Herzteller mit frischem Gemüse, daneben aufgeschnittenes Obst, türkise Hanteln und ein Blutdruckmessgerät
14.12.2020

Wie funktioniert ein Blutdruckmittel?

Text: YOLO Online-Redaktion

Sicher haben Sie schon mal von einem Betablocker zur Senkung des Blutdrucks gehört. Wie funktionieren diese Mittel und welche pflanzlichen Alternativen gibt es?

Blutdruck: Hauptaufgabe des Herzens

Es gibt zwei Blutdruckwerte: einen systolischen und einen diastolischen Blutdruckwert. Die Basis dafür sind die zwei Hauptaufgaben des Herzens: Einerseits nimmt es Blut auf und andererseits gibt es Blut wieder ab. Mit jedem Herzschlag pumpt das Herz Blut in unsere Blutgefäße, die den Sauerstoff dann in jeden Winkel unseres Körpers verteilen. Wie das genau vor sich geht, lesen Sie in unserm Artikel „Das Herz: Zentrum des Lebens“.

Systolischer Blutdruck

Dieser entsteht in der Phase, in der sich das Herz zusammenzieht (Systole). Dadurch wird das Blut aus dem Herzen in die Hauptschlagader (Aorta) gepumpt. Dabei entsteht eine Druckwelle, die sich über die Arterien fortsetzt. Deshalb kann man den Blutdruck auch in den weiter vom Herzen entfernten Körperregionen messen. Diese „Pulswelle“ zieht sich bis in die Arme und Beine.

Diastolischer Blutdruck

In dieser Phase dehnt sich der Herzmuskel aus, um das Herz wieder mit Blut zu füllen (Diastole). Dabei herrscht immer noch der vorher ausgelöste Druck, ist aber natürlich niedriger als bei der Systole. 

Welche Blutdruckwerte sind normal?

Die Idealwerte des Blutdrucks liegen bei 120 mmHg systolisch und 80 mmHg diastolisch. Der Blutdruck ist aber nicht nur von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, sondern auch in den verschiedensten Situationen. Zum Beispiel steigt der Blutdruck bei körperlicher Anstrengung oder genereller Aufregung, während er im Schlaf und in Ruhe deutlich niedriger ist. Diese Schwankungen sind auch gut so, denn damit passt sich der Körper an die jeweilige Situation an. Der Knackpunkt ist, dass bei gesunden Menschen der Blutdruck immer wieder auf den Idealwert zurückkehrt. Bei Menschen mit (schweren) Vorerkrankungen kann der Normalwert sogar bei bis zu 140 mmHg/90 mmHg liegen. Dann spricht man von Bluthochdruck (Hypertonie).

Wichtig ist zu wissen, dass es auch Phasen geben kann, in denen der Blutdruck schwankt. Erst wenn er dauerhaft zu hoch ist, muss er unbedingt behandelt werden. Nicht umsonst ist das Herz eines der wichtigsten Organe im menschlichen Körper, denn ohne Blutversorgung funktioniert keines der anderen. Bei einem Bluthochdruck wird auf Dauer nicht nur das Herz selbst und seine versorgenden Gefäße (Herzkranzgefäße) geschädigt, sondern auch andere Blutgefäße, die Nieren und das Gehirn. Das kann ohne Behandlung sehr gefährlich werden.

Oftmals etwas unter den Tisch fällt die Tatsache, dass der Blutdruck auch zu niedrig sein kann, wahrscheinlich aus dem Grund, weil ein niedriger Blutdruck nicht gesundheitsgefährdend ist. Dennoch ist er für Betroffene sehr unangenehm. So kann sich ein zu niedriger Blutdruck durch Anzeichen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Herzrasen, Unwohlsein, Mattheit und Antriebslosigkeit äußern. Ein niedriger Blutdruck kann zum Teil erblich bedingt sein, zum Teil aber auch durch Umwelteinflüsse, andere gesundheitliche Beschwerden und schnelle Positionswechsel verursacht werden. Von einem zu niedrigen Blutdruck spricht man dann, wenn die Werte unter 110 zu 60 mmgHg bei Männern und 100 zu 60 mmHg bei Frauen liegen. Maßnahmen, die in diesem Fall zur Blutdruckregulation dienen können, sind Wechselduschen, Bewegung, ausreichend gesalzene Speisen und viel Trinken.

So erkennen Sie zu hohen Blutdruck

Ein großes Problem ist, dass es keine eindeutigen Hypertonie-Symptome gibt und deshalb lange unbemerkt bleibt. Damit ist eine so wichtige frühzeitige Therapie oft nicht möglich, deswegen spricht man auch von der „stillen Gefahr“. Aber einige Anzeichen gibt es doch. Denn unser Körper sendet uns immer Signale, sobald etwas nicht rund läuft. Mögliche Anzeichen können sein:

  • Schwindelgefühl
  • Kopfschmerzen (vor allem morgens)
  • Schlafstörungen
  • Nervosität (mehr als sonst)
  • Ohrensausen
  • Müdigkeit
  • Schnelle Ermüdbarkeit
  • Nasenbluten
  • Kurzatmigkeit
  • gerötetes Gesicht
  • Übelkeit

Den Blutdruck im Griff mit einem gesunden Lebensstil

Der Blutdruck wird durch viele Faktoren beeinflusst. Unser Lebensstil hat dabei einen erheblichen Einfluss auf unseren Blutdruck. Rauchen und ein zu hoher Alkoholkonsum wirken sich gesundheitsschädigend aus - auch für die Regulation des Blutdrucks. Aber auch zu viel Salz im Essen kann sich negativ auswirken. Mit einer gesunden Ernährung werden die Blutgefäße vor Ablagerungen geschützt. Eine der wichtigsten Lebensstiländerungen in Bezug auf einen besseren Blutdruck ist aber körperliche Betätigung. Ein mäßig erhöhter Bluthochdruck kann alleine damit wieder auf einen Normalwert gebracht werden.

Bei körperlicher Belastung, wie zum Beispiel beim Sport, steigt der Blutdruck an, um den Körper ausreichend zu versorgen. Für Menschen mit gesunden Werten ist das (meist) kein Problem. Bei Hypertonie-Patienten können aber die Werte rasch in einen gefährlichen Bereich steigen. Beim Krafttraining, zum Beispiel beim Gewichte stemmen, können bedrohliche Blutdruckspitzen erreicht werden. Deshalb muss die Wahl der Sportart auch individuell abgestimmt werden und mit behutsamen Belastungen begonnen werden. Viele Menschen mit Bluthochdruck profitieren aber von einem regelmäßigen und moderaten Ausdauertraining. Mehr zu diesem Thema und warum uns Bewegung so gut tut, finden Sie in unserem Artikel "Das macht Bewegung mit Ihrem Körper".

Nicht immer reicht eine Lebensstiländerung aus. Oft kann auch die späte Diagnose der Grund sein. Der Arzt verordnet dann zusätzlich blutdrucksenkende Medikamente (Antihypertensiva). Hier haben sich vier Hauptgruppen von Medikamenten bewährt. Sie sind zuverlässig und meist gut verträglich. Die genaue Pharmakologie zu beschreiben wäre wohl zu viel des Guten. Deshalb konzentrieren wir uns auf die Hauptfunktionen.

Das sind die gängigsten Blutdrucksenker

Was hemmen ACE-Hemmer?

ACE-Hemmer werden entweder einzeln (Monotherapie) oder mit anderen Blutdruckmedikamenten (Kombinationstherapie) eingesetzt. ACE-Hemmer hemmen das Enzym ACE (Angiotensin-converting enzyme) und greifen somit in eine Kette von Protein-Umwandlungen ein. Durch die Hemmung wird weniger Angiotensin-II gebildet, dieses ist der Auslöser der Anspannung der Gefäßmuskulatur. Aufgrund der folgenden Dehnung der Gefäße verringert sich der Blutdruck. ACE-Hemmer haben sich darüber hinaus als lebensverlängernd bei einer chronischen Herzinsuffizienz erwiesen. Deshalb kommen ACE-Hemmer auch nach Herzinfarkten oder Herzmuskelentzündungen zum Einsatz.

Was blockt der Betablocker?

Stresshormone wie Adrenalin steigern den Blutdruck und die Pulsfrequenz. Ein Betablocker blockiert die sogenannten Beta-Rezeptoren und dadurch können diese Hormone nicht mehr andocken. Die Wirkung der Betablocker kann gut belegt werden. Sie werden auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt und zählen zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln. Zum Beispiel wurden 2017 in Deutschland 2,19 Milliarden definierte Tagesdosen (DDD)* Betablocker verschrieben.

Was ist ein AT1-Antagonist?

Diese Medikamentengruppe wurde aus den ACE-Hemmern entwickelt und zeigt wesentlich weniger Nebenwirkungen. Prinzipiell funktionieren sie wie die ACE-Hemmer, aber sie blockieren die Rezeptoren (Andockstellen) von Angiotensin II. Dadurch kann das Hormon Angiotensin II (AT-II) nicht mehr wirken.

Kalzium-Antagonisten – Wo ist der Unterschied?

Unsere Muskelzellen benötigen Kalzium, um sich anzuspannen. Kalzium-Antagonisten hemmen das Einströmen von Kalzium in die glatte Muskulatur der Blutgefäße. Dadurch entspannen sich die Blutgefäße und der Blutdruck kann gesenkt werden.

Wie entwässern Diuretika?

Umso mehr Blut in den Blutgefäßen, umso höher ist der Druck. Sinkt also die Flüssigkeitsmenge im Körper, sinkt auch der Blutdruck. Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Magnesium oder Kalzium binden Flüssigkeit im Körper. Diuretika hindern die Niere diese zurück in den Blutkreislauf abzugeben und erhöhen gleichzeitig die Harnausscheidung.

Die Kraft der Pflanzen für einen gesunden Blutdruck

„Der Weißdorn hilft dem alternden Herzen.“ Dieser Spruch ist alles andere als neu. Dennoch wurde der Weißdorn erst vor einigen Jahren wieder populärer in Bezug auf die Herzgesundheit. 2019 wurde er vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde der Universität Würzburg zur Pflanze des Jahres auserkoren. Entgegen der etwas veralteten Weisheit, wird die Heilpflanze auch bei Herzbeschwerden, zum Beispiel nach einer Infektion und bei extremen körperlichen Belastungen (wie beim Bergsteigen in großen Höhen) eingesetzt. Die Weißdornblätter mit Blüten enthalten sogenannte oligomere Procyanidine und Flavonoide, die die Schlagkraft des Herzmuskels erhöhen. Außerdem wird die Durchblutung des Herzmuskels und der Herzkranzgefäße gefördert, die Toleranz gegenüber Sauerstoffmangel erhöht und der Herz-Kreislauf reguliert.

Bereits seit dem Altertum wurden herzaktive Heilpflanzen verwendet. Zum Beispiel enthalten Knoblauch und Ginkgo Wirkstoffe für die Gesundheit von Herz und Gefäße. Auf einer ärztlichen Verordnung, um etwa 1.500 v. Chr. auf Papyrus geschrieben, wurde die Meerzwiebel erwähnt. Bekannt sind auch Pflanzen mit diuretisch wirksamen Inhaltsstoffen, zu diesen gehören beispielsweise die große und kleine Brennnessel, der Löwenzahn und Birkenblätter, hauptsächlich die der Hänge-Birke.

Bluthochdruck im Schnellverfahren

  • Definition: Blutdruck > 140/90 mmHg
  • Mögliche Folgen: Herzschwäche, -infarkt, Schlaganfall, Netzhautschäden, Nierenschäden, koronare Herzkrankheit und vieles mehr
  • Häufige Symptome: Kopfschmerzen, Schwindel, schnelle Ermüdbarkeit, gerötetes Gesicht et cetera
  • Eventuelle Symptome: meist von Folgeerkrankungen wie Brustenge (Angina pectoris), Wassereinlagerungen im Gewebe oder Sehstörungen
  • Behandlung: Lebensstiländerung: viel Bewegung und Sport, Abnehmen, gesunde Ernährung, Rauchstopp et cetera, beziehungsweise falls erforderlich: blutdrucksenkende Medikamente 

 


Quellen:

  • Schwabe, U., et al., Arzneiverordnungs-Report 2018, 1. Auflage. Springer Medizin Verlag, 2018
  • Schwarz Julia, Felchner Carola, Niedriger Blutdruck, Abfrage vom 12.7.2021, 13:40 Uhr

Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 14.12.2020
  • Update: 12.7.2021

 

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