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05.11.2020

Hautpflege: Wie Naturkosmetik
die Haut entspannt

Text: Ursula Mitteregger

Wie viel Pflege braucht die Haut? Eine gesunde, schöne Haut gilt als Symbol für Jugendlichkeit und Attraktivität. Neben unserem Lebensstil spielt dabei auch die Pflege eine wichtige Rolle. Wir gehen der Frage nach, wie viel Pflege für die Haut tatsächlich nötig ist und wie Sie mit Naturkosmetik Ihre Hautgesundheit unterstützen können.

Die Haut ist in Schichten aufgebaut

Unsere Haut besteht grob betrachtet aus drei Schichten:

  1. Oberhaut (Epidermis)

  2. Lederhaut (Dermis, Corium)

  3. Unterhaut (Subcutis)

Die Oberhaut setzt sich aus fünf Schichten zusammen: der Hornschicht, Glanzschicht, Körnerzellschicht, Stachelzellschicht und Basalzellschicht. Sie bestehen allesamt hauptsächlich aus Kreatinozyten, die wasserabweisende Eiweißverbindungen (Keratin) erzeugen.

In den beiden unteren Schichten der Oberhaut produzieren die sogenannten Melanozyten das Farbpigment Melanin. Es bestimmt unsere Hautfarbe. Je mehr Melanin unsere Haut aufweist, desto dunkler ist sie. Dass unsere Haut durch die Einstrahlung von Sonnenlicht bräunlich wird, liegt genau daran, denn die Farbpigmente bieten einen natürlichen Schutz gegen zu viel UV-Strahlung und schützen auch davor, dass die Strahlen in noch tiefer liegende Hautschichten vordringen. Wie Sie vorzeitiger Hautalterung durch zuviel UV-Strahlung entgegenwirken können, lesen Sie in unserem Artikel „Hautalterung stoppen: Diese Methoden helfen wirklich“.

Die Lederhaut dient hauptsächlich als Stütz- und Nährgewebe und ist aus zwei Schichten aufgebaut: der Papillarschicht (auch Papillen- oder Zapfenschicht genannt) und der Netzschicht. Erstere ist von feinen Blut- und Lymphgefäßen sowie Nervenbahnen, Talg- und Schweißdrüsen durchzogen. Sie ist mit der Oberhaut durch Zapfen (Papillen) verbunden, was unsere Haut reißfest macht. In der Netzschicht befinden sich kollagene und elastische Fasern, die unsere Haut elastisch, zugfest und widerstandsfähig machen.

Die Unterhaut besteht aus geschlossenen Bindegewebskammern und speichert in erster Linie Wasser und Fett. Sie ist mit der Lederhaut über starke Bindegewebsstränge verbunden. Dadurch ist sie auch mit darunter liegenden Strukturen, wie zum Beispiel Sehnen, Faszien oder Knochenhaut, verbunden. Mehr zum Wunderwerk Haut lesen Sie in unserem Artikel "Gesunde Haut: Natur pur für ein strahlendes Aussehen".

Hautpflege erledigt der Körper selbst

Grundsätzlich ist unsere Haut so aufgebaut, dass sie keine explizite Reinigung benötigen würde. Pflege und Eigenschutz produziert sie sich selbst aus einer Mischung aus Fett, Eiweiß, Schweiß, Wachsen und Salzen. Diese Mixtur wird auch als Hydrolipidfilm bezeichnet und überzieht die gesamte Hautoberfläche. Er ist für eine gesunde Haut essenziell, denn er steuert die Eigenfettregulation und erhält die Feuchtigkeit der Haut.

Braucht unsere Haut also unbedingt noch Pflege von außen? Das kommt ganz darauf an, welche Lebensweise wir haben und in welcher Umgebung wir uns befinden. Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, die Luftqualität sowie das Ausmaß an Sonneneinstrahlung sind ausschlaggebend dafür, in welchem Umfang unsere Haut Unterstützung bei der Regeneration braucht. 

Naturkosmetik: Eine gute Alternative zur herkömmlichen Hautpflege?

Kosmetik mit natürlichen Inhaltsstoffen trifft den Puls unserer Zeit und liegt voll im Trend. Die Tatsache, dass dabei die Pflege direkt aus der Natur kommt, legt den Schluss nahe, dass Naturkosmetik im Gegensatz zu synthetisch erzeugten Pflegeprodukten verträglicher sein könnte. Das kann sein, muss aber nicht! Ob ein Inhaltsstoff vertragen wird oder nicht, ist grundsätzlich individuell. Natürliche Substanzen können genauso Unverträglichkeiten hervorrufen wie klinisch erprobte Pflegemittel. Ein Merkmal, das aber in der Tat ein Nachteil von Naturkosmetik sein kann, ist die kürzere Haltbarkeit, da auf synthetische Konservierungsstoffe verzichtet wird. Daher sind bei naturbelassenen Pflegeprodukten generell kleine Tuben oder Tiegel sinnvoll, die verhältnismäßig rasch aufgebraucht werden können.

Bei der Entnahme von Naturkosmetik achten Sie ganz besonders darauf, dass ihre Finger sauber sind, denn durch die Naturbelassenheit sind diese Produkte anfälliger für etwaigen Keimbefall. Alternativ können Sie die Creme auch mit einer Spatel entnehmen. Beim Kauf von Naturkosmetika achten Sie außerdem, dass die Tuben nur kleine Öffnungen haben. Auch das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass das Produkt an Qualität bei der Entnahme verliert bzw. verunreinigt wird. Darüber hinaus sollten Sie die richtige Lagerung der Produkte berücksichtigen. Kühlere Raumtemperaturen von 18 bis 20 Grad eignen sich besser als wärmere. Sollten sich Geruch, Farbe oder Konsistenz des Produkts verändert haben, sollten Sie es – ganz gleich ob Naturprodukt oder nicht – über den Hausmüll entsorgen.

Schlagzeilen, ein steigendes Umweltbewusstsein, Studien zu schädigenden Inhaltsstoffen oder auch die Thematisierung von Mikroplastik in Kosmetikartikeln haben zum Umdenken der Konsumenten geführt. Weniger Chemie im Badezimmer, das ist vielen Menschen bei Pflegeprodukten wichtig. Naturkosmetik ist im Vormarsch! Doch was kann sie eigentlich und ist sie wirklich die bessere Kosmetik? Und warum gibt es immer noch so viele schwarze Schafe im grünen Business? YOLO hat im Interview mit Dr. Henrike Neuhoff, CSO von Laverana, einen Einblick in die viel zu unterschätzte Welt der Naturkosmetik bekommen und das blütenreine Image der Branche, sowie die Inhaltsstoffe unter die Lupe genommen. Den Beitrag dazu finden Sie in der neuen YOLO Printausgabe, die am 15. Oktober 2021 erscheint. 

Naturkosmetik setzt sich aus natürlichen Inhaltsstoffen zusammen und kann sogar selbst hergestellt werden.
Naturkosmetik setzt sich aus natürlichen Inhaltsstoffen zusammen und kann sogar selbst hergestellt werden.

Öle: In der Naturkosmetik besonders beliebt und wirksam

Öle enthalten ausschließlich fettlösliche Substanzen und werden daher auch als „einphasige Systeme“ bezeichnet. Sie sind für die Haut deshalb besonders pflegend, weil sie die Hautoberfläche „versiegeln“. Das bewirkt, dass Feuchtigkeit und Lipide in der Haut gehalten werden und der Feuchtigkeitsverlust vermindert wird. Manche Bestandteile der Öle, meist mehrfach ungesättigte Fettsäuren, durchdringen die Oberhaut und können dort die Zusammensetzung der Lipide positiv beeinflussen.

Öle erschweren aber andersrum auch das Ausscheiden von Substanzen aus dem Inneren. Je nachdem, welchen Hauttyp Sie haben, kann das für die Haut vorteilhaft sein – oder auch nicht. Für fettige Haut und Mischhaut sind Öle nicht so gut geeignet, da diese Haut mehr Ausscheidungsbedarf hat als zum Beispiel trockene. Für eine leichte Gesichtspflege eignen sich besonders gut:

Jojobaöl – ein Allrounder für viele Hauttypen

Jojobaöl verstopft die Poren nicht, daher ist es für viele unterschiedliche Hauttypen empfehlenswert: für unreine und leicht fettige Haut, aber auch für trockene und sehr empfindliche Haut. Für die Naturkosmetik ist Jojobaöl besonders gut geeignet, da es geruchsneutral ist.

Kamelienöl – beliebter Pflege-Hit aus Japan

Kamelienöl wird vor allem in Japan für die Hautpflege sehr gerne verwendet. Dabei werden die Samen des grünen Tees, die einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren haben, als Basis für Öle verwendet. Es zieht schnell in die Haut ein und entfaltet vor allem in den tiefen Hautschichten seine Wirkung, die von feuchtigkeitsspenden und antioxidativ bis entzündungshemmend reicht.

Reiskeimöl – Hautpflege auf Asiatisch

Das Reiskeimöl ist auch unter „Reiskleieöl“ bekannt und besonders gut für sensible Haut geeignet. Es hat eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung und wird daher gerne als Anti-Aging-Mittel eingesetzt.

Hanföl – Revival der Hanfpflanze auch in der Kosmetik

Hanf erfreut sich mit seinen positiven Eigenschaften auch in der Kosmetik steigender Beliebtheit. Hanf weist ein ideales Verhältnis an Omega-Fettsäuren auf, das dem der natürlichen Fettsäuren der Haut sehr ähnelt. Seine regenerative und hautaufbauende Wirkung macht es vor allem für trockene Haut zum optimalen Pflegewirkstoff. Bei Hanföl sollten Sie darauf achten, dass im Öl das Vollspektrum der Pflanze enthalten ist. Warum das so ist, das erklären wir in unserem Artikel „Superpflanze Hanf: 9 Fakten, die Sie überraschen werden“. Hochwertiges Hanföl bekommen Sie zum Beispiel bei BioBloom.

Öle in der Naturkosmetik: Darauf sollten Sie achten

  • Fügen Sie in Ihr Naturkosmetik-Öl Vitamin E zu. Es verhindert, dass das Öl oxidiert und dadurch seine Wirkstoffe verringert werden.
  • Verwenden Sie ausschließlich kaltgepresste, naturbelassene Öle in Bio-Qualität. Damit ist gewährleistet, dass sämtliche Wirkstoffe des Öls enthalten sind, es frei von Zusatzstoffen ist und nicht mit anderen preisgünstigeren Ölen gestreckt wurde. Eine Empfehlung können wir diesbezüglich für die EDEL Naturwaren aussprechen, da diese Öle aus zertifizierten Bio-Anbau stammen.
  • Pflanzenöle sind nur begrenzt haltbar. Achten Sie auf eine kühle und dunkle Lagerung. Bevor Sie ein angebrochenes Öl verwenden, riechen Sie daran. Ein ranzig riechendes Öl sollten Sie immer durch ein neues austauschen.

Naturkosmetik selber machen

Sie wollen selbst den Kosmetiklöffel schwingen und sich ihre Creme in Eigenregie anrühren? So manche Verfahren, wie zum Beispiel das der Seifenherstellung, benötigt einiges an Know-how, um das beste Ergebnis zu erzielen. Im Buch „Naturkosmetik aus Kräutern im Jahresverlauf“ (erschienen im Leopold Stocker Verlag) gibt Justine Strupp wertvolle Tipps und Hinweise zur Herstellung von natürlichen Seifen, Salben, Tinkturen und vieles mehr.

Bei selbst hergestellter Kosmetik sollten Sie jedenfalls beachten, dass:

  • Sie frische Rohstoffe verwenden

  • Sie in Ruhe arbeiten können

  • Sie sorgfältig und sauber arbeiten (sämtliches Werkzeug immer gut desinfizieren!)

  • Sie die Produkte ihren Bedürfnissen entsprechend lagern

  • Sie Cremen stets mit einer Spatel entnehmen

Hautpflege: So natürlich wie möglich und so viel wie nötig

Die Haut verfügt über ein eigenes Schutz- und Pflegesystem. Unsere moderne Lebensweise sowie Umwelteinflüsse machen es aber nötig, dass wir unsere Haut bei Ihrer Regeneration unterstützen sollten, um uns an einem gesunden Hautbild erfreuen zu können. Wer hier auf synthetisch hergestellte Produkte verzichten möchte, kann auf Naturkosmetika zurückgreifen. Bei der eigenen Herstellung ist Hygiene das oberste Gebot.

Zum Selbermachen und -verwöhnen haben wir hier zwei Empfehlungen für Sie, die sich verhältnismäßig einfach umsetzen lassen.

Heilerde Entspannungsmaske

Sie benötigen:

  • 15 Gramm Heilerde

  • 15 Gramm Mandeln

  • 15 Gramm Haferflocken

  • 30 ml Wasser

 

So geht’s:

  • Hafer und Mandeln mörsern. 

  • Mit der Heilerde und dem Wasser zu einer cremigen Masse verrühren.

  • Die Maske aufs Gesicht auftragen, antrocknen lassen und mit warmem Wasser abspülen.

 

Zusätzlicher Verwöhn-Tipp:

Der Masse aufgekochte Rosenblätter untermischen. Das sorgt für einen angenehmen Duft und zusätzliche Entspannung.

 

Das bringt’s:

Als Heilerde werden Tonerden bezeichnet, die zertifiziert sind und bei denen eine gesundheitliche Wirkung belegt werden konnte. Tonerden stammen aus der letzten Eiszeit und enthalten viele Mineralstoffe und Spurenelemente, die entzündungshemmend, klärend und entfettend wirken und damit die Haut bei der Regeneration umfassend unterstützen. 

Aus dem Buch „Naturkosmetik aus Kräutern im Jahresverlauf“ von Justine Strupp, erschienen im Leopold Stocker Verlag, Graz 2019

Entspannende Gesichtscreme mit Mandel- und Lavendelöl

Sie benötigen:

  • 2 EL Kokosfett

  • 1 EL Sheabutter

  • 2 EL Bienenwachs-Pellets

  • 30 ml Mandelöl

  • 1 Teelöffel Sonnenblumenöl

  • 4 Tropfen Lavendelöl

 

So geht’s:

  • Kokosfett, Sheabutter und Bienenwachs-Pellets in eine Schüssel geben und im Wasserbad erhitzen. Sobald alles geschmolzen ist, die Schüssel aus dem Wasser nehmen und alles verrühren. 

  • Das Mandelöl unterrühren. 

  • Die Masse etwas abkühlen lassen und das Sonnenblumen- und Lavendelöl untermischen.

  • Die noch flüssige Creme in ein Glas füllen und kühl (am besten im Kühlschrank) lagern.

 

Das bringt’s:

Das Kokosfett bringt die Haut wieder ins Gleichgewicht und wirkt pflegend und beruhigend für die Haut. Das Mandelöl versorgt die Haut mit Vitamin A, E, B und D sowie mit den Mineralien Kalium, Magnesium und Kalzium. Die enthaltene Linölsäure schützt die Haut vor UV-Strahlung, spendet Feuchtigkeit und beruhigt die Haut. Die Sheabutter gleicht die Haut durch ihr ausgewogenes Verhältnis von ungesättigten und gesättigten Fettsäuren optimal aus, wodurch sie für trockene und empfindliche Haut besonders gut geeignet ist. Der Lavendelduft unterstützt die entspannende Wirkung.

Aus dem Buch „Auszeit für die Haut“ von Michael Droste-Laux und Pia-Maria Laux, erschienen im Knaur Verlag München, Mai 2020

 


Quellen: 


Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 5.11.2020
  • Letztes Update: 5.10.2021

 

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