Frau im Freien mit einer Kapuze über dem Kopf lächelt und ist sehr glücklich.
22.10.2020

Diese Hormone machen Sie glücklich

Text: Ursula Mitteregger

Glücklichsein kommt nicht von allein! Oder doch? Sind nämlich unsere Glückshormone aktiv, sind wir ganz von selbst in guter Stimmung. Erfahren Sie in unserem YOLO 1x1 der Glückshormone, welche Botenstoffe Sie „gut drauf“ machen und wie Sie die Glückshormon-Produktion beeinflussen können.

Unser Körper ist in der Lage sechs verschiedene Hormone, die unser Glücksempfinden maßgeblich mitbestimmen, selbst zu produzieren. Das sind: Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Endorphine, Phenethylamin und Oxytocin. 

Serotonin

Serotonin ist wohl das bekannteste Glückshormon. Es ist an verschiedenen Vorgängen im zentralen Nervensystem beteiligt und beeinflusst unser Schmerzempfinden, Schlaf- und Sexualverhalten und generell unseren emotionalen Zustand. Serotonin wird auch als Wachhormon bezeichnet, da es ausgeschüttet wird, sobald der Tag anbricht. Im Sommer wird mehr Serotonin ausgeschüttet, da die Tage länger sind. Wird es dunkel, übernimmt das sogenannte Schlafhormon Melatonin die Regentschaft. 

Serotonin wird im Körper größtenteils in den sogenannten enterochromaffinen Zellen des Darms hergestellt. Es wird aber auch in den Nervenzellen des Gehirns mithilfe von Tryptophan produziert. Wie Sie durch Ihr Essverhalten die Serotoninproduktion beeinflussen können – und warum Kohlenhydrate in diesem Zusammenhang so wichtig sind – das erfahren Sie in unserem Artikel „Das macht Bewegung mit Ihrem Körper“

Dopamin

Dopamin leitet im Körper Gefühle und Empfindungen weiter und trägt daher maßgeblich dazu bei, dass wir uns glücklich fühlen. Außerdem steuert Dopamin die Durchblutung der inneren Organe und leitet Impulse an die Muskeln weiter. 

Dopamin gehört durch seine chemische Zusammensetzung zur Gruppe der sogenannten Katecholamine und hat für unser Herz-Kreislaufsystem eine anregende Wirkung. Das Hormon wird von den Dopaminneuronen tief im Gehirn im sogenannten Mittelhirn produziert. Es aktiviert u. a. unseren „Lustknoten“ im Gehirn, den Nucleus accumbens, wodurch Opioide im Gehirn freigesetzt werden, die uns ein gutes Gefühl geben. Wie unsere gesamten Emotionen entstehen und was das "limbische System" in unserem Körper damit zu tun hat, lesen Sie in unserer YOLO-Printausgabe vom 4. Dezember 2020.

 

Noradrenalin

Noradrenalin wird auch Norepinephrin genannt und ist ein körpereigenes Hormon, das im Nebennierenmark gebildet wird. Es kann aber auch als Neurotransmitter im zentralen Nervensystem (genauer im Locus caeruleus) hergestellt werden. In dieser Rolle leitet es Erregungen im Nervensystem weiter und steuert somit den Grad unserer Wachheit und Aufmerksamkeit. Außerdem steigert Noradrenalin unsere Motivation und geistige Leistungsbereitschaft.

Durch die Ernährung können Sie die Produktion Ihrer Glückshormone aktiv beeinflussen.
Durch die Ernährung können Sie die Produktion Ihrer Glückshormone aktiv beeinflussen.

Endorphine

Endorphine sind Schmerzmittel und Glückshormone zugleich, denn sie werden beispielsweise bei starken Verletzungen ausgeschüttet und lindern somit den Schmerz. Sie versetzen unseren Körper in eine Art Rauschzustand, in dem wir am liebsten die ganze Welt umarmen würden. Sie heben unsere Laune, wecken unseren Tatendrang und machen Lust auf neue Abenteuer.

Endorphine werden im Gehirn in der Hypophyse und im Hypothalamus gebildet. Die Hypophyse wird auch Hirnanhangdrüse genannt und kontrolliert u. a. unseren Hormonhaushalt. Sie ist eine erbsen- bis kirschgroße Ausstülpung an der Unterseite des Gehirns. Der Hypothalamus befindet sich hingegen unterhalb des Thalamus (wie der Zusatz  „Hypo-“ schon verrät) im vorderen Bereich des Zwischenhirns. Endorphine bestehen aus bis zu fünf Aminosäuren und werden unterteilt in Alpha-Endorphin, Beta-Endorphin (kommen im menschlichen Körper am häufigsten vor) und Gamma-Endorphin. 

Die Glückshormone werden aber nicht nur bei starken Schmerzen, sondern auch bei positiven Ereignissen freigesetzt. Endorphine docken an die gleichen Rezeptoren an wie Opiate, was dazu führt, dass es zu einer rauschartigen Euphorie kommen kann.

Phenethylamin

Phenethylamin (PEA) ist für unser Lust- und Glücksempfinden mitverantwortlich. Seine Ausschüttung kann sowohl durch körperliche als auch psychische Ursachen erfolgen. Beispielsweise führt sportliche Betätigung zu einem Anstieg der Phenethylamin-Konzentration im Körper, was zu einem rauschartigen Zustand führen kann. Aber auch das Gefühl des Verliebtseins hebt den Phenethylamin-Spiegel im Körper. Gleichzeitig schränkt es das rationale Denken ein, was zu einer gewissen Sorglosigkeit oder sogar „Blindheit“ führen kann.

Phenethylamin ist die Stammsubstanz der Katecholamine, zu der auch Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin gehören. Sie leiten sich also von Phenethylamin ab.

Oxytocin

Oxytocin erfreut sich mittlerweile großer Bekanntheit, denn es wird auch als das Kuschelhormon bezeichnet. Es wird bei körperlicher Berührung ausgeschüttet und stärkt dadurch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Beispielsweise leitet es bei Schwangeren die Wehen ein, stimuliert die Milchproduktion, ermöglicht das Stillen und stärkt allgemein die Bindung zwischen Mutter und Kind. Naheliegend, denn der Name, der sich aus dem Altgriechischen ableitet, bedeutet übersetzt „schnelle Geburt“.

Das Hormon wirkt sich aber nicht nur auf die Mutter-Kind-Beziehung aus, sondern beeinflusst generell unser soziales Miteinander und unsere soziale Kompetenz. Es hilft uns, Vertrauen in andere Menschen aufzubauen, reduziert negativen Stress, Angstzustände und aggressives Verhalten und steigert unser Einfühlungsvermögen (Empathie).

Wie auch die Sexualhormone Progesteron, Östrogen und Testosteron mit dem Glücksempfinden zusammenhängen, erfahren Sie an dieser Stelle.

Was unser Glücksempfinden nachweislich beeinflusst

1. Soziale Beziehungen

Ein Partner, Familie oder Freunde, denen Sie vertrauen und alles erzählen können, machen nachweislich glücklich.

2. Andere Menschen glücklich machen

Sich in einem gesunden Ausmaß um andere Menschen zu kümmern und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht sowie soziales Engagement im Allgemeinen sind ein wesentlicher Glücksfaktor. 

3. Erfüllende Tätigkeiten

Das kann eine ehrenamtliche Tätigkeit genauso sein wie ein Beruf, der Ihnen Spaß macht. Eine sinnvolle Tätigkeit, bei der Sie Ihre Stärken einsetzen können und wobei Sie Wertschätzung erfahren, wirken sich positiv auf das Glücksempfinden aus.

4. Gesundheit

Körperliche, geistige und seelische Gesundheit beeinflussen unser Glücklichsein maßgeblich. Worauf Sie bei Bewegung beziehungsweise Training auf jeden Fall achten sollten, gibt's in unserem Artikel „Die 9 besten Tipps für Trainingseinsteiger“.

5. Dankbarkeit

Dankbarkeit erhöht die Lebenszufriedenheit. Auch die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen sowie Dankbarkeit von anderen zu erfahren und diese zurückzugeben steigern unser Wohlbefinden.

6. Bewegung

Auch Bewegung und körperliches Training stimmen uns glücklich. Sie regen die Ausschüttung von Glückshormonen in unserem Körper an. 


Quellen:


Artikeleckdaten:

  • Erstellung: 22.10.2020
  • Letztes Update: 26.02.2021

 

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