Frau trinkt ein Glas Bier vorm Tablet und stößt virtuell mit Freunden an.
25.01.2021

Ist kein Alkohol auch keine Lösung?

Text: Verena Radlinger

In unserer Gesellschaft ist er völlig „normal“, aber was löst Alkohol im Körper aus und wie viel trinkt Österreich wirklich? Wichtig ist, die Grenze zwischen Genuss und Gefahr zu kennen.

Alkohol steht eigentlich für die chemische Verbindung Ethanol oder auch Ethylalkohol. Für uns ist es aber einfach nur Alkohol. Ethanol entsteht ganz natürlich bei der Vergärung von zuckerhaltigen Früchten. Apfelsaft hat bis zu 0,016 und eine reife Banane sogar bis zu einem Ganzen Volumenprozent (‰) Ethanol. Alkohol wird durch die Gärung aus einer Biomasse, meist aus ganz gewöhnlichen zucker- oder stärkehaltigen Feldfrüchten, hergestellt. Dieser Prozess wird mit einer Reihe von Nahrungsmitteln kontrolliert durchgeführt.

Alkohol ist in der europäischen Gesellschaft tief verankert. Warum das so ist und wann der Mensch angefangen hat zu trinken, erfahren Sie in unserer aktuellen Print-Ausgabe. Es ist für uns ganz selbstverständlich und ein soziales Miteinander geworden. Alkoholkonsum taucht fast überall auf: in religiösen Zeremonien, traditionellen Bräuchen, Kulturveranstaltungen und natürlich bei Festen.

Das macht Alkohol mit unserem Körper

Unabhängig davon, ob jemand regelmäßig und viel Alkohol trinkt oder nur ab und zu ein bisschen: Das, was im Organismus nach dem Genuss von alkoholhaltigen Getränken passiert, ist bei allen gleich. Ethanol wird über Schleimhäute aufgenommen. Dies beginnt in geringem Umfang bereits in der Mundschleimhaut. Etwa 20 Prozent werden im Magen resorbiert, der Rest im Dünndarm.

Das resorbierte Ethanol kommt direkt ins Blut und wird im gesamten Körper einschließlich dem Gehirn verteilt. Alkohol hat vereinfacht gesehen, die Fähigkeit über die schützende Blut-Hirn-Schranke zu hüpfen und alle Vorgänge im Gehirn zu beeinflussen. Sofort wird die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn erhöht, wie zum Beispiel Dopamin und Endorphin, die für euphorische Stimmungen verantwortlich sind. Außerdem werden körpereigene Botenstoffe, wie zum Beispiel Serotonin und Noradrenalin, in ihrer Wirkung blockiert, da der Alkohol die sogenannten Rezeptoren (Andockstellen) für sich beansprucht. Passieren diese Vorgänge regelmäßig, werden die Nervenzellen unsensibler und die Botenstoffe können ihre Wirkung nicht mehr so entfalten wie früher. Dadurch kommt der gesamte Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht und kann nur schwer, beziehungsweise langsam wieder in Balance gebracht werden.

Etwa zwei bis zehn Prozent des Alkohols werden unverändert über Urin, Schweiß und Atemluft wieder abgegeben. In der Leber wird der Hauptteil des Ethanols durch Enzyme sowie dem sogenannten MEOS-System zu Ethanal (Acetaldehyd) abgebaut, um weiter zu Essigsäure oxidiert zu werden. Übrigens ist das Ethanal für die ungeliebten „Kater“-Symptome mitverantwortlich. Die Essigsäure wird über den Citratzyklus, dieser wird auch oft als „Drehscheibe des Stoffwechsels“ bezeichnet, und die natürliche Atmungskette in allen Zellen des Körpers unter Energiegewinnung zu Kohlendioxid veratmet. Auch bekannt als der typische Mundgeruch: die „Fahne“. Wie schnell Alkohol abgebaut werden kann, ist nahezu konstant. Bei Männern werden etwa 0,1 und bei Frauen 0,085 Gramm pro Stunde und Kilogramm Körpergewicht abgebaut.

Wie schnell und wie stark Alkohol wirkt ist abhängig von:

  • Alkoholmenge
  • Geschwindigkeit: Drei Gläser Wein in einer halben Stunde machen uns schneller und stärker betrunken, als die gleiche Menge über längere Zeit.
  • Mageninhalt: Trinken mit nüchternem Magen kann die berauschende Wirkung von Alkohol verstärken. Mit einer fettreichen Mahlzeit im Vorfeld lässt sich die Alkoholaufnahme verzögern, aber nicht verringern!
  • Körper: Einen großen Einfluss hat zum Beispiel das Körpergewicht. Ein 90 Kilogramm schwerer Mann verträgt mehr Alkohol als eine zierliche Person, weil er mehr Blut im Körper hat und sich der Alkohol im Körper stärker verteilt.
  • Trinkgewöhnung: Wer regelmäßig Alkoholisches konsumiert, verträgt mehr und wird nicht so schnell betrunken.
  • Geschlecht: Der Flüssigkeitsgehalt des Körpers ist bei Männern mit circa 70 Prozent höher als bei Frauen (60 Prozent). Das bedeutet, dass sich der Alkohol beim weiblichen Geschlecht auf weniger Flüssigkeit verteilt – der Promillewert ist bei gleicher Trinkmenge damit höher als bei Männern.

Betrunkene und Kinder sagen immer die Wahrheit

Der All-Time-Favourite unter den betrunkenen Geständnissen ist vermutlich nach oder während einer durchzechten Nacht dem Ex-Freund eine peinliche SMS zu schicken: Nicht immer sind diese unbedachten Aktionen dramatisch. Aber man kann auch Menschen verletzen, die man eigentlich lieb hat. Alkohol hat eine enthemmende Wirkung auf den Menschen. Wir trauen uns mehr, haben weniger Angst etwas preiszugeben und wir denken weniger nach. Vereinfacht gesagt sind die Worte einfach weniger gefiltert – Alkohol entspannt.

Trinken wir Alkohol dringen seine Inhaltstoffe bis ins Gehirn vor. Der körpereigene Botenstoff Gamma-Aminobuttersäure, kurz Gaba, verlangsamt den Informationsfluss der Nervenzellen in unserem Kopf. Alkohol verstärkt diese Wirkung extrem. Zusätzlich werden noch die „Glückshormone“ ausgeschüttet, weswegen uns Alkohol ein gutes Gefühl gibt. Er lässt uns glauben, dass wir glücklich sind und unglaublichen Spaß haben. Dadurch vergessen wir eine Zeit lang den stressigen Alltag und unangenehme Gedanken, wir werden entspannter und lockerer. Bei größeren Mengen kann diese Stimmung aber schnell kippen – zum Beispiel zu Aggressivität oder großer Traurigkeit.

Erfahren Sie in unserem YOLO 1x1 der Glückshormone, welche Botenstoffe Sie „gut drauf“ machen und wie Sie die Glückshormon-Produktion positiv beeinflussen können, ganz ohne Alkohol.

Die sogenannte Harmlosigkeitsgrenze zeigt bis zu welcher Alkoholmenge der Konsum als körperlich bedenkenlos eingestuft werden kann.
Copyright: Land schafft Leben 2020
Die sogenannte Harmlosigkeitsgrenze zeigt bis zu welcher Alkoholmenge der Konsum als körperlich bedenkenlos eingestuft werden kann.
Copyright: Land schafft Leben 2020

Alkoholkonsum in Österreich

Österreich trinkt sich europaweit ins obere Drittel

Im europäischen Vergleich ist Österreich im oberen Drittel angesiedelt. Durchschnittliche 11,6 Liter reinen Alkohol trinkt man hierzulande pro Person und Jahr. Allgemein vereinen sich auf dem kleinen Kontinent Europa die trinkfreudigsten Teile der Weltbevölkerung: Somit ist Europa Spitzenreiter im Alkoholkonsum. Am höchsten ist dabei laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Konsum in der Republik Moldau mit 15,2 Litern. Litauen liegt auf Platz zwei mit 15 Litern, danach folgt Tschechien mit 14,4 Litern.

Bier ist Alkohol der Wahl

Mehr als die Hälfte des Alkohols nehmen die Österreicher in Form von Bier zu sich. Laut der Versorgungsbilanz der Statistik Austria von 2019 bedeutet das einen Pro-Kopf-Konsum von durchschnittlich 107 Litern Bier im Jahr. Damit ist Österreich Vize-Weltmeister im Biertrinken. Nur in Tschechien wird mehr getrunken. Dort sind es 141 Liter Bier pro Kopf im Jahr.

Wie viel Alkohol ist harmlos?

Die sogenannte „Harmlosigkeitsgrenze“ für Frauen liegt bei 0,4 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein pro Tag. Bei Männern liegt die Grenze bei 0,6 Litern Bier oder 0,3 Liter Wein pro Tag. Die Richtwerte kommen vom Health Education Council, auf den Experten weltweit Bezug nehmen. Es definiert die Harmlosigkeitsgrenze als jene Alkoholmenge, „bis zu der der Konsum von Alkohol als körperlich bedenkenlos eingestuft werden kann.“ Mindestens zwei Tage in der Woche sollten jedoch frei von Alkohol sein. Sich die Menge mehrerer Tage fürs Wochenende aufzusparen, gilt nicht. Denn mehr auf einmal ist schädlicher als dieselbe Menge über eine Woche verteilt zu trinken. Als problematisch für Frauen gilt eine Menge ab 1 Liter Bier pro Tag oder 0,5 Liter Wein pro Tag. Bei Männern wird die Grenze bei 1,5 Litern Bier oder 0,75 Liter Wein pro Tag gezogen.

Alkohol für die Gesundheit

Trinkt man Alkohol in sehr geringen Mengen unter der Harmlosigkeitsgrenze kann sich das auch positiv auf die Gesundheit auswirken. Dann sollen Bier und Wein sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen vorbeugen, wie mehrere Studien behaupten. Grund dafür sind spezielle Inhaltsstoffe von Hopfen im Bier und von Trauben im Wein, die Polyphenole. Sie entfalten ihre gesundheitliche Wirkung noch besser in Alkohol. Naturtrübes Bier ohne oder mit nur wenig Alkohol - bis zu 1,2 Prozent - zählt außerdem zu den sogenannten isotonischen Getränken. Diese enthalten ungefähr gleich viele Nährstoffe wie das menschliche Blut, welche daher schnell vom Körper aufgenommen werden.

 


An dieser Stelle bedanken wir uns bei unserem Partner, dem Verein Land schafft Leben für diese spannenden Daten, Hintergründe und Fakten rund um den Alkohol in Österreich. Der unabhängige und unpolitische Verein zeigt zusammen mit Experten aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Forschung, den Weg der heimischen Lebensmittel von der Herstellung bis zu ihrer gesundheitlichen Wirkung.


 

So massiv wirkt sich Alkohol auf den Darm aus

Dass Alkohol erhebliche gesundheitsschädigende Auswirkungen auf den Körper hat, ist alles andere als neu. Jedoch den wenigsten ist bewusst, wie massiv er die Körperfunktionen in der Sekunde beeinträchtigt. Ist Alkohol im Körper angelangt, wird er unmittelbar weiter zum sogenannten Acetat umgebaut, was in weiterer Folge vom Körper zur Herstellung von Fettsäuren verwendet werden kann. Das ist zum Beispiel ein Grund, warum übermäßiger Alkoholkonsum die Einlagerung von Fett im Körper begünstigt und zu Übergewicht führen kann. 

Dadurch, dass Alkohol sämtliche Organe des oberen Verdauungstrakts durchläuft, werden auch vorrangig diese beziehungsweise deren Funktionen bei übermäßigem Konsum beeinträchtigt. Von Zahnablagerungen im Mund, über Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre (Sodbrennen) bis hin zu schwerwiegende Magenreizungen können die Folge sein. Im Dünndarm greift Alkohol vor allem die Darmschleimhaut an, die auch Mikrobiom genannt wird. In Folge können wasserlösliche Vitamine, allen voran Vitamin B1, B6, B12 und Folsäure, sowie die Aminosäuren Leucin und Lysin und essenzielle Fettsäuren schwerer in den Körper aufgenommen werden. Außerdem hemmt Alkohol die Natrium- und Wasseraufnahme, was sowohl Darmträgheit, aber auch Durchfall begünstigt. Durch diese funktionelle Störung ist der Darm in weiterer Folge durchlässiger für Bakterien, Schwermetalle und andere Schadstoffe. Erhebliche Darmbeschwerden mit Bauchschmerzen, starken Druck- und Völlegefühlen können die Folge sein. 

Für den Darm als Sitz unseres Immunsystems ist übermäßiger Alkoholkonsum also fatal. Mit jedem Gläschchen „zu viel“ kann der Darm weniger gut arbeiten, die natürliche Darmbarriere wird durchlässiger und gesundheitsschädigende Auswirkungen können auftreten.

Alkohol ist ein Genussmittel: Die Dosis macht das Gift

Gerade heutzutage, wo alles im Überfluss vorhanden ist, müssen wir wieder lernen zwischen Verzicht, Genuss und Abhängigkeit zu unterscheiden. Besonders in Bezug auf Alkohol sieht man die große Zwiespältigkeit zwischen Genuss und Gefahr. Es geht hier nicht um die Frage der eigenen Grenzen oder um das richtige Maß, sondern um die Entscheidung warum Sie ein Genussmittel zu sich nehmen. Es gibt keine Pauschalempfehlung und klar ist auch, dass die Gesundheit mitunter stark beeinträchtigt wird. Ein verantwortungsvoller Umgang bedeutet, sich den Auswirkungen bewusst zu sein und Alkohol als das zu sehen, was es ist, ein Genussmittel.

Vielleicht genießen Sie das nächste Glas mal ganz bewusst – wir sagen: „Prost!“

 

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