07.10.2020

Hallo, hier spricht
Ihre Intuition!

Text: Verena Radlinger

Ist die Intuition eine mystische Eingebung, ein sechster Sinn oder gar die Stimme Gottes? Weit gefehlt! Laut Psychologen bedeutet Intuition: eine unbewusste Form der Informationsverarbeitung. Allerdings ist sie nicht immer hilfreich: Manchmal führt sie auch in die Irre. Also, wann sollten Sie Ihrer Intuition vertrauen?

Schon Albert Einstein sagte: „Alles, was wirklich zählt, ist die Intuition.“ Der brillante und geniale Physiker, der die Grundfesten der Naturwissenschaften erschüttert und neu definiert hat, ist sich sicher: „Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“ Unglaublich das er schon Mitte des 20. Jahrhundert erkannt hat, dass wir Menschen zunehmend auf unsere Intuition vergessen.

Erfreulicherweise erkennen wir wieder, wie wichtig die Intuition in unserem Leben ist. Doch wie ist es zu unserem jetzigen Denken gekommen, das uns viel gebracht, aber auch in Sackgassen geführt hat? Der Grund ist, dass wir uns auf kausales Denken konzentrieren und jegliche Ursachen in der Vergangenheit und in unseren bisherigen Erfahrungen suchen.

Die heutige Definition der Intuition lautet: Das unmittelbare Erkennen, welches nicht diskursiv (methodisch) ist und auf keiner Reflexion (prüfendes Nachdenken) beruht. Es ist eine Eingebung aus dem Unterbewusstsein. In der Psychologie erkennt man den Unterschied zu der rein kausalen Denkweise deutlich. Denn dort wird Intuition als die Fähigkeit definiert, unbewusste und impulsive Entscheidungen zu treffen und nach diesen zu handeln.

Intuition ist eine Grundfähigkeit des Menschen und wurde uns bereits in die Wiege gelegt. In rationalisierten, gesteuerten und kontrollierten Bereichen ist sie nicht angebracht, aber bei Problemlösungen, die ein „quer“-denken erfordern, kann man sehr wohl auf seine innere Stimme oder das sogenannte Bauchgefühl vertrauen. Grund ist, dass die Intuition auf eine ganz andere Datenbank stützt als das logische Denken. Die Intuition greift dabei unbewusst auf die meist emotionalen Erfahrungen des bisherigen Lebens zurück.

Die Intuition hat Zugriff auf eine unbewusst bleibende Datenbasis, die sich vor allem aus der Erfahrung des Menschen speist. Das Leben in seiner Komplexität lässt sich nicht so einfach analysieren und wird erst klarer, wenn wir es in die einzelnen Situationen aufgliedern und diese explizit betrachten. Doch auch das ist ein schwieriges Unterfangen. Wie man sich mit seinem Inneren wieder besser vernetzen kann, erfahren Sie in unserer YOLO-Printausgabe vom 9. Oktober 2020. 

Intuition: Unsere unbewusste Intelligenz

Schätzungen zufolge trifft der Mensch über 100.000 Entscheidungen täglich. Würden wir diese alle ausschließlich auf logische und kausale Weise beantworten, wären wir einige Wochen damit befasst. Bewusstes Entscheiden ist kräftezehrend und zeitaufwendig, intuitives schnell und mühelos. Neun von zehn der Weichenstellungen im Alltag, so schätzen Kognitionsforscher, erfolgen deshalb emotional und meist unter Ausschaltung des Bewusstseins und nur zehn Prozent rein kognitiv, also mit Vorsatz und logisch. Beide Formen des Denkens können zu guten Ergebnissen führen, aber uns auch in eine Sackgasse manövrieren. Bei bewussten Entscheidungen können Sie in Folge den Ausgang argumentieren und begründen. Bei intuitiven Entscheidungen ist dies oftmals schwierig, da sie aus den Tiefen unseres Unterbewussten entstehen.

„Eine Intuition ist weder eine Laune noch ein sechster Sinn, weder Hellseherei noch Gottes Stimme. Sie ist eine Form der unbewussten Intelligenz“, sagt Gerd Gigerenzer vom Max-​Planck-​Institut für Bildungsforschung in Berlin, der sich seit Jahren mit der Wichtigkeit der Intuition auseinandersetzt. In seinem Buch „Risiko – Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“ macht der Psychologe und Risikoforscher klar: „Die Annahme, Intelligenz sei notwendigerweise bewusst und überlegt, ist ein Riesenirrtum." Auf unser Gefühl verlassen und nach diesem sogenannten Bauchgefühl zu entscheiden sei durch die Stärke und Spontanität auf jeden Fall gegeben. Auch wenn die Gründe für das Gefühl nicht näher bekannt und oft rational nicht erklärbar sind.

In den letzten Jahrzehnten galt eher die Meinung vorherrschend, nur Künstler, Erfinder und Alternativlinge seien die Einzigen, die Ihre Intuition nützen können und sollten. Mittlerweile kommt die Intuition aber auch in der Ausbildung von Mitarbeitern, Führungskräften und anderen Entscheidungsträgern vor. Denn die Balance zwischen den beiden Konterpartnern, der Methode und der Intuition, wird immer angesehener. Es reicht nicht nach Prozessen, Regelwerken und Verstand zu handeln, auch die Eingebung, eine Ahnung oder das Gefühl sollten einbezogen werden. Diesen Umstand hat auch die Medizin bereits erkannt.

Seit fast zehn Jahren beschäftigt sich die moderne Wissenschaft mit den Mechanismen „des Wissens ohne Wissen“, wir nennen das Gefühlshandlungen. Sie versuchen das Geheimnis der Gefühle zu entschlüsseln und dem Gefühl dadurch endlich einen rationalen Stellenwert zu geben. Als Ausgangspunkt wählten Forscher die Spiegelneuronen. Diese Neuronen sind ein Resonanzsystem im Gehirn, die Gefühle und Stimmungen anderer Menschen aufnehmen und weiterleiten. Sie sind also für unsere Empathie zuständig und reagieren bereits, wenn wir eine Situation nur beobachten. Die Schaltstelle ist das limbische System, in dem sich diese Art von Neuronen befinden. Meist wird es als das Emotionszentrum beschrieben, das unter anderem unsere Äußerungen von Wut, Angst und Freude kontrolliert. Wie die Intuition funktioniert ist unter Experten aber noch immer sehr umstritten. Die Wissenschaft wird sich wohl noch länger mit der Intuition auseinandersetzen müssen.

Mit dem limbischen System beschäftigen wir uns übrigens in unsere brandneuen Ausgabe vom 4. Dezember genauer, bestellen können Sie direkt bei uns unter bepartof@yo-lo.net oder besorgen Sie sich YOLO 2 in Ihrer Nähe - die Shops finden Sie hier!

„Ach, hätte ich nur auf meine innere Stimme gehört …“ 

Intuition ist die Stimme unseres Unterbewussten und ein hervorragender Begleiter für den Alltag, der uns auch im Job hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie ist eben mehr als das reine Bauchgefühl. Probieren Sie es aus!

Ging Ihnen das auch schon mal so? Erzählen Sie uns Ihre Erfahrungen mit Ihrer Intuition und schreiben Sie an soulsessions@yo-lo.net.

Wir freuen uns auf Ihre Erlebnisse!

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