Frau lehnt an der Wand und ist frustriert
07.10.2020

Natürlich schwanger werden mit 40
Krieg' ich noch ein Kind?

Text: Verena Radlinger

Ein perfektes Alter um schwanger zu werden gibt es wahrscheinlich nicht – denn das Leben ist bekanntlich nicht planbar. Klar ist, dass mit zunehmendem Alter Frauen schwerer schwanger werden. Die Psyche spielt dabei immer eine entscheidende Rolle.

Die Entscheidung schwanger zu werden stellt wohl im Leben einer Frau einen der wichtigsten Meilensteine dar – wenn nicht sogar den Wichtigsten. Im Vergleich zu früher werden Frauen heutzutage aber deutlich später schwanger. Grund dafür ist die Änderung unseres Lebensstils. Längere Ausbildung, ein Studium, Auslandserfahrung, die Welt bereisen und vieles mehr führen oft dazu, dass die Jahre verfliegen. Häufig ist es für Paare auch wichtig vor der Familiengründung ein gewisses finanzielles Fundament zu haben. Die Fruchtbarkeit einer Frau ist jedoch zwischen 20 und 30 Jahren am Höhepunkt. Schwanger werden ab circa 40 Jahren verringert die Wahrscheinlichkeit enorm. Denn da kommt es im Rahmen des normalen Alterungsprozess zur Abnahme ihrer Hormonproduktion.

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen“

Johann Wolfgang von Goethe

Warum werde ich nicht schwanger?

Östrogene sind die weiblichen Geschlechtshormone, deren Hauptaufgabe ist die Steuerung der körperlichen Vorgänge im Zusammenhang mit der Fortpflanzung. Gebildet werden sie hauptsächlich in den Eierstöcken, während einer Schwangerschaft auch in der Plazenta. Vor dem Eisprung steigt das Östrogenlevel und löst an einem gewissen Punkt die Freisetzung des sogenannten Luteinisierungshormon (LH) aus. In der gereiften Eizelle kommt es zur Progesteron-Produktion. Erreichen diese drei Hormone einen bestimmten Schwellenwert, kommt es zum Eisprung. Nimmt die Hormonproduktion des Körpers also ab, kommt es nicht mehr regelmäßig zur Entwicklung einer Eizelle und auch nicht zum Eisprung.

Die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung sinkt von Zyklus zu Zyklus und der unerfüllte Kinderwunsch wird immer belastender. Für die meisten Fruchtbarkeitsstörungen sind biologische Gründe verantwortlich, ein Check beim Gynäkologen und beim Urologen sind nun der erste Schritt, um Genaueres herauszufinden. Stellt sich heraus, dass beide Partner gesund und die Hormonwerte in Ordnung sind beziehungsweise auch das Spermiogram des Mannes unauffällig ist, kann die Psyche ein entscheidender Faktor sein.

Ab einem gewissen Punkt kippt das Paar in eine Lebenskrise. Der Druck ein Kind zu bekommen wird immer größer, damit können eine Vielzahl an Emotionen die Überhand gewinnen – von Ärger, Schmerz und Wut über Angst, Traurigkeit bis hin zu Neid, Scham und Schuldgefühlen. Männer stellen ihre Männlichkeit in Frage und Frauen fühlen sich unzureichend. Ein zu hohes Stresslevel reduziert die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden drastisch. Dies kann evolutionsbiologisch sogar belegt werden. Denn in früheren Zeiten versuchte unser Organismus eine natürliche Schwangerschaft in belastenden und unruhigen Phasen zu verhindern.

Wie ein betroffenes Paar mit der seelischen Belastung bei ungewollter Kinderlosigkeit umgeht ist individuell anzugehen. Meist wird übermäßiger Stress ausgelöst und der bringt die Hormonbildung ins Schleudern. Dieses Ungleichgewicht der Hormone wirkt sich auch auf den Eisprung oder das Einnisten der Eizelle in die Gebärmutter bzw. auf die Reifung der Samenzellen aus. Eine Lösung könnte sein, dass das Paar verschiedene Entspannungstechniken erlernt, die es ihm erleichtern, Stress zu vermindern oder abzubauen.

Nur an den „günstigen“ Tagen miteinander zu schlafen und sich dabei nur auf die Familiengründung zu konzentrieren sollte definitiv nicht die Einstellung sein. Laut einer Studie der Indiana University of Bloomington, begünstigt häufiger Geschlechtsverkehr das schwanger werden. Frauen, die oft Sex haben, beeinflussen damit ihr Immunsystem, was den Spermien hilft die Immunabwehr der Frau zu überwinden und eine Eizelle zu befruchten. Paare mit einem Kinderwunsch sollten darauf achten, ihre Erwartungshaltung und den Leistungsdruck gegenüber sich selbst zu mäßigen.

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Auch das kann helfen, entspannter zu werden. Ideen gibt's im YOLO vom 9. Oktober.

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EIN BISSCHEN SCHWANGERBehandelt werden in diesem Podcast, Themen vom Start der natürlichen Familienplanung, dem Kinderwunsch im Allgemeinen und auch, wenn man schon jegliche Behandlungen hinter sich hat. 

ZUKUNFTSGLÜCK: Dr. Alex und Romy Leberling sind beide selbst von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen und haben dies in ihrem Blog mit ihrem Know-how als Coaches und Paarberater zusammengefügt. Auf Ihrer Website gibt es viele Videos, einen Podcast und zahlreiche Informationen zum Thema Kinderwunsch. 


Quelle:

Lorenz TK., et al., Physiol Behav. 2015; 152(Part A):92-98


 

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