozess nur noch. Diese können nur dann wirksam aus dem Körper gespüllt werden, wenn wir täglich aureichend Wasser trinken und so unseren Stoffwechselorganen, darunter Leber und Nieren auf die Sprünge helfen.

Gibt es auch andere Ursachen für stille Entzündungen?

Eine stille Infektion kann unter anderem durch freie Radikale verursacht werden. Sie sind hochreaktive Moleküle, denen ein Elektron fehlt. Sie benötigen dieses Elektron jedoch, um stabil zu sein. Um es zu bekommen, reagieren sie mit dem nächstbesten Stoff oder Zelle, die sie antreffen. Ist das ein Krankheitserreger, wird dieser abgetötet. Ist es körpereigenes Gewebe und die Entzündung nur kurz, kann das Gewebe schnell reagieren. Ist die Entzündung jedoch chronisch, trägt das jeweilige Gewebe Schäden davon. Bei der Behandlung vieler chronischer Erkrankungen sind Entzündungen daher ein wichtiger Schlüssel. 
Ein Vitamin-D-Mangel sowie die sogenannte nichtalkoholische Fettleber (kurz NAFL: erhöhte Fettinfiltration in der Leber bei Menschen, die tendenziell keinen oder nur sehr geringe Mengen Alkohol konsumieren) können ebenfalls stille Entzündungen im Körper fördern. 

Das Bauchfett als Risikofaktor

Das Bauchfett erzeugt und verstärkt Entzündungen im Körper. Stille Entzündungen betreffen unter anderem deshalb häufig Menschen mit Übergewicht. Das Bauchfett ist dafür bekannt, die Bildung entzündungsfördernder Hormone zu begünstigen. Das kann auf Dauer dem Herz-Kreislauf-System und dem Stoffwechsel schaden und in Folge vielerlei gesundheitliche Beschwerden verursachen. Wer Gewicht abbaut und seinen Bauchumfang reduziert, verringert automatisch auch sein persönliches Entzündungsrisiko

Störfelder im Mund

Auch die Zahngesundheit spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Neben dem Darm sind vor allem unsere Zähne und Mundraum ausschlaggebend für unsere Gesundheit. So können zum Beispiel Metalle im Mund oder wurzelbehandelte Zähne ebenfalls Ausgangspunkt für Störfelder und stille Entzündungen sein. Ein Röntgenbild beim Zahnarzt kann dabei helfen, verborgene Vereiterungen der Zahnwurzeln zu entdecken. Regelmäßige Mundhygiene (professionelle Zahnreinigung) und gegebenenfalls eine keimabtötende Ozontherapie sind ebenfalls durchaus sinnvoll und daher empfehlenswert

Stille Entzündungen erkennen

Zu den ersten Anzeichen für eine stille Entzündung gehört oftmals Abgeschlagenheit, die sich vor allem in Situationen bemerkbar macht, in denen wir unter Druck stehen, überfordert beziehungsweise überwältigt sind. Folgende Symptome weisen häufig auf eine stille Entzündung im Körper hin:
  •  häufige Kopfschmerzen und Schwindel 
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit 
  • Gereiztheit 
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gliedmaßenschmerzen 
  • häufige Infekte 
Diese Symptome können einzeln oder aber zusammen auftreten, kurzweilig wieder abklingen, um in relativ kurzen Zeitabständen wiederzukehren. Kommt es also immer wieder zu Abgeschlagenheit und Infekten, sollte man eine undiagnostizierte stille Entzündung in Betracht ziehen.

Was hilft gegen stille Entzündungen?

Am besten hilft natürlich, genau jene Faktoren zu ändern, welche die Entzündung in erster Linie überhaupt hervorrufen. Sehr wirksam gegen etwaige Entzündungen im Körper ist ausgewogene, abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung. Viele Lebensmittel enthalten sogenannte Antioxidantien, die entgiftende Eigenschaften besitzen und unsere Zellen schützen. Sie können freie Radikale im Körper neutralisieren und so sogenannten oxidativen Stress verringern. Das ist gut so, denn oxidativer Stress fördert Entzündungen und schädigt unsere Zellen. Reich an wertvollen Zellschützern sind zum Beispiel Beeren, Äpfel, Süßkartoffeln und Rote Bete sowie grünes Gemüse wie Grünkohl, Petersilie, Pak Choi,  Broccoli oder Staudensellerie. Zudem nehmen auch Kaffee, Kakao, grüner Tee, Traubensaft und Rotwein positiven Einfluss auf unsere Zellen und unser Immunsystem

Weiters beinhalten folgende Nahrungsmittel reichlich Antioxidantien:

  • Knoblauch 
  • Ingwer 
  • Zimt 
  • Zwiebeln 
  • Schnittlauch 
  • schwarzer Pfeffer 
  • grüner Tee 
  • Karotten 
  • Zitrusfrüchte 

Achten Sie bei der Lebensmittelauswahl auf gesundheitsfördernde Aspekte und essen Sie täglich antientzündlich wirkende Nahrung. Setzen Sie deswegen auf gesunde Fette mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Essen Sie viel Fisch, Leinsamen und pflanzliche Öle – vor allem Leinöl, Rapsöl und Olivenöl. Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren hemmen nachweislich entzündliche Prozesse im Körper und stärken das Immunsystem

Scharfstoffe aus Ingwer, Chilischoten, Kresse, Radieschen, Rettich, Meerrettich und Senf töten Bakterien ab und regen die Verdauung an. Die in Rettich, Senf, Kresse, Pastinaken,  Broccoli, Kohl und Meerrettich enthaltenen Senfölglykoside punkten mit einer entzündungsvorbeugenden Wirkung. Besonders die ätherischen Öle, die Gingerole des Ingwers, lindern akute und chronische Entzündungen, reduzieren Schmerzen und  mindern Verdauungsprobleme. Die gelbe Knolle Kurkuma besitzt ein würziges, leicht scharfes Aroma und kann durch das Curcumin entzündungshemmend und zellschützend wirken. Außerdem sind Knoblauch und Zwiebeln durch die Schwefelverbindung Allicin wahrhafte Keimkiller und Entzündungshemmer.

Wie können wir stille Entzündungen diagnostizieren lassen?

Der CRP-Wert, den Sie vielleicht schon mal auf Ihrem Blutbefund gesehen haben ist ein spezieller Laborwert, der Auskunft über Entzündungen im Körper gibt. Dieser sollte im Idealfall kleiner als 1 sein. Bei Entzündungen im Körper ist ein erhöhter Spiegel des Proteins CRP im Blut nachweisbar. Es ist Teil unseres Immunsystems und ist daran beteiligt, abgestorbene Immunabwehrzellen und Fremdkörper aus dem entzündeten Gewebe zu entfernen. Es kann bei einer frisch auftretenden Entzündung um das zehn bis sogar 1000fache steigen – dieser Wert fällt allerdings rasch wieder ab sobald die Entzündung dank der Abwehrkräfte des Körpers abgeklungen ist. Die Konzentration des CRP im Blut hilft dabei, eine Entzündung zu aufzuspüren, er sagt aber nichts darüber aus, wo genau sich die Entzündungsherde befindet beziehungsweise was ihr Auslöser ist.
 
Für eine noch viel genauere Diagnostik stiller Entzündungen im Körper ist der sogenannte hs-CRP Wert (highly sensitive CRP) sehr hilfreich. Hier erhält man einen Referenzwert, der 10mal empfindlicher ist. Weitere Parameter wie die Leukozyten oder die Blutsenkungsgeschwindigkeit, aber auch der Omega-3 Index sind hier ausschlaggebend, um, im Körper schlummernde Entzündungen zu entdecken, ihre Art und ihren Verlauf näher zu bestimmen und in weiterer Folge zu behandeln.
 
Je nach Befund werden vom behandelnden Arzt meistens weitere Untersuchungen angeordnet, um den Ursprung der stillen Entzündung zu eruieren und Ihnen wirksam helfen zu können.
 

Durch Ernährungsumstellung stille Entzündungen verhindern und heilen

  • Essen Sie vorwiegend pflanzliche Nahrungsmittel, bestehend aus frischem saisonalem Gemüse, zuckerarmen Obstsorten (zum Beispiel Beeren), reichlich Hülsenfrüchten, gesunden kaltgepressten Ölen, Gewürzen und Kräutern, fettreichem Fisch und Vollkornerzeugnissen. Schon drei Handvoll buntes Gemüse und zwei Handvoll zuckerarmes Obst reichern Ihren Speiseplan mit einem ausgewogenen Vitalstoff-Mix an. 
  • Würzen Sie täglich mit scharfen Gewürzen wie Pfeffer, Chilli und Kurkuma. Verwenden Sie beim Kochen reichlich Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und frische Kräuter. 
  • Essen Sie am Morgen  Leinsamen und Leinöl im Porridge mit frischem Obst oder Mandelmus auf einem getoasteten Vollkornbrot, Walnusskerne oder Oliven als Snack für zwischendurch und am Abend Gemüsenudeln mit Lachs mit einem Topping aus Kürbiskernen. Mit ähnlichen Menüs kommen Sie täglich an die richtige Menge essentieller Fettsäuren. 
  • Gönnen Sie sich zwischendurch kurze Fastenpausen, zum Beispiel mit Intervallfasten. Trinken Sie dabei viel Wasser und Kräutertees. So kann Ihr Körper wirksamer entgiften und seine eignenen Regenerationskräfte aktivieren.
  • Damit Ihr Immunsystem gestärkt wird, können Sie Kneipp-Anwendungen zu Hause durchführen. Schon zwei bis vier Wechselgüsse von heiß auf kalt wirken belebend und stärken Ihre Abwehrkräfte gegen Entzündungsprozesse. 
  • Zudem hilft Aroniabeerensaft aus dem Reformhaus nicht nur bei Blasenentzündung, sondern wirkt allgemein antientzündlich
  • Auch Aloevera unterstützt dabei, auf natürliche Weise Giftstoffe aus dem Körper zu schwemmen. 

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