Paar im Gespräch mit einer Therapeuten im Rahmen einer Paartherapie
14.10.2020

Paartherapie: Angst vor der Couch?

Text: YOLO Online-Redaktion

„Es passt einfach nicht“: Kommt man in einer Beziehung an diesen Punkt, lohnt es sich vielleicht, professionelle Unterstützung zu suchen. Für viele ist eine Paartherapie noch immer ein Tabuthema, dabei kann eine solche dabei helfen, Missverständnisse zu erkennen und auszuräumen. Wie? Lesen Sie weiter!

Störende Verhaltensweisen des Partners, unterschiedliche Wertvorstellungen, Tatsachen, die man nicht bereit ist zu akzeptieren – in jeder Partnerschaft gibt es diese Momente. Im Laufe des Lebens verändern sich die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nun mal und das ist ganz normal. Diese Veränderungen machen auch vor der Beziehung nicht halt. Statt einem Miteinander kann der Grundtenor in einer Beziehung in ein Gegeneinander umschlagen, obwohl man sich doch eigentlich liebt.

Höhen und Tiefen sind normal und gehören zum Leben. Wenn Sie jedoch zum Alltag werden, wächst die Unzufriedenheit und die Gedanken häufen sich, ob die Beziehung es wert ist, fortgeführt zu werden. Wie lässt sich darauf eine Antwort finden? Kann eine Paartherapie helfen?

Anderes Verhalten durch eine Paartherapie?

In vielen Beziehungen schleicht sich nach einer Zeit eine gewissen Unzufriedenheit mit dem Verhalten des Partners ein. Sind es die miefenden Socken auf der Couch, das Geschirr, das nicht weggeräumt wird oder der offensichtlich rauszubringende Müll, der gekonnt übersehen wird. Viele Kleinigkeiten können dazu beitragen, dass sich der jeweils andere unwohl, nicht gesehen oder zu wenig wertgeschätzt fühlt. Was dabei selten wirkllich hilfreich ist, ist den Partner auf sein Verhalten, an dem man sich selbst stört, aufmerksam zu machen. Der Versuch, den Partner „umzuerziehen“, bringt selten Erfolg. Denn wenn der Partner sein Verhalten nicht selbst ändern möchte beziehungsweise keinen Anlass dazu sieht, wird er es zukünftig vielleicht ein- oder zweimal anders machen, dann aber einfach wieder darauf vergessen - ohne es böswillig zu meinen.

Unser Verhalten wird durch unsere eigene Erziehung, die wir erfahren haben, unser Umfeld sowie unsere Kultur sehr geprägt. Diese Prägung zu durchbrechen ist schwer, weil sie schon so früh eingesetzt hat und wir sie über die Jahre verinnerlicht haben. Darüber hinaus wird unser Verhalten aber auch davon beeinflusst, welche Fähigkeiten wir uns im Lauf unserers Lebens angeeignet haben und welche Werte wir entwickelt haben. Nicht zuletzt prägen auch unser eigener Charakter und unser soziales Netzwerk außerhalb der Familie unser Verhalten. Da liegt aber wiederum auch eine Chance, aus dem Elternhaus übernommene Verhaltensweisen zu erkennen und zu ändern. Unter der Prämisse, dass wir selbst diese Veränderung wollen, wird sie uns auch leicht fallen und mit hoher Wahrscheinlichkeit nachhaltig erfolgreich sein. 

Im Rahmen einer Paartherapie verbessert sich vor allem das Verständnis füreinander. Oft kommen unbewusste Bedürfnisse zutage und der eigentliche Grund für den Wunsch einer Verhaltensänderung wird klar. Das ist der Knackpunkt, der schließlich zu einer intrinsisch (also von innen heraus) motivierten Verhaltensänderung des Partners führt. 

Paartherapie: Weit mehr als „nur“ Beziehungsretter

Viele Faktoren können eine Partnerschaft strapazieren. Um Krisen in der Beziehung gemeinsam zu überstehen, braucht es ein gutes Fundament. Bei einer Paartherapie versucht der Berater aufzudecken, welche Probleme in der Beziehung bestehen. Erörtert wird auch, welche Ziele die Partner verfolgen und ob Probleme überhaupt lösbar sind. Eine Analyse der Lebensgeschichten gemeinsam mit dem Therapeuten erleichtert den Partnern, das Verhalten des jeweils anderen besser zu verstehen.

Dabei kommt der Paartherapie eine weitaus größere Rolle zu, als  „nur“ die Rettung einer Beziehung, wenn alles nur noch aussichtslos erscheint. Vielmehr bietet der offene und wertschätzende Gesprächsrahmen, den eine Therapie bietet, sich der eigenen Wünsche und Erwartungen bewusst zu werden und zu lernen, diese adäquat zu äußern. Es wird in weiterer Folge auch herausgearbeitet, ob eine Weiterführung der Beziehung gewünscht, sinnvoll oder möglich ist und falls eine Trennung in Betracht gezogen wird, wie diese respektvoll vonstattengehen kann. Denn eine Erfolgsquote einer Paartherapie gibt es leider nicht. Wie hingegen eine systemische Paartherapie dabei helfen kann, Konflikte gemeinsam zu bewältigen, das haben wir die Psychotherapeutin Bettina Russold gefragt.

Unser Podcast-Tipp zum Thema Paartherapie

„Der Paartherapie-Podcast“​ der studierten Psychologin und Online-Paartherapeutin Linda Mitterweger gibt frischen Input für erfüllte Beziehungen. Mit psychologischen Tipps, Tricks und Erfahrungsberichten aus der Online-Paartherapie erwarten die Hörer kurzweilige Folgen, die zu einem glücklichen Miteinander mit dem Partner inspirieren.

Jeden Freitag veröffentlicht die selbst bezeichnende Weltenbummlerin aus Augsburg eine neue Podcast-Folge auf iTunes, Spotify sowie auf ihrer Website PSY-ON.


Ein ausführlicher Artikel zum Thema Paartherapie mit Berichten von Paartherapeuten, die unterschiedliche Therapieansätze verfolgen, ist in unserer YOLO-Printausgabe vom Oktober 2020 erschienen. Sie können Ihr persönliches Exemplar hier nachbestellen.


Quellen:

  • Matt, Vera, Verhaltensmuster ändern ohne rumzumeckern, Abfrage vom 29.6.2021, 11:00 Uhr

Artikeleckdaten:

  • Artikelerstellung: 14.10.2020
  • Letztes Update: 29.6.2021

 

Wissenwertes für Sie

Noch schwanger werden mit 40?

Ein perfektes Alter um schwanger zu werden gibt es wahrscheinlich nicht – denn das Leben ist bekanntlich nicht planbar. Klar ist, dass mit zunehmendem Alter Frauen schwerer schwanger werden. Die Psyche spielt dabei immer eine entscheidende Rolle.