Digital Detox Karteikarte in Tastatur zur Erinnerung, mal offline zu sein
07.10.2020

Digital Detox:
Klickst du noch oder lebst du wieder?

Text: Verena Radlinger

Egal ob dienstlich oder privat: Wir sind immer online. Die Phasen der Erholung werden kürzer und das wiederum belastet Körper, Geist und Seele. Je mehr handyfreie Zeit wir uns nehmen, desto besser können wir die Anforderungen des Lebens bewältigen. Digital Detox heißt das Motto der Neuzeit, egal ob privat oder geschäftlich. Aber wie geht’s?

Social Media, Nachrichten lesen oder einfach nur der Wecker – das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Nach dem ersten Augenaufschlag, greift die Hand zu unserem geliebten Handy. Bevor wir überhaupt einen Fuß auf den Boden stellen, haben wir schon die neuesten Facebook-Posts geliked, lustige GIFs verschickt und die E-Mails des Chefs gelesen.

Der durchschnittliche Nutzer greift im Schnitt alle zwölf Minuten zum Mobiltelefon und entsperrt rund 80 Mal am Tag sein Handy. Dies konnte in einer Studie der Universität Bonn* mit einer eigens entwickelten App nachgewiesen werden. Bei der Auswertung von 60.000 Nutzerdaten ergab sich, dass die Probanden durchschnittlich ganze zweieinhalb Stunden täglich am Handy verbrachten. Getestet wurde auch die Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit, nach bereits acht Sekunden klickten die Nutzer weiter.

Die Sucht wird durch unbewusste Automatismen ausgelöst, die man zum Beispiel mit dem Spiel an einem Casinoautomaten vergleichen kann. Gewinnen wir und sei es auch nur einen kleinen Betrag, beginnt die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Davon wollen wir mehr und spielen immer weiter. Lösen wir schon vor der Arbeit ein Problem mit einem E-Mail ist die Belohnung: Wieder etwas erledigt. Dadurch kommt es zu Automatismen und wir wiederholen es immer wieder.

Man muss nicht ständig erreichbar sein, auch nicht für die Arbeit!
Man muss nicht ständig erreichbar sein, auch nicht für die Arbeit!

Work-Life-Balance mit Digital Detox

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann das Zeitalter der Computerisierung. Mit immer verfügbaren Informationen aus der ganzen Welt und durch die immer größer werdende Nutzung von Social Media, kam es auch zur „Internetabhängigkeit“. Analoge Helferlein verschwinden zunehmend aus unserem Leben. Das Klingeln, Blinken und unzählige Pings führen zu einer Ausschüttung von Stresshormonen im Körper. Was wiederum unsere Emotionen negativ beeinflusst, aber auch die körperliche Ebene empfindlich stört.

Die Entwicklung von Smartphones, Laptops, Tablets etc. macht es möglich, an nahezu jedem Ort auf der Welt und zu jeder Zeit zu arbeiten. In den letzten Jahren ist dadurch die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit fast verschwunden. Verhältnismäßig oft sind dabei Führungskräfte betroffen. „Ich muss doch für meinen Arbeitgeber, meine Kollegen und unsere Kunden erreichbar sein.“ Das mag wohl stimmen, aber erreichbar sind Sie auch per E-Mail, auf der Mailbox oder durch Nachricht an einen anderen Mitarbeiter.

Vorgesetzte haben eine wichtige Vorbildfunktion! Sind sie immer und überall erreichbar, überträgt sich das auch auf die Mitarbeiter. Dabei reduziert sich deren Erholungsphase und sie werden im Arbeitsalltag immer unkonzentrierter und schlittern nicht selten in eine Situation der Überforderung. Damit helfen sie aber weder dem Unternehmen, dem Arbeitgeber oder den Kunden.

Drei Wochen Digital Detox alleine wird aber wenig helfen. Wer seine digitale Nutzung reduzieren will muss ein größeres Problem angehen: Und zwar seine Gewohnheiten ändern.

So gibt's mehr handyfreie Zeit

  • Benutzen Sie einen guten alten analogen Wecker.

  • Wenn es die Rahmenbedingungen wieder erlauben: Famile und Freunde öfters „live“ treffen.

  • Deaktivieren Sie die Push-Nachrichten, die Sie nicht wirklich brauchen.

  • Das gleiche gilt für Apps – nutzen Sie lieber den Browser.

  • Planen Sie einmal in der Woche einen Entschleunigungstag ein, bewusst ohne Handy.

  • Beantworten Sie wirklich nur in Ausnahmefällen Arbeitsthemen in der Freizeit.

  • Vor dem Schlafengehen mindestens 30 Minuten kein Handy benutzen.

  • Dasselbe gilt für nach dem Aufstehen.

  • Smartphone-freie Zonen festlegen, wie den Esstisch oder das Schlafzimmer.

  • Tracken Sie Ihre Nutzung, damit sie Ihnen bewusster wird.

  • Lassen Sie Ihr Handy auch mal bewusst zu Hause liegen, es geht auch ohne.

  • Kennen Sie den Ausschaltknopf? Probieren Sie ihn aus!

Digital Detox ist sicher nicht einfach, aber vielleicht gelingt es Ihnen mit diesen Tipps den Gebrauch des Smartphones so zu regulieren, dass Sie Ihre Zeit und Aufmerksamkeit wieder mehr auf das reale Leben lenken. Denn mittlerweile gilt: Offline ist der neue Luxus! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei! 

Erzählen Sie uns gerne Ihre Erfahrungen mit Digital Detox und schreiben Sie uns an bepartof@yo-lo.net. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Digital Detox mit der Hilfe von Apps

Ja, es ist kurios, aber es gibt auch Apps, die uns beim „Digital Detoxing“ unterstützen. Hier die gängigsten:

  • SPACE: zeigt auf welche Smartphone-Anwendungen die meiste Zeit benutzt werden. Mit anpassbaren Tools gelingt eine gezielte Steuerung wann und wie lange man das Smartphone benutzen möchte.
  • OFFTIME: blockiert in den festgelegten Zeiträumen Benachrichtigungen, Anrufe und SMS. Außerdem schränkt es die Zugriffe auf ausgewählte Apps ein.
  • Quality Times: In diesem App kann man bestimmte Profile erstellen. Zum Beispiel können bestimmte Benachrichtigungen blockiert werden oder bei eingehenden Anrufen automatische Text-Nachrichten verschicken lassen. Wichtige Kontakte können dabei ausgenommen werden. (Nur die wichtigsten!)
  • ShutApp: mit einem eigens gesetzten Timer, startet man eine Challenge gegen sich selbst das Smartphone nicht zu benutzen. Auch gegen Freunde spielen ist möglich.
  • App-Detox: Analysiert die jeweilige App-Nutzung, anschließend können bestimmte Regeln aufgesetzt werden. Bestimmen Sie einfach für die „Zeitfresser-Apps“ ein persönliches Limit, dies kann auch wöchentlich festgelegt werden. Zusätzlich ist es möglich die Apps individuell in einem bestimmten Zeitraum auszuschalten.

 

Sich selbst etwas Gutes tun

In unserer schnellebigen und leistungsorientierten Zeit vergessen wir oft, dass wir uns auch mal um uns selbst kümmern müssen. Wie Sie Körper, Geist und Seele wieder in den Fokus rücken und sich selbst etwas Gutes tun können, erfahren Sie in unserer YOLO-Printausgabe, die am 9. Oktober 2020 erschienen ist.