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30.08.2021

Kühlender Effekt von Lebensmitteln

Text: Beatrix Treml

So erfrischend wie ein Sprung in den kalten See, aber wesentlich langanhaltender: Lebensmittel, die von innen kühlen sind im Sommer hoch im Kurs. Was wir bei Hitze essen sollten und wieso kalte Getränke den Körper erwärmen - YOLO hat die Antworten!

Essen macht nicht nur satt und glücklich, es hat auch weitere Zusatznutzen für den Körper. Neben der Versorgung mit Nährstoffen reguliert der Verzehr bestimmter Lebensmittel die innerkörperliche Temperatur. So können uns Speisen wärmen oder auch abkühlen, indem sie den Körper ausreichend hydriert halten. Besonders im Sommer wird gerne auf den kühlenden Effekt von Gurke, Pfefferminze und Wassermelone zurückgegriffen.

Thermischer Effekt von Nahrung

Es ist bekannt, dass die Aufnahme von Essen den Energieverbrauch im Körper erhöht. In etwa zehn Prozent des täglichen Grundumsatzes fallen auf die sogenannte Thermogenese zurück. Bei der Thermogenese geht es in erste Linie um die wärmende Wirkung von Lebensmitteln beziehungsweise um den entstehenden Wärmeeffekt nach deren Aufnahme und den damit einhergehenden erhöhten Kalorienverbrauch. Es gibt aber auch Nahrungsmittel mit kühlendem Effekt auf den menschlichen Körper. Vor allem im Sommer sollten diese vermehrt in den Speiseplan integriert werden.

Die Ernährung gilt in der TCM als alternatives ganzheitliches Konzept, das den Menschen im Zusammenhang mit seiner Umwelt sieht. Dabei wird davon ausgegangen, dass jedes Lebensmittel eine thermische Wirkung hat. Auf Basis dieser Eigenschaften werden sie den Gruppen kalt, kühl, warm, heiß und neutral zugeordnet. Extreme wie heiße und kalte Lebensmittel sollten Sie vermeiden, da diese den Körper unnötig belasten. 

 

Yin und Yang in Balance

Welches Lebensmittel wann gut tut, leitet sich aus dem Yin und Yang-Prinzip ab. Je nachdem, ob es eher kühlend, neutral oder wärmend ist, wird es präventiv eingesetzt. Ziel ist es, diese beiden Kräfte in Balance zu halten. Die Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang, so heisst es, hält Körper, Geist und Seele gesund. 

Yang bildet dabei den warmen Teil. Überwiegt die Hitze wirkt sich das sowohl auf die körperliche als auch auf die mentale Leistung aus. Die Folgen sind fehlende Konzentration und Motivation oder schwere Beine. Das Yin muss gestärkt werden. Yin steht für Ruhe und Kälte. Ein Yin-Mangel zeichnet sich durch trockene Schleimhäute, Appetitmangel oder ein allgemeines Kältegefühl aus. Kühlende Lebensmittel verstärken das Yin-Prinzip und gleichen die Yang-Energie aus.

Kühlende Lebensmittel nach TCM

In der TCM wird der Standpunkt vertreten, dass kühlende und befeuchtende Speisen dem Körper helfen, einen Gegenpol zu Trockenheit und Hitze der Umgebung zu finden. Dabei wird auf die Intelligenz der Natur vertraut. Die Lebensmittel sollten demnach nach Jahreszeit und Witterung ausgewählt werden - im Sommer mehr Yin (erfrischend/kühlend) und im Winter mehr Yang (energiereich, wärmend).

In den Sommermonaten überwiegt das Prinzip des Yang. Ohne eine Kühlung von innen, gerät der Körper aus dem Gleichgewicht. Gemüse und Früchte, die im Sommer Saison haben und in heißen Regionen wachsen, wirken kühlend. Dazu zählen beispielsweise Wassermelone, Tomaten und Gurken, aber auch Mangos oder Zitrusfrüchte – generell gehören vor allem wasserreiche Lebensmittel und jene mit enthaltenen Bitterstoffen auf die Liste der kühlenden Lebensmittel.

Durch die Art der Zubereitung kann das Temperaturverhalten der Nahrungsmittel verändert werden. Abkühlenden Einfluss haben Blanchieren, Dünsten oder Pökeln. Kochen mit viel Wasser mindert das Yang. Lebensmittel, die von innen kühlen, müssen also nicht zwingend kalt sein. Für viele vermutlich sehr überraschend: Grillen fügt laut TCM der Nahrung Hitze hinzu und sollte daher nicht zu oft als Zubereitungsart gewählt werden – auch wenn das BBQ zum Sommer gehört wie bunte Blätter zum Herbst. 

Kühlende Lebensmittel bauen Körpersäfte und Blut auf und sorgen somit für die Befeuchtung des Körpers. Dadurch wird die Lebensenergie Qi verdichtet und verlangsamt und die Hitze im Körper gekühlt. Aber Vorsicht: ein übermäßiger Konsum von Yin-Lebensmitteln schwächt auf Dauer das Milz- und Magen-Qi und führt zu innerer Kälte. Das gleiche gilt für Yang-Speisen. Ziel sollte immer das Gleichgewicht von Yin und Yang sein.

Yin stärken

Das Yin kann durch die Aufnahme von Speisen mit hohen Wasseranteil gestärkt werden. Die meisten Obst- und Gemüsesorten enthalten von vorneherein viel Wasser. Anders ist das bei Fisch oder Fleisch. Diese Lebensmittel mit Yang-Dominanz sollten besser gedämpft anstatt gebraten werden. Beim Braten würde sich der wärmende Effekt nochmals verstärken. Eine Alternative für heiße Tage ist der Griff zu pflanzlichen Proteinquellen. Linsen oder Bohnen haben eine thermisch neutrale Wirkung, Tofu wird sogar als kalt eingestuft.

Bei Suppen und Eintöpfen wird empfohlen, diese lauwarm oder kalt zu verzehren. Gazpacho, eine kalte Gemüsesuppe aus Spanien, ist ein Klassiker unter den kühlenden Speisen. Kräuter wie Dill, Pfefferminze, Salbei oder Estragon wirken ebenfalls kühlend. Insbesondere das Hinzufügen von Salz erhöht die Yin-Energie der Speisen. Im Sommer darf daher etwas mehr Salz verzehrt werden als im Winter. 

Top 5 Lebensmittel mit Cool-Down-Effekt

  1. Gurke
    Gurken bestehen zu über 95 Prozent aus Wasser. Sie fördern die Darmgesundheit, haben kaum Kalorien und enthalten wertvolle Nährstoffe, wie Vitamin C und E, sowie Zink, Magnesium und Kalium.
  2. Wassermelone
    Die Wassermelone ist der perfekte Sommersnack. Genau wie Gurken, besteht auch die Wassermelone fast nur aus Wasser. Der hohe Flüssigkeitsanteil sorgt für eine kühlende Wirkung.
  3. Tomaten
    Tomaten besitzen kühlende Eigenschafen, die auch verarbeitet zu Saucen und Suppen die thermische Wirkung beibehalten. Jede Menge Vitamine und Antioxidantien machen sie zum heimischen Superfood.
  4. Grüner Tee
    Grüner Tee sollte am besten lauwarm getrunken werden. Er entgiftet und versorgt den Körper mit Flüssigkeit. In Kombination mit Früchten, wie zum Beispiel einer pürierten Kiwi, kann der grüne Tee wunderbar zu einem erfrischenden Eistee verarbeitet werden.
  5. Pfefferminze und Salbei
    Das in der Pfefferminze enthaltene Menthol senkt die Körpertemperatur und lindert Hitzewallungen. Die Bitterstoffe im Salbei helfen gegen starkes Schwitzen. Beide Kräuter schmecken als Tee oder auch in Salaten.

Worauf Sie im Sommer besser verzichten sollten

Wenn Sie schnell ins Schwitzen kommen, sollten Sie darauf achten, Ihrem Körper nicht noch zusätzlich durch wärmende Lebensmittel einzuheizen. Die Wirkung des thermische Effekt von Lebensmitteln kann im Alltag bewusst eingesetzt werden. Dafür wird kein Fachwissen benötigt - ein paar Infos über die thermische Zuordnung der Speisen ist völlig ausreichend.

Meiden Sie scharfe Gewürze wie Chili, Curry oder auch Knoblauch im Sommer und essen Sie saisonal.  Ebenso wenig empfehlenswert sind zu kalte Getränke bei heißen Temperaturen. Ein Glas eiskaltes Wasser hat nur einen kurzen Kühlungseffekt. Der Körper muss das Wasser erst auf Körpertemperatur erwärmen und den Temperaturunterschied ausgleichen. Dieser Vorgang benötigt viel Energie. Diese wiederum erzeugt Wärme und sorgt für zusätzlichen Schwitzen. Getränke sollten daher lauwarm konsumiert werden. 

Die meisten Obst- und Gemüsesorten haben einen hohen Wasseranteil und kühlen von innen. Sie sollten fixer Bestandteil Ihres Speiseplans im Sommer sein. Anstatt tierischen Proteinquellen, die zu den Yang Nahrungsmitteln zählen, können pflanzliche Eiweißquellen mit neutraler thermischer Wirkung von Vorteil sein. Bleiben Sie cool, essen Sie regional und saisonal und genießen Sie die letzten heißen Sommertage!


Quellen:


Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 30.8.2021

 

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