Frau mit Headset am Boden sitzend arbeitet im Homeoffice. Daneben liegt ein Baby, auf der Couch sitzt ein Kleinkind.
20.01.2021

Knackpunkt Einkommen:
weniger für mehr

Text: YOLO Online-Redaktion

In unserer Gesellschaft überwiegt im Jahr 2021 folgende ernürchternde Lebensrealität: Frauen gehen mehrheitlich arbeiten, verdienen dabei deutlich weniger als Männer und sind aber trotzdem nach wie vor auch noch für Haushalt und Kinder zuständig.
Ist das fair?

In Österreich ist das Klischee keine Seltenheit – Der Mann verdient das Geld und die Frau kümmert sich um Kinder UND Haushalt, manche verdienen „noch etwas dazu“. Das lässt sich mit offiziellen Daten belegen. Seit der Registerzählung 2011 der Statistik Austria sind Haushalts- und Familienmerkmale auch im Rahmen der sogenannten „Abgestimmten Erwerbsstatistik“ jedes Jahr verfügbar.

Bereits während der Schwangerschaft beziehungsweise spätestens bei Geburt des Kindes stehen Paare oder Alleinerzieher vor den Entscheidungen über die Aufteilung der Hausarbeit, der Betreuungszeit und folglich auch über den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit. Der Großteil der Mütter entscheidet sich nach der Geburt des Kindes, die eigene Erwerbstätigkeit für längere Zeit einzuschränken oder später ganz aufzugeben. Damit nehmen Frauen, oft unbewusst, große finanzielle Risiken in Kauf.

Arbeiten Frauen weniger oder steigen sie nicht mehr ins Erwerbsleben ein, verdienen sie weniger und so reduziert sich ihr Pensionsanspruch. Zusätzlich können sie mit einem geringeren Eigenvermögen schwerer „über die Runden kommen“ und geraten nicht selten an die Armutsgrenze. Auch wenn die Kinder keine intensive Betreuung mehr benötigen, also bereits älter sind, steigen Frauen gar nicht mehr ins Erwerbsleben ein oder bleiben dauerhaft in Teilzeit. Es ist dabei aber nicht geklärt, ob sie das aus freiem Willen machen oder ob der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt nach einer längeren „Babypause“ schwierig ist. 2016 arbeiteten 47,7 Prozent der Frauen, also nicht nur Mütter, in Österreich in Teilzeit, das ist fast jede Zweite. Dieser Wert liegt weit über dem Durchschnitt in der europäischen Union von 32,6 Prozent und ist damit der zweithöchste der EU. Als Hauptgrund für Teilzeitbeschäftigung wurde von 37,5 Prozent der Frauen die Betreuungspflicht für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene genannt.

Unser Einkommen ist uns wichtig, denn: It’s all about the money…

Warum spielt Geld eine so große Rolle in unserem Leben? Klar, ist die Sehnsucht nach viel Geld, Reichtum und Luxus verständlich. Wir verbinden damit Schönheit, Sicherheit, Glück und Unbeschwertheit. Wer reich ist und viel Geld hat, hat mehr vom Leben. Wohlhabende Personen werden bewundert, genießen Ansehen, besitzen alles im Überfluss und ihr Leben gelingt scheinbar mit Leichtigkeit, ohne jegliche Existenzangst. Also machen wir nichts anderes als kaufen, kaufen, kaufen. Aber das ist wichtig, denn Konsum kurbelt die Wirtschaft an und geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut.

Das Konzept von Luxus lässt sich bis in die Anfänge der Gesellschaft zurückführen, schon die Ägypter haben sich mit Kostbarkeiten eingedeckt, sogar bis in den Sarg. Wie auch heute, wurden führende Status-Symbole und Gegenstände verwendet, um sich von der übrigen Gesellschaft abzugrenzen. Die Sehnsucht nach Schönem und Werthaltigem ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Ein hochwertiges, manchmal auch nur teures Produkt strahlt auf uns ab und kann ein Defizit füllen. Mittlerweile hat sich der Luxus in Europa zu einem Belohnungs-Luxus gewandelt. Übrigens kommt das Wort Luxus ursprünglich aus dem lateinischen und bedeutet Verschwendung.

Mehr Einkommen bedeutet weniger Kinder

Historisch betrachtet waren Heirat und eigene Kinder lange Zeit ein „Privileg“ und wurden erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur sozialen Norm. Karriere machen und Muttersein – bis sich die gesellschaftlichen Voraussetzungen für diese Kombination so verändert haben, dass ein Nebeneinander wirklich möglich ist, werden noch Jahre, vielleicht Jahrzehnte vergehen. Aber nichts von all diesen Aspekten sollte die Grundlage für die Entscheidung sein, wann und ob man schwanger wird. Natürlich aber können Sie unterstützend sein, um eine Antwort zu finden. 

Auch wenn in unserer Gesellschaft noch immer die „alte“ Familienform vorherrscht, hat sich etwas getan. Immer mehr Menschen leben in Familienformen ohne Kinder im gemeinsamen Haushalt. 2016 waren es bereits vier von zehn Familien (42 Prozent). Dies geht nicht nur aus Umfragen hervor, sondern spiegelt sich auch in Statistiken der aktiven Erwerbstätigkeit von Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren wider. Diese erhöhte sich nämlich seit 1996 von 65,6 Prozent auf 76,2 Prozent. Das klingt in Prozent nicht unbedingt viel. Rechnet man aber mit der Zahl der in Österreich lebenden Frauen von 1996, waren das 3.888.178 Einwohnerinnen. Die Zahl stieg auf 4.300.324 Millionen erwerbstätige Frauen - und das ohne Berücksichtigung der demographischen Entwicklung.

In fast jeder vierten Partnerschaft ohne minderjährige Kinder verdient eine Frau gleich viel oder sogar mehr als der Mann (23,3 Prozent). Bei mehr als einem Viertel aller Paare ohne Kinder verdient die Partnerin etwas weniger als die Hälfte des Familieneinkommen. Alleinerzieherinnen, also Frauen ohne einen im Haushalt lebenden Partner, nehmen früher ihre Erwerbstätigkeit wieder auf beziehungsweise erhöhen ihre Arbeitsstunden. Das resultiert großteils aus der Notwendigkeit ohne das Einkommen des Anderen auszukommen. Ohne Partner im Haushalt arbeiten 60,6 Prozent der Frauen mit Kindern unter 18 Jahren auf Teilzeitbasis, mit Partner sind es 70,5 Prozent.

Während alleinerziehende Mütter damit ein etwas höheres Einkommen erzielen als Frauen mit Partner, zeigt sich bei den Männern ein gegenteiliges Bild. Alleinerziehende Väter haben etwas geringere Einkommen als Väter, die in einer Partnerschaft leben. Auch weil sie meist auf Teilzeitbasis arbeiten. Ohne Partnerin im Haushalt arbeiten 13 Prozent der Männer mit Kindern unter 18 Jahren in Teilzeit, mit Partnerin sind es 7,7 Prozent.

Einkommenskluft – Weniger für Mehr

Einer der Hauptgründe dafür, dass Frauen für ihre Arbeit deutlich weniger verdienen als Männer ist, dass sie im Durchschnitt deutlich mehr unbezahlte Arbeit leisten. Was das heißt? Berufstätige Frauen leisten nämlich nicht nur Halb- oder Vollzeitarbeit auswärts, sondern auch noch circa 25 Stunden pro Woche im Haushalt, in der Kinderbetreuung und in der Pflege. Und das unbezahlt. Zum Vergleich: Männer arbeiten nur halb so viel außerhalb ihrer Erwerbstätigkeit.
 
So haben Frauen wesentlich weniger Freizeit beziehungsweise Zeit, die sie ausschließlich für sich haben. Diese Mehrbelastung wirkt sich einerseits teils gravierend auf die physische Gesundheit und mentales Wohlbefinden von Frauen aus. Andererseits hat sie aber auch negative Folgen für ihre berufliche Laufbahn – es schmälert ungemein Ihre Karrierechancen, schiebt Frauen in die finanzielle Abhängigkeit von ihren Lebenspartnern und gefährdet ihre soziale und finanzielle Absicherung in der Zukunft. 
 
Die österreichische Arbeiterkammer spricht in diesem Kontext von circa 900 Euro brutto, die Frauen und ihren Familien jeden Monat durch diese ungerechte Einkommenskluft durch die Lappen gehen. Auf das Jahr gerechnet, fehlen also 12.500 Euro. Nehmen wir ein durchschnittliches weibliches Erwerbsleben von 34,5 Jahren her, beläuft sich die Summe auf schockierende 435.000 Euro! Jeder von uns kann sich ungefähr vorstellen, was alles mit soviel Geld möglich wäre.
 
Die Situation in vielen Haushalten Österreichs in den letzten 16 Monaten der weltweiten Covid19-Pandemie hat uns noch einmal deutlich gezeigt, dass es um die Gleichberechtigung weiterhin nicht besonders gut bestellt ist. Der Umstieg auf Heimarbeit im Homeoffice in Verbindung mit den täglichen Herausforderungen der Kindererziehung und des Homeschooling brachten viele unter uns an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Immerhin ist der heurige Equal Pay Day in Österreich im Vergleich zum Vorjahr vier Tage nach vorne gerückt... Unsere Begeisterung hält sich dennoch in Grenzen – und Ihre? Schreiben Sie uns gerne Ihre Gedanken dazu an bepartof@yo-lo.net. Wir freuen uns von Ihnen zu lesen!

Der Unterschied beim Einkommen von Frauen und Männern und die Frage „Was will ich?“

Ganz gleich ob der Tatsache, dass die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern immer noch vorwiegend sehr hoch sind und die Entwicklungen hin zu einer Gleichberechtigung noch länger dauern dürften, ist und bleibt eine Frage der Knackpunkt: Was will ich? Frauen ohne Kinderwunsch werden zwar heutzutage immer noch tendenziell komisch angesehen, aber ein Kind zu kriegen und die Verantwortung ein Leben lang für diesen Menschen zu tragen, ist definitiv keine einfache Entscheidung und mit vielen Überlegungen verbunden. 

Die Antwort können wir – wie so oft – nur in uns selbst finden. Mit der Zeit haben wir jedoch vermehrt verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören und unserer Intuition zu folgen. Wie Sie diese wieder in Ihren Alltag zurückholen können, lesen Sie in unserem Artikel "Hallo? Hier spricht Ihre Intuition!".

In der aktuellen YOLO Printausgabe beschäftigen wir uns ausführlich mit dem Thema Homeoffice und Gesundheit – bestellen Sie jetzt Ihr persönliches Exemplar – wir lassen es direkt vor Ihre Haustür liefern. Mit Mentalcouch Martina Reiterer haben wir zudem im exklusiven Experten-Interview über gesundes Arbeiten im Homeoffice und ihr neues Buch gesprochen.

 


Quellen:

  • Asamer, E.-M.; et al., Wer bringt das Geld heim? – Einkommensverteilung in Haushalten unselbständig Erwerbstätiger; Schnellbericht Registerbasierte Statistiken, Wien; 2016
  • Fuchs, R., Familie und Erwerbstätigkeit 2016; Statistische Nachrichten, 10/2017, S. 828-835; Wien; 2017
  • Statistik Austria., Arbeitsmarktstatistiken. Ergebnisse der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung und der Offenen-Stellen-Erhebung; Wien; 2016
  • Equal Pay Day 2020
  • Arbeiterkammer, 2021, Warum gibt's eine Einkommensschere?, Abfrage vom 16.6.2021, 12:30 Uhr

 

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