Küssen ist gesund, die gesundheitlichen Vorteile vom Küssen, küssendes Paar im Sonnenlicht
25.08.2021

Darum ist Küssen so gesund

Text: Beatrix Treml

Wie viele Studien zeigen, bringt inniges Küssen eine Reihe gesundheitlicher Vorteile mit sich und wirkt wie eine Kur für Körper, Geist und Seele. YOLO hat die schönsten Benefits für Sie zusammengefasst.

Vor allem in der westlichen Gesellschaft und in den Ländern Nordamerikas gehört Küssen zum Alltag und ist fixer Bestandteil einer glücklichen Paarbeziehung. Es ist ein gesellschaftlich anerkannter Ausdruck von Zuneigung, Liebe und Freundschaft.

Aber nicht in allen Kulturen wird die Liebkosung als romantische Geste angesehen - es sind lediglich 46 Prozent aus 168 untersuchten Kulturen weltweit. Viele bezeichnen einen Kuss sogar als abstoßend - eine absolut vernünftige Schlussfolgerung, wenn man bedenkt, wie viele Keime zwischen den Mündern übertragen werden können... Dennoch hat das Küssen wesentlich mehr Vor- als Nachteile. Bevor wir uns diesen Benefits widmen, gehen wir aber noch der Frage auf den Grund, warum wir Menschen uns eigentlich küssen

Warum küssen wir?

Das Kussverhalten ist gar nicht so natürlich, wie Sie vermutlich glauben. Sigmund Freud vertrat noch die These, das Küssen sei ein angeborener Instinkt, resultierend aus dem Verlangen des Neugeborenen, von der Mutter gestillt zu werden. Der Verhaltensforscher Iwan Pawlow hingegen ging davon aus, Küssen sei ein gelerntes Verhalten. Studien haben mittlerweile die These von Pawlow belegt. Küssen ist erlernt und wird in unseren Breitengraden von Generation zu Generation weitergegeben. Insbesondere romantische Küsse haben nichts mit evolutionärer Entwicklung zu tun, wie ein Blick ins Tierreich bestätigt. Küssen wird daher als Beziehungspflegeverhalten oder als Teil des sexuellen Repertoires angesehen.

Einen ausschlaggebenden Grund, warum wir küssen, gibt es aber dennoch... Beim Zusammenpressen zweier Lippenpaare wird eine enorme Menge an biologischen Informationen ausgetauscht. Forscher haben herausgefunden, dass Frauen daraus Pheromone und genetische Informationen des Gegenübers aufnehmen. Diese haben Einfluss auf die Entscheidung, ob der Partner für sie in Frage kommt oder nicht. Knutschen hilft allerdings nicht nur bei der Partnerwahl, es bringt auch gesundheitliche Vorteile mit sich. Welche das sind, verraten wir Ihnen jetzt.

Straffe Haut durch Küssen

Über die Liebkosungen von Lippen und Zunge freut sich auch die Haut. Beim Küssen werden 34 Muskeln im Gesicht aktiviert beziehungsweise trainiert und die Haut wird intensiver durchblutet. Werden die Muskeln regelmäßig beansprucht, hat das natürlich einen Effekt auf die Faltenbildung. Die vielen Bewegungen straffen die Haut, was den Schluss erlaubt, dass Küssen nicht nur gesund und glücklich macht, sondern auch faltenfrei.

Knutschen macht glücklich und entspannt

Küssen macht glücklich, das steht fest. Grund dafür sind die in Massen ausgeschütteten Glückshormone. Beim Knutschen werden der Harmoniebotenstoff Serotonin, das berauschende Dopamin und das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet. Dieser Hormoncockail gibt Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit keine Chance. Die vielen chemischen Reaktionen im Körper sorgen für ein wahres Glücksfeuerwerk der Emotionen und haben sogar positive Langzeitauswirkungen. Zudem sinkt der Cortisolspiegel. Folglich fällt auch der Stresspegel ab und das Glücksempfinden wird angekurbelt. Der Körper entspannt sich, man fühlt sich wohl. Einige Forscher vermuten sogar, dass Küssen Depressionen vorzubeugen vermag.

Ein Kuss als Schmerzmittel

„Küsse haben kurzfristig eine 200-mal stärkere Wirkung als Morphium", sagt die Sexualwissenschaftlerin Dr. Ingelore Ebberfeld. Beim Knutschen werden im Gehirn körpereigene Opiate ausgeschüttet. Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung in Heidelberg haben herausgefunden, dass das Hormon Oxytocin nicht nur im Blut, sondern auch im Rückenmark ausgeschüttet wird. Dort wurde ein schmerzstillender Effekt nachgewiesen. Ein erhöhter Oxytocin-Spiegel sorgt demnach für ein geringeres Schmerzempfinden. Aber auch die Überflutung mit Adrenalin und Dopamin wirkt schmerzstillend. „Im Prinzip sorgt jeder zärtliche Körperkontakt dafür, dass unser Schmerzempfinden sinkt. Denn Nähe gibt uns immer das Gefühl, aufgehoben zu sein“, so der Kussforscher Dr. Wolfgang Krüger.

Herz- und Lungenturbo

Das Herz schlägt höher, wir atmen schneller - ein intensiver Kuss löst positiven Stress im Herz-Kreislauf-System aus. Bis zu 150 Mal pro Minute schlägt das Herz beim Küssen. Das stärkt die Herzmuskulatur und verbessert die Pumpleistung nachhaltig. Aber auch die Lungen werden beim innigen Schmusen trainiert. Aus rund zwanzig Atemzügen werden bis zu sechzig pro Minute. Die intensive Atmung wirkt sich positiv auf die Sauerstoffversorgung im Körper aus.

Küssen für die Virenabwehr

Durch den Bakterienaustausch, der während eines Zungenkusses stattfindet, wird das Immunsystem gestärkt. Wissenschaftlern zufolge wirkt Schmusen daher wie eine Art Schluckimpfung. Die rund 80 Millionen übertragenen Bakterien aktivieren die Abwehrzellen. Diese Zahl mag zuerst sehr hoch klingen. Tatsächlich befinden sich im Mund aber über eine Milliarde Bakterien. Die antimikrobiellen Enzyme, die sich durch das Küssen im Speichel bilden, beugen Karies und Parodontose vor.

Die Biologin Sarah Woodley hat herausgefunden, dass die intime Zärtlichkeit unterbewusst eine Art Immunkontrolle des potenziellen Partners ist. Bestimmte Gene werden übertragen und über unseren Geruchs- sowie Geschmackssinn wahrgenommen. Je stärker sich die Gene von den eigenen unterscheiden, desto anziehender wirkt das Gegenüber. Der Mensch ist also instinktiv darauf aus, seine Abwehr zu stärken. Diese Immunkontrolle findet allerdings nur beim ersten Küssen statt. Eine Studie konnte feststellen, dass die Speichel-Mikrobiota, also die Bakterienzusammensetzung im Mund, langfristig ähnlicher wird, wenn sich Paare mit relativ hoher Frequenz innig küssen.

Aber Vorsicht, auch wenn Küssen gut für die körpereigene Abwehr ist, können über die Speichelflüssigkeit auch gesundheitsgefährdende Bakterien und Viren übertragen werden. Herpes, Streptokokken, Hepatitis oder das Pfeiffersche Drüsenfieber, das auch als Kusskrankheit bekannt ist, sind nur einige der möglichen Risiken.

Der Kuss - ein Feuerwerk der Gefühle und Effekte

Fest, zärtlich, lautlos, leidenschaftlich: Jeder Kuss ist anders. „Es gibt keine intimere Bewegung zwischen zwei Menschen als ein leidenschaftlicher Kuss, wie der Kussforscher Dr. Wolfgang Krüger sagt. Ein Kuss ist eine Form der stillen Kommunikation zwischen zwei Menschen. Zunge und Lippen schicken dabei Nervenimpulse durch den gesamten Körper und lösen ein heftiges Feuerwerk der Hormone aus. Küssen ist großartig, zeigt anderen die besondere Zuneigung und ist Ausdruck von Glück. Ein als Glück empfundener Kuss löst chemische Reaktionen im Körper aus, die dafür sorgen, dass wir den Moment intensiv wahrnehmen. Bei kaum einer anderen Tätigkeit kann der Mensch sich so in den Moment vertiefen, wie beim Küssen. Wie schön, dass die schönste Art Zuneigung zu zeigen aber auch eine Reihe gesundheitlicher Vorteile mit sich bringt. Wer viel küsst, stärkt das Immunsystem, macht ausgeglichener und ist einfach glücklicher. YOLO findet: „es ghört einfach mehr gschmust!“


Quellen:


Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 25.8.2021

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