Frau mit kurzen lockigen Haaren in der Natur, selbstbewusster Blick, natürliches Aussehen
22.01.2021

Gesunde Haut: Natur pur für
ein strahlendes Aussehen

Text: Ursula Mitteregger

Naturkosmetik ist gegenüber synthetisch hergestellten Produkten oft vorteilhaft. Wie ist es eigentlich möglich, dass unsere Haut einerseits Wirkstoffe aufnehmen kann, uns andererseits auch wirkungsvoll gegenüber ungewollten Umwelteinflüssen abschirmt? Anhand der Funktionsweise wird deutlich, worauf Sie beim Kauf von Kosmetikprodukten achten sollten.

Die Haut – unser größtes Organ?

Die Haut eines Erwachsenen misst rund eineinhalb bis zwei Quadratmeter, besteht aus bis zu 110 Milliarden Hautzellen und macht etwa 16 Prozent des Körpergewichts aus. Mithilfe unserer Haut können wir Hitze, Kälte und Berührung wahrnehmen. Sie gilt daher auch als größtes Sinnesorgan. Interessant ist, dass Faszienforscher neuerdings auch die Faszien, also das Bindegewebe unter der Haut, als das größte Sinnesorgan des Menschen bezeichnen. Das kommt daher, dass die Haut mit einer Dicke von einem bis zwei Millimetern von dreieinhalb bis zehn Kilogramm wiegen kann, hingegen die Faszien im Körper zwischen 18 und 23 Kilogramm ausmachen. Wichtig an dieser Stelle ist jedoch zu erwähnen, dass der Körper immer als Einheit zu verstehen ist. So ist die unterste der drei Haupt-Hautschichten mit der mittleren Schicht, der Lederhaut, über starke Bindegewebsstränge verbunden, wodurch sie auch mit darunter liegenden Strukturen (Sehnen, Faszien oder Knochenhaut) vernetzt ist. Das eine, also die Haut, vom anderen, dem Bindegewebe, abzugrenzen und den Anspruch zu erheben, „der Größte“ zu sein, macht demnach wenig Sinn. Denn auch bei der Haut zeigt sich einmal mehr: Alles ist mit allem verbunden. Eine getrennte Betrachtung macht aus dem Blickwinkel der Funktionalität wenig Sinn, da jeweils das eine ohne dem anderen nicht richtig funktionieren kann.

In unserem Artikel „Hautpflege: Wie Naturkosmetik die Haut entspannt“ haben Sie bereits mehr über die drei Haupt-Hautschichten, die Unterhaut (Subcutis), Lederhaut (Dermis) und Oberhaut (Epidermis), erfahren. Dermis und Epidermis werden zusammen auch als die Cutis bezeichnet. Um zu verstehen, wie die Haut Pflegestoffe aus der Kosmetik aufnehmen kann beziehungsweise wo und wie sie wirken, ist vor allem die äußerste Hautschicht, die Oberhaut, interessant.

Epidermis: Der Ort, wo Kosmetikprodukte vorrangig wirken

Die Oberhaut ist jene Schicht, die uns nach außen hin abgrenzt. Sie bewahrt uns vor schädlichen Umwelteinflüssen wie Verschmutzungen der Luft, gesundheitsgefährdende Substanzen, zu viel Sonnenlicht et cetera. In der Oberhaut wirken Kosmetikprodukte primär. Sie besitzt selbst keine Blutgefäße und wird daher durch die darunter liegende Lederhaut mitversorgt, denn diese ist gut durchblutet und von Nerven und Lymphbahnen durchzogen.

Die Oberhaut alleine besteht wiederum aus mehreren Schichten. Sie wird grob in eine oberflächliche Hornschicht (Stratum corneum) und eine unverhornte tiefe Keimschicht unterteilt. Die Keimschicht besteht wiederum aus der Basalschicht (Stratum basale), Stachelzellenschicht (Stratum spinosum), Körnerzellenschicht (Stratum granulosum) und Glanzzellschicht (Stratum lucidum).

Die unterste Schicht der Epidermis, die Basalschicht, ist der Lederhaut am nächsten. Sie weist lebende Basalzellen auf, die durch Zellteilung laufend neue Tochterzellen, sogenannte Keratinozyten, bilden. Die Basalzellen schieben die Keratinozyten mit der Zeit nach oben Richtung Hautoberfläche und verhornen dabei zunehmend. Der Zellkern bildet sich auf dem Weg nach oben nach und nach zurück, die Zellen büßen damit sozusagen ihre Lebendigkeit ein und verhornen schließlich. Dennoch ist die Hornschicht nicht „tot“ im eigentlichen Sinne, sondern bestimmte Enzyme ermöglichen immer noch gewisse Stoffwechselaktivitäten. Zusammengefasst funktioniert so der Erneuerungsprozess unserer Haut – stark vereinfacht dargestellt. Wollen Sie an dieser Stelle mehr in das Wunderwerk „Haut“ eintauchen, können wir Ihnen das Buch von Heike Käser „Naturkosmetik selber machen – Das Handbuch“, 2019 erschienen im Freya Verlag, Linz, sehr empfehlen. Sie hat sich im Rahmen der Naturkosmetik ganz genau mit dem Wunderwerk Haut befasst und geht fachlich sehr in die Tiefe, um die Haut in ihrer Essenz zu verstehen. 

Die Funktionen der Haut…

Eine gesunde Hornschicht stellt eine wirkungsvolle Barriere dar, den Körper vor unerwünschten Eindringlingen, aber auch vor übermäßigem Wasserverlust zu bewahren. Während in der aktuellen Hautforschung diskutiert wird, welche Wege der Wirkstoffaufnahme der Haut zur Verfügung stehen und welcher davon der vorrangige ist, gilt der Mechanismus dahinter, wie denn die Wirkstoffe grundsätzlich in die Haut gelangen können als gesichert, nämlich durch Diffusion – beziehungsweise noch genauer betrachtet durch Osmose.

Das Wort Diffusion leitet sich aus dem Lateinischen für „diffundere“ ab, was so viel wie „ausbreiten, zerstreuen“ bedeutet. Im Wesentlichen funktioniert der Mechanismus so, dass es dabei zu einer Durchmischung von Stoffen kommt, wobei kein konkreter Auslöser benötigt wird, sondern lediglich ein unterschiedliches Konzentrationsgefälle vorliegen muss. Bei der Diffusion gelangen Teilchen vom Ort einer höheren Konzentration zu einem Ort, wo eine niedrigere Konzentration vorherrscht, und durchmischen sich dort mit den vorhandenen Teilchen. Sie können sich das wie bei einem Fenster vorstellen, das sie im Winter öffnen. Ganz von selbst strömt dann die kalte Luft von draußen herein und vermischt sich im Inneren mit der warmen Raumluft.

Umgemünzt auf die Haut bedeutet also Diffusion, dass ein von außen aufgetragener Wirkstoff in einer höheren Konzentration vorliegt als im Milieu der Haut. So werden die Wirkstoffe aus beispielsweise einer Creme automatisch von der Haut aufgenommen, solange, bis ein Konzentrationsgleichgewicht innen und außen erreicht ist. Geschieht nun die Diffusion durch eine halbdurchlässige (= semipermeable) Membran (so wie es bei der Haut der Fall ist), spricht man von Osmose.

Die Durchlässigkeit der Hornschicht und die Aufnahme der Wirkstoffe kann mit verschiedenen Mitteln beeinflusst werden. Einerseits ist das für die Kosmetikindustrie, andererseits aber vor allem für die Dermatologie ein wichtiges Forschungsfeld. Für medizinische Salben kann es nämlich von hoher Bedeutung sein, tiefer oder weniger tief in die Haut eindringen zu können, um eine gewünschte Wirkung zu entfalten.

…als Basis für gute Hautpflegeprodukte

Die Grundlage guter Hautpflegeprodukte sollte nun das Ziel darstellen, die natürliche Funktion der Haut, also die naturgegebene Durchlässigkeit und Schutzfunktion aufrechtzuerhalten beziehungsweise ausgleichend zu unterstützen, wenn die Selbstregulierung überfordert ist. Naturkosmetik kann zu synthetisch hergestellter Kosmetik diesbezüglich im Vorteil sein, denn durch die hohe Qualität der verwendeten Inhaltsstoffe sind Naturkosmetikprodukte häufig hautfreundlicher und dadurch verträglicher als andere. Außerdem haben sie eine ihnen zugrunde liegende regenerative Wirkung. Die natürlichen Inhaltstoffe kurbeln die naturgegebene Funktion der Haut automatisch an.

Der Trend geht klar zur Naturkosmetik…

Der Markt für Naturkosmetik befindet sich im Aufwind: Nach Beobachtungen der Deutschen Industriebank IKB ist der Trend hin zum nachhaltigen Konsum auch in der Kosmetikbranche erkennbar. Die Naturkosmetikbranche macht demnach aktuell bereits mehr als zehn Prozent des gesamten Kosmetikmarkts aus. Im Jahr 2018 erreichte dieser in Deutschland ein Gesamtvolumen von rund 17 Milliarden Euro. Nach Einschätzung der Deutschen Industriebank IKB wird er bis zum Jahr 2022 auf 18,7 Milliarden Euro anwachsen.[1] Diesen Aufwärtstrend bestätigt auch der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel, der im Jahr 2019 für Haut- und Gesichtspflegeprodukte einen Umsatz von 3,3 Millionen Euro in Deutschland eruierte. Seit dem Jahr 2014 erfährt der Markt eine durchschnittliche Zuwachsrate von drei Prozent pro Jahr.[2]

…und zum Selberherstellen natürlicher Hautpflege

Generell treffen Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen voll den Puls unserer Zeit. Laut IKB werden verstärkt Produkte auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe nachgefragt. Schließlich wird immer mehr klar, dass wir mit unseren ökologischen Ressourcen gut haushalten müssen, um unsere Erde auch in zukünftig am Leben zu erhalten. Das macht auch Lust aufs Selbermachen. Immerhin wissen Sie dann auch ganz genau, was in Ihrer Kosmetik alles drinnen ist. Probieren Sie doch unsere Naturkosmetik-Tipps zum Selbermachen aus oder vertiefen Sie sich in unseren unten angegebenen Quellen für Naturkosmetik. Beim Kauf von Naturkosmetikprodukten sollten Sie jedenfalls auf die Zertifizierung achten. Eine Auflistung der wichtigsten Naturkosmetik-Siegel stellt das Nachhaltigkeitsportal Utopia zur Verfügung.

Rundum gesunde Haut mit der richtigen Pflege

Egal ob die Haut nun wirklich das größte Organ im menschlichen Körper ist oder nicht, auf jeden Fall ist sie unser Schutzschild nach außen. Zusätzlich hat sie unzählige Funktionen beziehungsweise Einflüsse auf unseren gesamten Organismus. Wir können – und vielmehr noch sollten wir sogar – die Chance wahrnehmen, sie mit der richtigen Pflege zu unterstützen, damit sie ihren Aufgaben bestmöglich nachkommen kann. Ein frisches Aussehen gibt’s obendrein dazu. Achten Sie deshalb auf eine konsequente und tägliche Hautpflege, am besten mit Produkten aus der Natur. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel „Wie Naturkosmetik die Haut entspannt“.

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Fußnoten:

[1] Vgl. Deutsche Industriebank, Beauty- und Körperpflege: Aktuelle Markttrends, https://www.ikb-blog.de/beauty-und-koerperpflege-aktuelle-markttrends/, Abfrage vom 03.12.2020, 13:43 Uhr

[2] Vgl. IKW, Schönheitspflegemittel, https://www.ikw.org/ikw/der-ikw/fakten-zahlen/marktzahlen/, Abfrage vom 03.12.2020, 13:36 Uhr


Quellen:


 

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