Mut zur Delle - wir sagen Ja zur Orangenhaut, Cellulite als gesellschaftliches Problem, Was ist Cellulite? Wo entsteht Orangenhaut?

Mut zur Delle - Ja zur Orangenhaut!

Text: YOLO Online-Redaktion

Was würden wir nicht alles für eine straffe, glatte und makellose Haut tun? Fast alles! Dabei sind die Dellen der Cellulite vollkommen natürlich und nichts, wofür sich Frau schämen muss. Es ist Zeit wieder zu lernen, stolz auf die Weiblichkeit zu sein.

Egal, wie sehr „Frau“ sich auch bemühen mag, Cellulite betrifft 80 bis 90 Prozent aller Frauen irgendwann in ihrem Leben. Aber nicht nur Frauen ab 40 können betroffen sein. Bei Übergewicht oder schwachem Bindegewebe kann die ungeliebte Hauterscheinung auch schon in jungen Jahren auftreten. Am häufigsten sind Oberschenkel und Po von den unschönen Dellen betroffen. Die Orangenhaut kann aber auch auf Oberarmen, Hüften oder am Bauch auftreten.

 

Cellulite als Schönheitsideal?

First things first: Cellulite ist völlig normal und definitiv keine Krankheit! Es handelt sich dabei um eine Veränderung der Hautstruktur, die sich in solchen Dellen zeigt. Weil die Hautoberfläche Ähnlichkeit mit der von Zitrusfrüchten hat, wird sie auch als Orangenhaut bezeichnet. Oft wird sie aber mit der Cellulitis beziehungsweise Zellulitis verwechselt. Dabei handelt es sich allerdings um eine ernstzunehmende Infektion, die sich in Form von roten schmerzhaften Schwellungen auf der Haut äußert. Für manche Frauen sind sie ein schwerwiegendes Problem und sie setzen sich unglaublich unter Druck. Wir scheinen alle vergessen zu haben, welcher natürliche Sinn dahinter steckt. Der weibliche Körper sammelt Fettpolster auch für eine Schwangerschaft oder Stillzeit an. Das Bindegewebe ist deswegen so dehnbar, weil sich die Haut im Zuge einer Schwangerschaft und bei der Geburt enorm dehnen muss/soll. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis kurz vor der Französischen Revolution waren die natürlichen Fetteinlagerungen an Bauch, Beinen und Gesäß sogar ein Schönheitsideal, zum Beispiel bei den Rubensfrauen.

Für Ganzheitsmediziner Rüdiger Dahlke ist es eines der schwierigsten, weil einerseits so harmlosen, andererseits aber enorm hochgespielten Symptome. Weil sie von unserer Gesellschaft ein Ausdruck von zügellosem Essen, Disziplinmangel, Sich-hängen-Lassen und vor allem eine Alterserscheinung darstellen. Im heutigen Indien zum Beispiel sind Dellen ein Zeichen von Weiblichkeit, wir jedoch finden Grübchen anscheinend nur bei Babys schön. Prinzipiell ist es auch einfach nichts anderes als eine Modeerscheinung, dass Frau ohne eine glatte und straffe Haut nicht schön ist.

 

Was ist Cellulite?

Definiert ist die Cellulite als eine konstitutionell bedingte, nicht entzündliche Veränderung des subkutanen (unter der Haut) Fettgewebes im Ober- schenkel- und Gesäßbereich. Zum ersten Mal als Cellulite bezeichnet wurde das typische Erscheinungsbild im englischen Sprachraum der 1960er-Jahre. Auch die Veröffentlichungen von Nicole Ronsard waren weit verbreitet. Sie war der Ansicht, dass sich Schlacke im Körper ablagert. Zwar konnte dies mittlerweile widerlegt werden, dennoch kam so die weitere Forschung in Gang. Wir bei YOLO finden: Cellulite medizinisch oder wissenschaftlich zu betrachten ist völlig übertrieben und wird das Leid vieler Frauen immer mehr verschlimmern.

 

Wie entsteht Cellulite?

Prinzipiell besteht unsere Haut aus drei Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis, Corium) und Unterhaut (Subcutis).

Die Oberhaut setzt sich wieder aus fünf verschiedenen Schichten zusammen: Hornschicht, Glanzschicht, Körnerzellschicht, Stachelzellschicht und Basalzellschicht. Die Schichten bestehen allesamt hauptsächlich aus Kreatinozyten, die wasserabweisende Eiweißverbindungen (Keratin) erzeugen. In den beiden unteren Schichten der Oberhaut produzieren die sogenannten Melanozyten das Farbpigment Melanin. Je mehr Melanin unsere Haut aufweist, desto dunkler ist sie. Dass unsere Haut durch die Einstrahlung von Sonnenlicht bräunlich wird, liegt genau daran, denn die Farbpigmente bieten einen natürlichen Schutz gegen zu viel UV-Strahlung und schützen auch davor, dass die Strahlen in noch tiefer liegende Hautschichten vordringen. 

Die Lederhaut dient hauptsächlich als Stütz- und Nährgewebe und ist aus zwei Schichten aufgebaut: der Papillarschicht und der Netzschicht. Erstere ist von feinen Blut- und Lymphgefäßen sowie Nervenbahnen, Talg- und Schweißdrüsen durchzogen. Sie ist mit der Oberhaut durch Zapfen (Papillen) verbunden, was unsere Haut reißfest macht. In der Netzschicht befinden sich kollagene und elastische Fasern, die unsere Haut elastisch, zugfest und widerstandsfähig zugleich machen.

Die Unterhaut besteht aus geschlossenen Bindegewebskammern und speichert in erster Linie Wasser und Fett. Vor allem dient sie als Nährstoffspeicher, isoliert gegen einen Wärmeverlust und schützt Knochen und Organe gegen Stöße. Sie ist mit der Lederhaut über starke Bindegewebsstränge verbunden. Dadurch ist sie auch mit darunter liegenden Strukturen, wie zum Beispiel Sehnen, Faszien oder Knochenhaut, verbunden. Diese Bindegewebskammern, die zum Teil mit Fettzellen gefüllt sind, bilden das Subkutangewebe. Der Fettanteil hängt von unterschiedlichen Faktoren, wie Geschlecht oder der generellen Körperzusammensetzung, ab. In diesem Fettgewebe entsteht die Orangenhaut. Es sind kleine Pölsterchen mit leichter Stauung der Lymphe: Die bindegewebigen Kollagenstränge durchziehen das Fettgewebe wie ein Gitter. Zum Beispiel können diese im Zuge der Hormonveränderung des Menstruationszyklus anschwellen und werden an der Oberfläche oft sogar sichtbar. Folglich ist auch das Hormon Östrogen an der Entstehung beteiligt. Die wichtigste Aufgabe der Kollagenfasern ist, dass sie das Bindegewebe straff, aber auch elastisch halten. Im weiblichen Körper sind diese parallel nebeneinander angeordnet und beinhalten dehnbare Zwischenräume. Hat man ein schwaches Bindegewebe, können sich die eingelagerten Fettzellen durch diese Zwischenräume hindurchzwängen und werden so an der Oberfläche sichtbar – in Form von Cellulite.

 

Cellulite als gesellschaftliches Problem

Frauen werden von klein auf darauf hingewiesen, dass der eigene Körper nicht perfekt ist. Sei es durch das Fernsehen, Mode-Zeitschriften oder wenn die eigene Mutter vor dem Spiegel alles an sich kritisiert. Die britische Fitness-Trainerin Irene Estry und die Psychologin Emma Kenny haben in einer Untersuchung festgestellt, dass Frauen rund 36-mal am Tag ihr Aussehen kritisieren. In der Woche sind das unglaubliche 252-mal. Wir hungern, trainieren, suchen nach Lösungen und verkleiden uns. Täglich wird geschminkt, die Frisur optimiert und die Spanx angezogen. So wird man einfach schöner und erfolgreicher, oder? Studien zeigen, dass fast 50 Prozent der normalgewichtigen 11- bis 17-jährigen Mädchen in Deutschland sich als zu dick empfinden. Die Folgen sind gerade in jungen Jahren noch gravierender als später im Leben. Viele, die den suggerierten Schönheitsidealen nachjagen, stopfen so viel wie möglich an Light-Lebensmitteln und Pillen in ihren Körper und landen nicht selten bei Essstörungen oder haben mit schwerwiegenden psychischen Belastungen zu kämpfen. Wer sein Selbstwertgefühl nur auf Äußerlichkeiten aufbaut, wird leider schnell merken, dass dieses sehr verletzbar und vor allem vergänglich ist. Außerdem ist es auch gar nicht möglich, immer den neuesten Trends und Schönheitsidealen zu entsprechen. Zusätzlich zeigt sich der permanente Druck und die Unzufriedenheit auch irgendwann im Äußeren. Also ein wahrer Teufelskreis.

 

Zelebrieren wir das Frau-sein!

Viele Frauen haben den Bezug zu ihrem eigenen Körper verloren, nörgeln nur an ihm herum, als ob er gar nicht zu ihnen gehören würde. Warum das so ist, kann unglaublich vielfältig sein, aber definitiv in jeder Art und Form schlecht für uns. Denn können wir uns selbst nicht mehr wahrnehmen und spüren, vergessen wir immer mehr, wie es ist, weiblich zu sein und wie schön das sein kann. Wir sollten nicht nur wieder auf unsere weiblichen Qualitäten stolz sein, sondern uns auch aus der Opferrolle befreien. Schluss mit den Modezeitschriften, die uns mit „Wie ich 10 Kilo abgenommen habe in 5 Stunden“ locken wollen, hin zu einem befreiten Frau-sein mit allen Herausforderungen, Ecken und Kanten - und Rundungen. Der Weg zurück in eine gelebte und entfaltete Weiblichkeit mag schwer sein, doch wir alle sollten zumindest versuchen ihn zu gehen. Dazu gehört auch, manche Dinge als gegeben zu sehen und vor allem zu akzeptieren. Denn ganz ehrlich, es ist doch geil, eine Frau zu sein, oder?


Quellen:

  • Bilharz, C., 2016,  Zellulitis - eine Infektionskrankheit; Deutsche Apotheker Zeitung;
  • Hergovich, A., 2002,  Psychologie der Schönheit: physische Attraktivität aus wissenschaftlicher Perspektive; Facultas Univ.-Verlag Wien
  • Kühn, K., 1974, Struktur und Biochemie des Kollagens; Chemie in unserer Zeit. Band 8;
  • Luczak, H., 2015, Cellulite: Wie sie entsteht und was sie in Schach hält; Geo Wissen Gesundheit;
  • Minker, M., 1992, Wörterbuch der Medizin; Falken;
  • Powell, K., 2007, Obesity: The two faces of fat; Nature 447;
  • Reuter, P., 2004, Springer Lexikon Medizin; Springer Berlin;
  • Ronsard, N., 1973, Cellulite: those lumps, bumps, and bulges you couldn't lose before; Beauty & Health Pub. Corp.;
  • Scherwitz et al., 1978, So-Called Cellulite; The Journal of Dermatologic Surgery and Oncology
  • Wehner et al., 2007, Normale und pathologische Physiologie der Haut I; Thieme;
  • Wichtl, M., 2016, Teedrogen und Phytopharmaka; Wissenschaftliche Verlags GmbH Stuttgart;

Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 26.02.2021
  • letztes Update: 22.02.2022

 

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