Frau mit blauem Shirt kratzt sich am Ellbogen.
16.04.2021

Der ganzheitliche Blick
auf Neurodermitis

Text: YOLO Online-Redaktion

Neurodermitis und vor allem die damit verbundenen Beschwerden schränken die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Meist wird sie vererbt, aber auch Ernährung und Psyche spielen eine große Rolle.

Neurodermitis ist eine schubartige und wiederkehrende Hauterkrankung. Besonders tückisch ist, dass sie sich bei jedem Betroffenen und je nach Alter unterschiedlich zeigt und verschiedene Beschwerden hervorruft. Sie kann zudem an unterschiedlichen Körperstellen auftreten und in verschiedenen Schweregraden vorkommen.

Generell sind bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestimmte Hautbereiche bevorzugt betroffen. Diese sind Augen- und Stirnbereich sowie im Bereich um den Mund, Hals beziehungsweise Nacken, der obere Brustbereich und Schultergürtel, Ellenbeugen, Kniekehlen, Handgelenke und Handrücken. Auf den Handflächen und Fußsohlen bilden sich manchmal ebenfalls juckende Ekzeme.

An den betroffenen Stellen ist die Haut trocken, gerötet und sehr leicht reizbar, dadurch entsteht auch der starke Juckreiz. Bei zu starkem Kratzen wird die Hautbarriere noch mehr geschädigt und Hautinfektionen werden begünstigt. Zudem kann das viele Kratzen mit der Zeit die Fingernägel abwetzen. Bis zum heutigen Tag ist Neurodermitis nicht heilbar. Durch eine ärztliche beziehungsweise fachliche Betreuung können aber die Beschwerden oftmals gelindert werden.

Bei Neurodermitis wird weniger Talg produziert und Betroffene schwitzen oft nicht so stark wie Menschen mit gesunder Haut. Dadurch kann das wenige Fett schlechter über die Körperoberfläche verteilt werden. Die Haut hat Probleme, die Feuchtigkeit zu speichern und trocknet schneller aus. Als Folge können Keime sowie chemische und mechanische Reizstoffe die Haut leichter passieren und zu Entzündungen führen. Der Säureschutzmantel der Haut ist bei Neurodermitis nicht intakt.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine Erkrankung des sogenannten atopischen Formenkreises, zu dem auch das allergische Asthma bronchiale, der allergische Schnupfen und die allergische Bindehautentzündung gehören. Die Atopie beschreibt die Veranlagung, auf eigentlich harmlose Einflüsse der Umwelt empfindlich zu reagieren. Bei der Neurodermitis reagiert die Haut, bei allergischem Schnupfen oder dem „Heuschnupfen“ reagiert die Nasenschleimhaut oder die Lungenschleimhaut, was zu allergischem Asthma führen kann. Eine Neurodermitis tritt daher oft zusammen mit einem allergischen Schnupfen und/oder mit einem allergischen Asthma auf.

Die Mehrheit der Betroffenen leidet zwar unter einer leichteren Form. Die Hauterkrankung selbst und die damit verbundenen Beschwerden, hier vor allem der oft sehr starke Juckreiz, können die Lebensqualität, die Schul- oder Arbeitsleistungen beeinträchtigen sowie zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld und in schweren Fällen bis hin zu psychiatrischen Erkrankungen führen.

Die Haut ist Spiegel der Seele

Der Zusammenhang zwischen Hautkrankheiten beziehungsweise Körper und Psyche lässt sich vermutlich durch Neuropeptide im Gehirn erklären, mutmaßen Wissenschafter. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, welche über die Nervenbahnen bis zu den Organen geleitet werden. Dort können sie Entzündungen hervorrufen oder verstärken und somit auch Hauterkrankungen. Bislang handelt es sich dabei aber lediglich um eine Vermutung, deren empirischer Beweis noch aussteht. Bewiesen ist hingegen, dass es einen solchen Zusammenhang zwischen Psyche und Haut gibt. Sie kann somit tatsächlich als eine Art Spiegel der Seele bezeichnet werden.

Dr. Ruediger Dahlke beschreibt in seinem Buch „Krankheit als Symbol“ eine ganzheitliche Psychosomatik. Er setzt vor allem auf die Verbindung der universellen Medizin mit einem ganzheitlichen Blick auf Körper, Geist und Seele. Für ihn sind Hautveränderungen beziehungsweise vor allem aber Hautausschläge auf innere Konflikte zurückzuführen. Weitere mögliche Warnsignale der Haut seien zum Beispiel Akne, Herpes, Kontaktekzem und Allergien. Für ihn ist klar, dass der innere Konflikt oder alte und ungelöste Traumata, die oft unbewusst sind, an die Oberfläche dringen, um sich dadurch sichtbar zu machen. Deshalb empfiehlt er als Lösung, das Problem nicht rein von außen zu behandeln, sondern in sein Inneres zu blicken und die Grenzen zu öffnen. Auch angestaute Wut und Aggressionen sollen angenommen und akzeptiert werden. Die Befreiung des Unbewussten ist ein essenzieller Punkt zu einer ganzheitlichen Gesundheit. Weitere psychische Faktoren können auch eine Überreaktion auf Konflikte in der Partnerschaft, Stress im Job oder ein gespaltenes Verhältnis zu Bezugspersonen sein.

Ursache von Neurodermitis noch nicht geklärt

Dass sich die Zahlen der Betroffenen im Gegensatz zu früheren Generationen so stark erhöht haben, wird vor allem den Veränderungen der allgemeinen Lebensbedingungen wie zum Beispiel eine zu hygienische Lebensweise zugeschrieben, ist aber noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Kinder kommen dadurch viel weniger mit harmlosen Umwelteinflüssen, Bakterien oder anderen Stoffen in Kontakt und entwickeln häufiger Allergien.

Außerdem ist eine erbliche Veranlagung ausschlaggebend. Das Risiko, dass ein Kind Neurodermitis entwickelt, ist um etwa 20 Prozent erhöht, wenn bereits ein Geschwister unter dieser oder einer anderen allergischen Erkrankung leidet. Sind beide Elternteile betroffen, liegt das Risiko einer Erkrankung sogar bei 60 bis 80 Prozent.

Ernährungseinfluss bei Neurodermitis – Fakt oder Mythos? 

Bei kaum einer anderen allergischen Erkrankung wird so oft ein Zusammenhang mit Nahrungsmitteln vermutet wie bei Neurodermitis. Interessanterweise hängt eine Nahrungsmittelallergie auch mit einer gestörten Hautbarriere zusammen, da über den Hautkontakt die meisten Sensibilisierungen entstehen. Je größer die beschädigten Hautareale sind, desto mehr Sensibilisierungen werden nachgewiesen. Eine Sensibilisierung macht aber noch keine Allergie. Liegt eine solche vor, kann das Lebensmittel auch mal Bestandteil eines Gerichtes sein. Es sollte lediglich vermieden werden.

Wenn ein Zusammenhang zu Nahrungsmitteln vermutet wird, kann aufgrund des Alters des Betroffenen auf die möglichen Auslöser geschlossen werden. Im Säuglings- und Kleinkindalter kann ein Allergietest auf Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Erdnuss und/oder Haselnuss hilfreich sein. Bei Jugendlichen und im Erwachsenenalter spielen die pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien, die sogenannten Kreuzallergien, eine große Rolle. Dies sind Reaktionen auf zum Beispiel rohes Stein- und Kernobst oder Nüsse, deren eigentlicher Ursprung in einer bestehenden Pollenallergie liegt. Sie verschlechtern bei rund 50 Prozent der Betroffenen das Hautbild, teils auch, wenn keine typischen Heuschnupfensymptome vorliegen. Da jeder Betroffene unterschiedlich auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert, gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Was dem einen hilft, kann dem anderen noch mehr Beschwerden bringen.

Auf der Liste der verdächtigen Nahrungsmittel stehen:

  • Milch-, Hühner- und Sojaprotein
  • Weizenprodukte und manchmal auch andere Getreidesorten
  • Nüsse
  • Obstsorten wie etwa Äpfel, Pfirsiche, Bananen, Birnen
  • Fisch
  • Fleisch, insbesondere Schweinefleisch
  • Gemüsesorten wie Kartoffeln, Sellerie, Karotten, Sojabohnen, Tomaten
  • Fertigprodukte
  • Histaminreiche Lebensmittel wie Fisch, Käse, Sauerkraut, Tomaten und Wein
  • Erdbeeren, Zitrusfrüchte und Schokolade

Folgende Nahrungsmittel lösen hingegen selten Allergien aus:

  • Reis
  • Lamm und Pute
  • Karfiol, Gurke, Brokkoli
  • Raffiniertes Pflanzenöl und milchfreie Margarine
  • Mineralwasser, schwarzer Tee
  • Salz und Zucker

Tipps und Hausmittel gegen Neurodermitis

Hautpflege

Da die Haut oft sehr trocken, besonders empfindlich und häufig rissig und schuppig ist, erhöht sich das Risiko für Entzündungen und verursacht Juckreiz und Brennen. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist die tägliche Pflege der Haut. Aber auch hier müssen Betroffene darauf achten, nicht nur natürliche Inhaltstoffen den Vorzug zu geben, sondern auch auf eventuelle allergische Reaktionen zu achten.

Hautreinigung

Ebenso bei der Reinigung sollten pH-neutrale oder leicht saure medizinische Seifen, sogenannte Syndets verwendet werden. Viele Hautärzte empfehlen zum Reinigen auch rückfettende, medizinische Ölbäder. Wichtig ist außerdem, dass Betroffene nicht zu heiß baden oder duschen, denn das kann die Haut reizen und weiter austrocknen. Außerdem sollte man sich hinterher beim Abtrocknen der Haut nicht zu stark oder schnell rubbeln. Lieber behutsam abtupfen.

Komplementäre Heilmethoden

Als hilfreich gelten Pflanzenöle wie Arganöl. Zu den Inhaltsstoffen von Arganöl zählt unter anderem Linolsäure. Diese Omega-6-Fettsäure ist ein wichtiger Bestandteil der Haut. Weitere wertvolle Pflanzenöle sind etwa Nachtkerzenöl, Schwarzkümmelöl und Borretschsamenöl. Sie liefern viel Gamma-Linolensäure. Diese Omega-6-Fettsäure kann bei atopischen Ekzemen entzündungshemmend wirken. Manche Patienten unterstützen ihre Haut mit Aloe vera, da die Pflanze der Haut Feuchtigkeit spenden und ihre Regeneration fördern soll. Außerdem soll sie keimwidrige und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen.

Hausmittel

Kamillenblüte

Hausmittel sind zum Beispiel kühle, feuchte Umschläge (mit Wasser) gegen den Juckreiz. Es können auch Umschläge mit Kamillenblüten helfen. Die Heilpflanze wirkt entzündungshemmend.

Haferstroh

Eine Hilfe können auch Vollbäder mit einem Auszug aus Haferstroh darstellen. Die enthaltene Kieselsäure fördert die Wundheilung. Die enthaltenen Flavonoide steigern die Durchblutung. Das kann die lokale Immunabwehr stärken.

Apfelessig

Apfelessig ist schon lange als Hausmittel gegen Neurodermitis bekannt und wird von vielen Betroffenen weiterempfohlen. Er wirkt durch die während der Gärprozesse entstandenen Substanzen entzündungshemmend und desinfizierend. Dadurch wird der Juckreiz eingedämmt und der ph-Wert der Haut ins Gleichgewicht gebracht.

Olivenöl

Speziell die Fettsäuren in hochwertigem Olivenöl machen es zu einem wertvollen Hautpflegeöl. Es pflegt die Haut und schützt vor einem Feuchtigkeitsverlust.

Joghurt, Quark und Milch

Die Milchsäuren in den Milchprodukten spenden der Haut Feuchtigkeit und fetten diese nachhaltig. Zudem lindern kalte Hautmasken aus Joghurt und Quark den Juckreiz und wirken dazu noch entzündungshemmend. Die milden Substanzen sind ideal für Neurodermitis im Gesicht.

Das sollten Sie bei Neurodermitis vermeiden

  • Mechanische Reizung: durch bestimmte Textilien, Schwitzen, falsche Hautreinigung, bestimmte berufliche Tätigkeiten (feuchtes Milieu, stark verschmutzende Tätigkeiten) und Tabakrauch
  • Allergene in der Luft: Hausstaubmilben, Tierhaare, Federn und Pollen
  • Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Viren, wie einen grippalen Infekt oder Blasenentzündung
  • klimatische Faktoren: wie extreme Kälte und/oder Trockenheit. Zum Beispiel eine trockene Heizungsluft oder auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum.
  • psychische und emotionale Faktoren: Auch Konflikte und eine unausgeglichene Lebensweise können verstärkend wirken
  • Allergene in Nahrungsmitteln: bei Kindern oftmals Milch, Ei, Soja, Weizen, Haselnuss, Erdnuss und Fisch. Bei Erwachsenen sind dies häufiger (Roh-)Obst, Gemüse und Nüsse.

Die Psyche zeigt sich auch auf der Haut

Es lohnt sich seine eigene Haut besser kennenzulernen, den Blick zu schärfen, achtsamer zu sein und bei Veränderungen nicht nur den physischen Gesundheitszustand, sondern auch den psychischen zu hinterfragen. Zu den Veränderungen gehören unreine Haut, Spannungsgefühle, Rötungen, Ausschläge, Schwellungen, Farbveränderungen, Juckreiz, Haarausfall oder schlichtweg alles, was Ihnen nicht „normal“ erscheint. In jedem Fall zielführend ist es, jegliche Hautkrankheiten auch auf der seelischen Ebene zu behandeln, da sie das Wohlbefinden oder Selbstbewusstsein der betroffenen Person negativ beeinflussen können und der Ursprung oftmals psychisch zugrunde liegt. Stress, Konflikte und andere Belastungen im Leben zu reduzieren, ist immer eine gute Idee – der psychischen und physischen Gesundheit zuliebe.

Übrigens: In unserer YOLO-Ausgabe, die am 4. Juni 2021 erscheint, widmen wir uns in einem umfangreichen Artikel dem Thema Neurodermitis und nehmen ganzheitliche Behandlungsmethoden genauer unter die Lupe. Sie können die Ausgabe hier vorbestellen.


Quellen:

  • Fritsch, P., 2004, Springer Verlag, Dermatologie und Venerologie
  • Werfel, T., et al., 2011, Springer Verlag, Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis
  • Dahlke, R., 2014, C. Bertelsmann, Krankheit als Symbol

Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 16.4.2021
  • Update: 27.5.2021

 

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