Wie gesund ist Kuhmilch? die Gefahr von tierischem Protein, Milch macht starke Knochen, Kuhmilch gesundheitliche Auswirkungen, Milchindustrie, YOLO Magazin
16.12.2021

Wie gesund ist Kuhmilch wirklich?

Text: Beatrix Treml

Milch ist reich an Kalzium und macht starke Knochen. Doch haben Milchprodukte wirklich ihren Gesundheits-Heiligenschein verdient? YOLO hat mit Ganzheitsmediziner Ruediger Dahlke darüber gesprochen und einige spannende Insights erhalten.

Kuhmilch hat unter allen Milchsorten die größte wirtschaftliche Bedeutung. Weltweit werden jährlich rund 921 Millionen Tonnen Milch erzeugt. In Europa bildet die Milchindustrie einen Markt von über 100 Milliarden Euro. Milch ist zu einem industriell verarbeiteten Lebensmittel geworden, dass nun nicht mehr frisch von der Kuh, sondern aus der Molkerei kommt. Dort wurde sie homogenisiert, in ihre Einzelteile zerlegt, pasteurisiert, wärmebehandelt und haltbar gemacht. Es handelt sich also nicht mehr, wie einst, um eines der natürlichsten Lebensmittel. Aufgrund dieses Wandels wurde Milch in den letzten Jahren recht kontrovers diskutiert. Manche sind der Ansicht, dass sie ein notwendiger und wertvoller Teil der Ernährung sei und gesund für die Knochen. Andere befürchten gesundheitliche Auswirkungen durch den Konsum tierischer Milch. Aber warum trinkt der Mensch als einziges Lebewesen bis ins Erwachsenenalter überhaupt die Milch von anderen Tieren? Sind die gesundheitlichen Auswirkungen von Kuhmilch auf den Menschen mit ein wenig Recherche und Hausverstand nicht eine Milchmädchenrechnung? Um das herauszufinden, müssen wir zuerst verstehen, was Milch eigentlich ist und was in ihr steckt…

 

Die Milch ist ein Heiratsschwindler - YOLO-Interview mit Ruediger Dahlke

Ganzheitsmediziner Ruediger Dahlke ist im YOLO Interview Rede und Antwort gestanden und erklärt, warum der Verzicht auf Milch nicht nur gesünder, sondern auch glücklicher macht! Den ausführlichen Beitrag zum umstrittenen Thema Kuhmilch finden Sie in der YOLO Printausgabe 05/2021. Sichern Sie sich jetzt Ihr Abo!

Herr Dahlke, das Thema Kuhmilch es ist ja sehr umstrittenes, beinahe religiöses Thema.  Sie haben in einem Interview gesagt, dass das Buch China Study von Colin Campbell Ihnen diesbezüglich die Augen geöffnet hat. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen, die Ihren weiteren Lebenslauf beeinflusst haben beziehungsweise was ist besonders herausgestochen?

China Study war für mich ein Buch, das ganz viele Dinge, die mir schon vorher als Einzelteile klar waren, in ein Gesamtbild gebracht hat. Ich habe schon immer allen Müttern mit Allergiekindern zuerst geraten, Milchprodukte wegzulassen – und zwar alle. Das hat verblüffend geholfen und bei Neurodermitis, Asthma beispielsweise aber auch Heuschnupfen sofortige Besserung gebracht. Das habe ich dann ausgeweitet auf Infektionen. Da war auch schnell klar, dass sich Infektionsherde oder silent inflammation, wie man es heute nennt, allein durch Verzicht auf Milchprodukte deutlich verbessern. 

 

Ich persönlich mochte Milch nie – und zwar überhaupt nicht. Schon als Kind hat mir die Haut am Kakao einen ganz eigenartigen Ekel gemacht. Und schon alleine der Gedanke, das zu mir zu nehmen, hat extremen Widerwillen erzeugt. Ich merkte, das tut mir nicht gut, und daher will ich es auch nicht. Als ich den Film Bambi gesehen habe, habe ich danach das erste Mal Fleisch verweigert. Insofern war ich eigentlich seit langer Zeit vegan. Ich habe diese Ernährungsform allerdings nicht kontrolliert. Damit habe ich erst vor etwa 14 Jahren angefangen, nachdem ich China Study gelesen habe und mit dem Schreiben von Peace Food startete. Beim Lesen von China Study bemerkte ich außerdem, dass in der Milch der IGF-1 Factor enthalten ist, der für Menschen wirklich ungut ist – besonders für Erwachsene. Das ist mir zu diesem Zeitpunkt erst klar geworden. Schon während ich das Buch las, habe ich angefangen, Peace Food zu denken. Aus tierethischen, ökologischen und humanitären Gründen wurden dann gesundheitliche Gründe, die für den Verzicht von tierischem Protein gesprochen haben. Die China Study war also der Auslöser für Peace Food, welches jetzt mehr oder weniger ein neuer Lebensstil geworden ist, der sich immer wieder bestätigt. 

 

Welche gesundheitlichen Folgen hat der Milchkonsum an sich? 

Ich habe seit 50 Jahren an keiner Grippewelle teilgenommen oder meine Krankenversicherung gebraucht, geschweige denn einen Ausfalltag gehabt in meiner Zeit als Arzt. Es gibt so viele Hinweise, dass diese Form der Ernährung, wie sie in Peace Food empfohlen wird, insgesamt viel besser ist für unsere Abwehr. Das hätte ich schon damals erkennen müssen, als ich meinen Patienten das Weglassen von Milchprodukten empfohlen habe. 

Was wir schon seit ewigen Zeiten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin wissen ist, dass Milch zu Verschleimung führt. Wenn Kinder dicke Polypen oder dauernd Mandelentzündung haben – die lymphatische Konstitution, wie Homöopathen sagen – hat das Weglassen von Milchprodukten die Symptome schon immer verbessert. Verschleimung zeichnet die Milch aus. Tierprotein ist aber insgesamt einfach übersäuernd. Otto Warburg hat 1931 den Nobelpreis erhalten, weil er herausgefunden hat, dass Krankheit besonders im sauren Bereich beginnt und insbesondere auch Krebs. Das ist ein starkes Argument gegen die Milch und gegen tierische Produkte, da diese alle den Körper übersäuern.

Es gibt mittlerweile eine Fülle von Studien die beweisen, dass tierisches Protein schlecht für den Menschen ist. Das hat mit einer Studie über rotes Fleisch begonnen und viele haben aufgehört es zu essen. Dabei war das ein völliger Denkfehler, da nur rotes Fleisch getestet wurde. Heute wissen wir, dass weißes Fleisch genauso schädlich ist. Bei Milch kommt noch erschwerend hinzu, dass diese in ihrer gesamten Geschichte verstanden werden muss. Kuhmilch ist das Beste für Kälber, so wie menschliche Muttermilch das Beste für Säuglinge ist. „breast is best“ kommt jetzt auch wieder aus den USA zu uns nach Europa. Ich habe in der ersten Hälfte meiner Arztzeit erlebt, wie 20 Jahre lang vom Stillen abgeraten wurde. Das habe ich nie mitgemacht, da ich immer den Eindruck hatte, dass Stillen für die Kinder und die Mütter am besten ist. Mütter am Land haben sich von den Empfehlungen nicht beirren lassen und ihre Kinder so lange wie möglich gestillt. Es gab dann eine Vergleichsstudie, die gezeigt hat, dass nach zehn Jahren gestillte Kinder und ihre Mütter viel besser dran waren als die mit adaptierter Milch Aufgezogenen. Die Ergebnisse wurden aber unter den Teppich gekehrt. So auch weitere Studien mit den gleichen Resultaten. Erst eine weitere Langzeitstudie von zehn Jahren führte zu einem gewissen Umdenken.

 

Inwiefern beeinflussen die in der Kuhmilch enthaltenen Wachstumshormone unsere Gesundheit?

Betrachten wir die Ursituation der Rinder, die Gnus in der Serengeti. Sie gebären auf offener Savanne ihre Jungen. Die Kälber sind extrem gefährdet und müssen so schnell wie möglich mit der Herde fliehen können. Daher müssen sie schnell wachsen. Aus diesem Grund enthält die Kuhmilch einen hohen Anteil an IGF-1, dem Wachstumshormon. Es ist verantwortlich für rasche Zellteilung und verhindert die Apoptose, den Zellselbstmord der alten Zellen. Logischerweise hat das Kalb aber noch keine alten Zellen. Es muss lediglich schnell die Zellen teilen, um zu wachsen und das Gewicht in kurzer Zeit verdoppeln. Wird die Herde gejagt, fallen die alten schwachen und die jungen noch nicht erstarkten Rinder. Schnelles Wachstum ist daher für das Kalb überlebenswichtig. 

Im erwachsenen Organismus einer Kuh oder eines Menschen sorgt die Milch ebenfalls noch für eine schnelle Zellteilung. Die alten Zellen können wegen ausfallender Apoptose nicht ausgemustert werden und verbleiben im Körper – das ist das klassische Krebsprogramm. Deswegen halte ich Milchprodukte unter allen Tierproteinen für das Gefährlichste überhaupt. Zusätzlich zu Übersäuerung, Gifteintrag und weiteren Nachteilen, kommt noch dieser Wachstumsfaktor, der das Krebsrisiko fördert. Wenn Leute den Schritt zu pflanzlicher, vollwertiger Peace Food Kost nicht schaffen, würde ich als erstes dazu raten, Milchprodukte wegzulassen. Auch Käse, denn dabei handelt es sich um konzentrierte Milch. 

 

Ist IGF-1 für Kinder also nicht so schädlich wie für Erwachsene, weil sie sich noch im Wachstum befinden? 

Ganz genau! Auch Muttermilch enthält geringen Mengen des Hormons. Säuglinge müssen aber nicht annähernd so schnell wachsen wie Kälber, daher ist in der menschlichen Muttermilch nur minimal IGF-1 enthalten. Unsere Kinder haben diesen Nestschutz. Sie sind gut behütet und müssen nicht vor Gefahren fliehen. Ausnahme bildet hier die grauenhafte Giftmüllernährung durch die Nahrungsmittelkonzerne (Anm. d. Red.: auch zu diesem Thema finden Sie einen ausführlichen Beitrag in der YOLO Printausgabe 05/2021). Aber dafür gibt es keinen Reflex. Nestschutz in diesem Bereich würde bedeuten, dass Eltern den Kindern dieses Gift nicht zumuten. 

Bei Kindern führt Kuhmilch zu einem sehr schnellen Wachstum. Damit einher geht die Akzeleration, also die Vorverlagerung der sexuellen Reife bei Jugendlichen. In den USA haben über 50 Prozent der Mädchen schon vor dem elften Lebensjahr die erste Periode. 

 

Bedeuten schneller wachsende Knochen auch ein erhöhtes Osteoporose Risiko? Sind also die Knochen bei schnellem Wachstum weniger dicht oder gibt es hier keinen Zusammenhang?

Dazu gibt es meines Wissens keine Studien. Der Gedanke ist, so wie Sie ihn jetzt formulieren, durchaus nachvollziehbar. Ich kann aber nichts dazu sagen, da ich keine Studie kenne. Die Osteoporose ist für mein Gefühl etwas sehr Psychosomatisches und wird zusätzlich durch Milchprodukte gefördert.

Wir müssen Ballast abwerfen für die Rückkehr im Leben(smuster). In der Bibel heißt es „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen“. Heute will aber kein Mensch umkehren, weil alle pfeilgerade nach vorne wollen. Keiner weiß wohin, Hauptsache fort. Es wird also kein Rückweg eingeplant. Und dann fängt der Körper an einzuspringen. Wenn wir im übertragenen Sinn keinen Ballast abwerfen und versuchen das Leben auf der physischen Ebene zu erleichtern, dann sinkt es vom seelischen Bereich in den Körper und der Organismus entkalkt seine Knochen – leider nicht die Gefäße. Er will uns darauf hinweisen, dass wir Ballast abwerfen müssen. Es ist umgekehrt genauso. Das ist die Idee hinter meinem Buch „Krankheit als Symbol“. Wir müssen unser Leben rund kriegen, nicht unseren Körper und unseren Bauch. Da sinkt etwas auf die körperliche Ebene.

Wir sollen im übertragenen Sinne unser Herz erweitern, die Nächsten lieben wie uns selbst. Das funktioniert aber nicht, wenn es mit der Selbstliebe nicht klappt. Wir sind zu einer Herzerweiterung aufgerufen, was auch die Mehrheit der Menschen macht – wir nennen es Altersherz. Darunter wird die Herzinsuffizienz (Herzschwäche) verstanden, bei der das physische Herz weiter wird. Das ist allerdings ein Krankheitsbild. Im übertragenen Sinn wäre es das Herz der Liebe. Wir verwechseln dauernd diese beiden Ebenen. Dinge, die im Bewusstsein stattfinden sollten, sinken auf die Körperbühne und da wird die Osteoporose problematisch. In diesem Fall helfen dann auch keine Nahrungsergänzungsmittel oder Aufbaustoffe mehr – die Knochen werden einfach nicht mehr fest. Und ja, auch durch das Trinken von Milch wird die Osteoporose gefördert. 

 

Warum wird Osteoporose durch Milch gefördert? Stimmt es, dass sie dem Körper mehr Kalzium entzieht als sie ihm tatsächlich zuführt?

Den Prozess kann man auf verschiedenen Ebenen vereinfacht durchschauen. Fakt ist, wenn wir den Körper übersäuern, entziehen wir ihm automatisch auch Kalzium. Sie können sich die Milch bildlich wie einen Heiratsschwindler vorstellen. Der Heiratsschwindler kommt ins Leben dieser Frau und fragt nicht sofort nach Besitz und Geld, sondern lässt zuerst die Liebe wachsen. Wenn er dann beiläufig herausgefunden hat, dass die Frau tatsächlich eine halbe Million auf der Kante hat, wird er anfangen von einer unglaublichen Chance zu erzählen. Er berichtet, dass er schon sein gesamtes Geld investiert hat und ihm nur noch ein Bruchteil für das große Geschäft fehle. Er deponiert diese Aussagen ganz bewusst und sorgt nebenbei dafür, dass ihre Liebe weiterhin wächst. Nach einer gewissen Zeit wird die Frau aus Liebe das Geld zur Verfügung stellen. Das böse Erwachen lässt dann nicht lange auf sich warten: der Mann ist weg, das Geld ist weg und die Idee gab es nie. Die Milch hat also Argumente, wie etwa einen hohen Kalziumgehalt, auf ihrer Seite, aber zum Schluss ist weniger übrig als zuvor. Das ist eine Art Heiratsschwindler-Politik

 

Dann ist auch die gesamte Milchindustrie beziehungsweise Milch-Lobby ein Art Heiratsschwindler? 

So ungefähr. In der Schweiz gibt es die Emmi AG, eine Organisation der Bauern selbst. Kaum wird eine neue Studie publiziert, die zeigt, wie gefährlich Milch im Hinblick auf Osteoporose ist, gibt es sofort eine Gegenbotschaft von Emmi. Die Dokumentation „Das System Milch“ zeigt, was alles an Subventionen läuft und welche Finanz- und Wirtschaftsmacht hinter dem Produkt Milch eigentlich steckt. Die Milch-Lobby lässt auch eigene Studien produzieren. Diese zu fälschen ist leider keine Kunst. Nehmen wir zum leichteren Verständnis ein Beispiel zur Hand: Es soll bewiesen werden, dass Coca-Cola gesund ist. Und wir wissen alle, dass es sich dabei wirklich nur um ein Zuckergemisch handelt, welches gesundheitlich völlig daneben ist. Und dennoch wird es bei Magen-Darm-Verstimmungen getrunken als auch bei Rohrverstopfungen als Hilfsmittel hinzugezogen. Es gibt also immer das Gute vom Schlechten und das Schlechte vom Guten, wie schon Paul Watzlawick schrieb. Nehmen wir eine breit angelegte Studie bei welcher 2000 Menschen in zwei Gruppen aufgeteilt und randomisiert werden. Wir schicken sie drei Tage in die Sahara, ohne Wasser. Nach drei Tagen haben wir das heulende Elend. Der einen Gruppe geben wir nun jeden Tag zwei Liter eisgekühlte Coca-Cola, der anderen nichts. Nach weiteren drei Tagen haben wir in der nichts-Gruppe bereits Sterbefälle. Die Menschen in der Coca-Cola Gruppe sind gut genährt. Die Studie würde also ergeben, dass das Getränk nicht nur gesund, sondern auch lebensrettend ist. Und diese Tricks hat die Milchindustrie perfekt hinbekommen. Bei Studien braucht es also auch gesunden Menschenverstand. Die wirklich verlässlichen großen Studien zeigen, dass Milch unter anderem bei Osteoporose schadet. 

 

Milch ist also nicht nur nicht gesund, sondern macht tatsächlich sogar krank?

Milchprodukte machen den Großteil an tierischem Protein aus, das der Mensch zu sich nimmt. Oftmals tun sich auch Vegetarier nichts Gutes. Wenn sie aufhören Fleisch zu essen und dafür mehr Milchprodukte zu sich nehmen, schaden sie ihrer Gesundheit. Das ist meine Erfahrung in den guten 40 Jahren in denen ich als Arzt tätig bin.  Wenn ich Menschen eine pflanzlich, vollwertige Kost alla Peace Food gebe, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit am bei uns zweitgefährlichsten Krebs, dem Dickdarmkrebs, zu erkranken um 90 Prozent, wie Prof. Claus Leitzmann herausfand. Bei Brustkrebs sind es 50 Prozent, wenn auf Tierprotein verzichtet wird. 

 

Glauben Sie, dass die positive Werbung der Konzerne den Milchkonsum vorantreibt während gleichzeitig die Schattenseiten unter den Teppich gekehrt werden?

Ich plädiere darauf zu schauen, wie Studien entstanden sind und wer sie gemacht beziehungsweise finanziert hat. Die meisten Studien in Deutschland sind von der Pharma- oder Nahrungsmittelindustrie finanziert. Das ist nicht nur nullwertig, sondern auch schädlich. Bei entsprechenden Auftraggebern werden die Studien eben nicht veröffentlicht, wenn der Auftrag nicht erfüllt wird.

Wir müssen aber gar nicht auf die Industrie projizieren. Denn es wird nur verkauft, was der Konsument auch tatsächlich kauft. Und ich kann sicher sagen, dass Konzerne nicht von sich aus bösartig sind. Es sind Wirtschaftsgebilde mit dem Auftrag ihren Aktionären und Shareholdern Geld zu bringen – und das machen sie auch. Wenn wir dieses Zeug nicht mehr kaufen, weil wir es als Giftmüll durchschauen, dann werden sie das auch nicht mehr produzieren. Ich habe das mit Peace Food erlebt. Es wurde versucht zu torpedieren. In vielerlei Hinsicht geht es um Gefälligkeits-Journalismus. Es werden Anzeigen geschaltet und dann wird ein Artikel gedruckt. „Das Karussell“ auf ZDF hat diese Auftragsarbeiten auch aufgedeckt. Die Apothekerzeitschrift und viele weitere Magazine werden nie etwas veröffentlichen, um pharmaunabhängige Gesundheit voranzubringen. Selbst der deutsche Gesundheitsminister ist Bankkaufmann, aber auch Pharmalobbyist – war er schon vorher. Von ihm wird nie die Einschränkung der Antibiotikaorgien in den Ställen der Massentierzucht kommen, weil die Pharmaindustrie daran verdient. 

Wer durchblicken will, muss selbst denken und nicht projizieren, sondern in die Eigenverantwortung gehen! Ich habe über 50 Jahre kein Fleisch mehr gegessen und keine Milchprodukte oder Eier, weil ich es selbst entscheiden konnte. Mit dem Ergebnis bin ich heute sehr zufrieden. Beim 50-jährigen Maturatreffen wurde ich gefragt, welche Substanzen ich schlucke und was ich für meine Gesundheit tue. Meine allgemeine Antwort darauf ist, dass wir einfach aufhören müssen den industriellen Sondermüll zu schlucken – das ist der Hauptpunkt. Ich esse und lebe pflanzlich vollwertig alla Peace Food und bewege mich körperlich und geistig.

 

Sie haben in einem Ihrer YouTube Videos gesagt, dass wir durch den Ersatz von Milchprodukten weit mehr als nur Ersatz bekommen. Es gibt immer mehr Alternativen, die viele Menschen davon überzeugen, dass tierische Milch nicht lebensnotwendig ist. Meinen Sie damit, dass uns die pflanzlichen Alternativen allgemein besser mit Nährstoffen versorgen und vor Krankheiten schützen, oder steckt noch etwas anderes hinter dieser Aussage?

Ich habe natürlich auch Hintergedanken dabei. Anhand von Fleischersatz kann ich das deutlicher machen. Ich brauche das nicht und esse es nicht. Ich mochte Fleisch noch nie, aber für die Leute, die beispielsweise Leberwurst gerne gegessen haben, ist vegane Leberwurst eine gute Alternative. Da bin ich auch froh darüber. Wenn ich mir aber durchlese, welche Inhaltsstoffe nötig sind, damit der Ersatz auch wie Fleisch schmeckt, vergeht mir der Appetit völlig. Bei den Milchersatzprodukten ist das viel besser. Mandelmilch, Hafermilch oder Reismilch enthalten in der Regel nicht so viel Sondermüll, wie es oft bei Fleischersatz der Fall ist. Diese Alternativen sind verhältnismäßig gesund – oft. 

Wichtig ist aber, dass die Produkte auch schmecken. Denn nur wenn eine Ernährung schmeckt, hält man sie langfristig durch. Andernfalls hat das keinen Sinn. In Peace Food schreibe ich über die Begeisterung all dessen was ich aus der China Study entnahm und was mein Ernährungs-Weltbild heute ausmacht. Aber dann habe ich schnell gemerkt, dass nur durch Weglassen der Dinge, Essen nicht besser schmeckt. Danach habe ich angefangen Peace Food Kochbücher für alle möglichen Ernährungsgruppen zu schreiben – von vegan bis keto. Anschließend stellte ich aber fest, dass viele Leute so viel Zeit für Ernährung verbrauchten und nicht mehr so viel Zeit für andere, wesentlichere Dinge, wie Wachstum und Entwicklung, blieb. Wachstum ist nach der Adoleszenz schlecht auf der Körperebene, danach wird es leicht Tumorwachstum. Für Kinder und Jugendliche ist es körperlich gut und für uns alle ist es sozial, seelisch, geistig und spirituell wichtig – nicht nur das Wachstum, sondern auch die Bewusstseinserweiterung. Der nächste logische Schritt für mich war dann also „Peace Food: vegan einfach schnell“. 

Hinzu kamen die ganzen Nahrungsunverträglichkeiten, die auch nicht plötzlich wieder verschwinden. Und nicht alles, was vegan ist, ist deswegen auch gesund. Die Kost sollte also nicht nur pflanzlich, sondern auch vollwertig sein. Dann wurde mir klar, dass mir Gluten nicht guttut. Mein Darm hatte keine Probleme damit, aber mein Gehirn. Es funktioniert mit dem Weizenkleber nicht so gut. Dadurch entstand „Das Lebens-Energie Kochbuch: vegan und glutenfrei“. Darin ist viel Vitalkost, aber keinerlei Gluten. 

Aber nur 80 Prozent er Menschen profitieren davon, Gluten aus der Ernährung auszuschließen. Es gibt zudem einen merkbaren Prozentsatz an Leuten, die Dinge wie Quinoa, Amaranth oder Kartoffeln nicht vertragen. Man muss nur logisch überlegen. Anfang des 16. Jahrhunderts kamen die Kartoffeln zu uns nach Europa. Tomaten sogar noch später. Das ist eine kurze Zeitspanne und deshalb konnten sich nicht alle Menschen an die neuen Nahrungsmittel gewöhnen. Der Mensch hat es nicht einmal innerhalb von 12000 Jahren geschafft, sich an Laktose zu gewöhnen. 50 Prozent der Weltbevölkerung haben nicht genug Laktase, um den Milchzucker zu verdauen. Wir müssen schauen, was wir vertragen und was nicht. Dafür gibt es eine Diät nach Dr. Gundri, einem Chirurgen aus Palm Beach, bei der fast nichts erlaubt ist. Es funktioniert aber auch mit einer Fastenwoche als Gegenpol zum Essen. Nach dem Fasten werden dann nur einzelne Lebensmittel gegessen und ausgetestet. Sie können eines nach dem anderen dazu nehmen und werden immer sofort merken, ob es bekommt oder nicht, genauer beschrieben in Das große Peace Food-Buch: Heile Dich selbst und den Planeten (2019, Gräfe und Unzer). So sind meine Bücher mit mir und der Ernährungsszene gewachsen. 

 

Was möchten Sie den YOLO-Lesern mit auf den Weg geben?

Wir haben enorme Fortschritte gemacht in der Ernährungslehre. Diejenigen, die sich bewusst damit beschäftigen, können mit Ernährung nicht nur Genuss erleben, sondern damit auch Therapie bekommen. Im Bereich der Ernährungstherapie ist viel vorwärts gegangen, darüber freue mich sehr und ich versuche das Wissen so gut es geht zu verbreiten! 

Zum Schluss noch ein schönes Beispiel aus Dänemark. 1917 hat der Arzt Dr. Mikkel Hindhede die Regierung davon überzeugt, dass pflanzliche Nahrung günstig sein muss und Tierprotein teuer, wenn die Hungersnot im ersten Weltkrieg überstanden werden soll. Das Land hat es geschafft. 1918 kam dann die spanische Grippe über die Welt und Dänemark war das einzige Land, das keine erhöhte Sterblichkeit aufwies. Die Bevölkerung war damals noch auf pflanzlich, hochwertiger Kost, was wiederum beweist, wie sehr die richtige Ernährung unsere Gesundheit beeinflusst. Es wäre so einfach! Auch Dr. Bircher-Benner hat damals in der Schweiz durch seine Frischkost keine Patienten seiner Klinik an die Spanische Grippe verloren. Wir hätten viele Beispiele. Ich sehe das auch in meinem Umfeld – nicht nur, dass ich nicht mehr an Grippewellen teilnehme auch meine Mitarbeiter, die meine Philosophie integrieren leben damit so viel besser. Die Ernährung ist und bleibt ein zentrales Thema. Und Milchprodukte sind wiederum innerhalb der Ernährung ein Stolperstein, da sie bei Uninformierten als gesund gelten – doch das Gegenteil ist der Fall. 

Vielen Dank für das Interview, Herr Dahlke!

Milch ist zwar kalziumreich, entzieht dem Organismus aber unter dem Strich deutlich mehr Kalzium als sie ihm bringt. Das ist eine Art Heiratsschwindler-Politik.
Ganzheitsmediziner
Ruediger Dahlke

Über Ruediger Dahlke:

Dr. med. Ruediger Dahlke arbeitet seit 40 Jahren als Arzt, Autor und Seminarleiter. Mit Büchern von »Krankheit als Weg« bis »Krankheit als Symbol« begründete er seine ganzheitliche Psychosomatik, die bis in mythische und spirituelle Dimensionen reicht. Sein Ziel, ein Feld ansteckender Gesundheit aufzubauen, spiegelt sich in Büchern wie »Peace Food« und »Die Hollywood-Therapie« wieder, aber auch in der Verwirklichung des Seminarzentrums TamanGa in der Südsteiermark.


 

Artikeleckdaten:

  • Interview: 8.10.2021
  • Artikelerstellung: 16.12.2021

 

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